Lasches Drama mit langweiligen Figuren
Die französische Regisseurin Éléonore Faucher drehte 2004 ihr Spielfilmdebüt: „Die Perlenstickerinnen“. Ein ruhiges Drama über eine junge, schwangere Frau, die in ihrer Leidenschaft fürs Sticken aufgeht. Klingt eigentlich ganz süß für einen Film, doch das Ergebnis ist leider ziemlich lasch geworden…
Die junge Claire ist ungewollt schwanger und hat Angst es ihrer Umwelt mitzuteilen. Sie denkt über eine Adoption nach. Bis dahin möchte Claire ihrer Leidenschaft, dem Sticken, nachgehen. Dafür fragt sie bei der zurückgezogenen Frau Mélikian (sie selbst ist Stickerin) nach einer Arbeit…
Das Schöne an vielen französischen Filmen ist, dass sie oftmals frei von schmerzhaftem Kitsch sind. Auch hier ist das der Fall und in meinen Augen der größte Pluspunkt des Films. Das Drehbuch verzichtet auf abgedroschene Phrasen und gibt den Figuren Zeit zum Atmen. Das Problem: Es ist zu viel Luft zum Atmen da. „Die Perlenstickerinnen“ ist ein unfassbar ereignisloser Film. Dabei passieren Dinge, wie etwa ein Selbstmordversuch. Doch leider versteht man nur selten, warum die Figuren tun, was sie tun. Claire zum Beispiel: Sie hadert mit ihrer Schwangerschaft und stickt gerne, aber ansonsten bleibt sie erstaunlich blass. Das trifft leider auf alle Figuren zu. Dies ist ein Beispiel eines Films, der zu vage in seiner Präsentation bleibt. So ist die urplötzliche Liebesgeschichte am Ende vollkommen fragwürdig, besonders durch eine etwas übergriffige Aktion ein paar Szenen zuvor.
Auch wenn die Darsteller*innen nicht schlecht sind, so fehlt es den Figuren doch irgendwie an Substanz. Was wollen diese Charaktere? Ich weiß es nicht. Hinzu kommt, dass der Film mit 88 Minuten extrem schnell vorbei ist, wir aber in dieser Zeit eben kaum was über die Figuren kennen lernen. Das Ende des Films kommt dann auch aus dem Nichts, obwohl gefühlt gerade mal der erste Akt rum ist...
Visuell sieht der Film ganz hübsch aus und kann mit einem guten Score von Michael Galasso auftrumpfen. Problematisch ist für mich nur das Töten von echten Fischen im Film und ist für mich ein No-Go!
Fazit: „Die Perlenstickerinnen“ ist ein Film, den ich als „artsy-fartsy“ beschreiben würde. Er möchte gern bedeutsam, poetisch und gefühlvoll sein, bleibt aber zu blass, zu uninteressant und dadurch am Ende leider langweilig.