Ein alternder Maler malt seit zehn Jahren nicht, seine Muse (und Frau) inspiriert ihn nicht mehr, das begonnene Meisterwerk bleibt unfertig. Dann taucht eine junge Schöne auf, die ihm Modell steht, und das Gemälde findet seine Vollendung. Der Zuschauer, der stundenlang das Drama der gepeinigten Bildanfertigung hat verfolgen können, bekommt das eigentliche Bild nicht zu Gesicht [das in der Wand zugemauert wird]: der Maler hatte sich selbst und von dem Modell alles bis zum Äußersten abverlangt, was für das Gemeinpublikum nicht bestimmt war, ihm [und dem Kommerz] wird ein konformes Ersatzbild, ein weiblicher Torso, kredenzt. Maler und Modell und nächste Umgebung sind danach nicht mehr dieselben. "Kunst muß man aushalten" - schrieb Goethe - und sich selbst auch! Eine echte Herausforderung für den Zuschauer stellt dieses Kunstwerk des einmaligen Jacques Rivette dar, nix für gestresste Hektiker, nix für
'action-freacks', und schon gar nix für Spassvögel. Nur wer bereit ist, sich selbst bis zur letzten Konsequenz zu stellen, kann diesem kunstvollen Selbstversuch was abgewinnen. Die Mühe ist es allemal wert, besonders wertvoll.