Die tollkühne Hexe in ihrem fliegenden Bett
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Sebastian Schlicht7
Sebastian Schlicht7

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3,0
Veröffentlicht am 21. Februar 2026
Zauberhafte Momente, umgeben von teils unnötiger Kriegsthematik...

Zwei Jahre nach dem Meisterwerk „Mary Poppins“ (1964) verstarb Walt Disney und lange Zeit vermied es der große Mauskonzern einen weiteren Realfilm mit magischen Elementen zu drehen. Erst 1971, kurz vor dem Tod des anderen Disney-Bruders (Roy), erschien schließlich „Die tollkühne Hexe in ihrem fliegenden Bett“, basierend auf den Büchern von Mary Norton. Die Parallelen zu „Mary Poppins“ waren jedoch unverkennbar: Nicht nur Regisseur Robert Stevenson kehrte zurück, auch das Autorenteam Bill Walsh und Don DaGradi schrieb wieder das Script. Und die Sherman-Brüder waren wieder für den Großteil der Musik verantwortlich. Zudem gibt es auch in der Handlung ähnliche Elemente, wie eine liebenswerte, aber jedoch strenge Lady, die mit ihrer Zauberkraft kleinen Kindern eine Freude bereitet. Und als wäre dies nicht genug, hat auch Schauspieler David Tomlinson (er spielte in „Mary Poppins“ den Vater) wieder eine größere Rolle. Kein Wunder also, dass es „Die tollkühne Hexe“ schwer hatte an den Kinokassen. Der Film war zwar immer noch erfolgreich und genießt einen gewissen Kultstatus, war jedoch kein Vergleich zum gigantischen medialen Erdbeben, welches „Mary Poppins“ war. Und dennoch bin ich mit der Hexe aufgewachsen, statt mit Mary Poppins. Zumindest als Kind hatte ich den Film immer wieder geschaut und war beeindruckt von der Magie und dem Witz. Doch wie schon bei „Elliot, das Schmunzelmonster“, welcher 1977 erschien und ebenfalls von Disney produziert wurde, betrachte ich das Ganze aus heutiger Sicht deutlich anders.

Die Geschichte spielt trotz ihrer fantastischen Elemente in einer düsteren Zeit nämlich 1940, zur Zeit des zweiten Weltkriegs: Die schrullige, aber liebenswerte Miss Caroline Price soll drei Waisenkinder aus London aufnehmen. Weder sie noch die Kids sind begeistert, doch das ändert sich als die drei Geschwister rauskriegen, dass ihre neue „Mutter“ eine Hexe ist. Eine Hexe, die jedoch gerade ihre Ausbildung macht…

Von da an ist der Film so ziemlich das, was man sich von einem Disney-Film mit magischen Elementen vorstellt. Besonders die früheren Werke hatten oftmals nur eine lose Handlung, die als Begründung für spektakuläre und kreative Momente dienen sollte. „Die tollkühne Hexe“ ist ein Paradebeispiel für diese Art von Filmen. Wir hangeln uns von einer fantastischen Szene zur nächsten und diese sind allesamt sehr unterhaltsam, sowohl was den reinen Spaßfaktor angeht als auch aus technischer Sicht. Wie bei „Mary Poppins“ nutzt der Film echte Trickeffekte, gemischt mit klassischer Zeichentrickkunst. Der Film gewann dafür zurecht den Oscar für die besten Effekte. Die ikonische und beste Szene ist für mich nach wie vor das Fußballspiel der Tiere, welches man jedoch auch vollkommen losgelöst vom Film schauen und genießen kann.

Und hier liegt auch das Problem des Films: Die Rahmenhandlung ist ganz süß, aber längst nicht so kraftvoll oder tiefgreifend wir „Mary Poppins“. Die Idee einer Hexe, die ausgedachte Zaubersprüche nutzt, um Magie zu nutzen, ist ganz nett, doch ihre Beziehung zu den Waisenkindern bleibt die meiste Zeit recht oberflächlich. Auch Mr. Browne ist eine witzige und charmante Figur, die jedoch im Laufe des Films selten eine engere Verbindung zu den restlichen Charakteren aufbaut. Die romantischen Momente zwischen ihm und Caroline wirken am Ende auch sehr aufgesetzt. Apropos aufgesetzt: Die Einbindung der deutschen Nazis im Film wirkt nicht nur aufgesetzt, sondern auch vollkommen deplatziert. Ja, die Geschichte spielt während des Krieges, aber warum eigentlich? Damit Caroline drei Waisenkinder aufnehmen kann? Danach sind die Nazis nur noch ein Mittel zum Zweck, nämlich um eine große Schlacht zwischen Soldaten und Rittern inszenieren zu können. Das alles ist optisch sehr schick gemacht und unterhaltsam, aber am Ende bleibt doch ein seltsamer Beigeschmack bei dem Ganzen. Zudem schwingt bei dem Ganzen auch eine Art Kriegspropaganda mit, denn am Ende des Films muss eine der Figuren selbst in den Krieg ziehen.

In der deutschen Fassung ist das jedoch nicht wirklich nachvollziehbar, denn es gibt mehrere Versionen des Films. In der ersten deutschen Fassung wurden zum Beispiel alle Hinweise auf den zweiten Weltkrieg entfernt. Erst beim Re-Release in 2003 kamen diese Szenen und Dialoge wieder in den Film. Jedoch fehlten weiterhin andere Momente, wie etwa das Ende, in dem eine der Figuren eben in den Krieg ziehen muss. Dafür muss man dann die ungeschnittene amerikanische Fassung schauen, die deutlich mehr Kriegsthematik in der Story hat. Aber will man das? Am Ende treffen hier zwei sehr gegenseitige Ideen aufeinander, die nicht so wirklich harmonieren: Da ist die magische und klassische Disney-Zauberwelt und dann haben wir die düstere Realität des Krieges. Dieser krasse Gegensatz hat in vielen anderen Filmen sehr gut funktioniert (zum Beispiel im moderneren „Pan´s Labyrinth“ von 2006), hier jedoch nicht, zumindest in meinen Augen.

Schauspielerisch geben Angela Lansbury und David Tomlinson eine tolle Performance ab, auch die Kinder sind solide. Der Star sind jedoch die Effekte und die tollen Zeichentrick-Animationen auf der Insel Naboombu. Die Musik ist ebenfalls gut, jedoch längst nicht so eingängig wie in „Mary Poppins“. Zudem fehlen in der deutschen Fassung einige Songs, darunter auch ein Titel, der für den Oscar nominiert war…

Außerdem muss ich leider die Verwendung von echten Tieren kritisieren. Nicht weil der Film echte Tiere benutzt hat, sondern weil es ein paar Momente der Tierquälerei gibt. Auf den ersten Blick nichts Krasses, aber ein Kaninchen sollte man bitte nicht an den Ohren hochziehen! Und auch wenn es deutlich schlimmere Beispiele für Tierquälerei in der Filmwelt gibt, so kann ich so etwas aus heutiger Sicht nicht mehr einfach ignorieren.

Fazit: „Die tollkühne Hexe in ihrem fliegenden Bett“ ist für Kinder sicherlich ein nach wie vor unterhaltsamer Märchenfilm, trotz der ganzen (unnötigen) Kriegsthematik. Ich als Erwachsener habe jedoch etwas Tiefe vermisst. Ich brauche nicht unbedingt den zweiten Weltkrieg, damit ein magischer Disney-Film einen düsteren Touch bekommt. „Mary Poppins“ hat wunderbar gezeigt, dass selbst eine einfache Sache, wie das Erwachsenwerden, unheimlich genug sein kann. Wer jedoch ein Fan von Angela Lansbury ist, der wird hier sicherlich großen Spaß haben!
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