Heute Abend streamen: In diesem hochspannenden Klassiker trumpft einer der größten Hollywood-Stars aller Zeiten so richtig auf
Sidney Schering
Sidney Schering
-Freier Autor und Kritiker
Schon in der Grundschule las er Kino-Sachbücher und baute sich parallel dazu eine Film-Sammlung auf. Klar, dass er irgendwann hier landen musste.

Hollywood-Größe James Stewart in einer rauen, entfesselten Performance und ein Drehbuch, das einst für moralische Entrüstung sorgte: Mit „Anatomie eines Mordes“ könnt ihr heute Abend einen Meilenstein des Justizkinos streamen.

Vorübergehend wurde „Anatomie eines Mordes“ in Chicago verboten, weil das Skript dem damaligen Bürgermeister zu unangenehm war. Hollywood-Branchenblätter waren erstaunt, wie direkt sich der Gerichtsdrama-Meilenstein über die selbst auferlegte Zensur der Traumfabrik hinwegsetzte. Die Justizvereinigung American Bar Association zählt ihn zu den besten Gerichtsfilmen aller Zeiten. Und seit über einem Jahrzehnt gilt er offiziell als US-amerikanisches Kulturgut!

Kurzum: Es gibt genügend Gründe, weshalb es sich lohnt, diesen Klassiker zu sehen. Erst recht, weil darin einer der besten Darsteller der Hollywood-Geschichte eine seiner stärksten Performances abgibt! Ihr könnt euch den Film aktuell via Amazon Prime Video beschaffen:

Darum geht es in "Anatomie eines Mordes"

Michigan in den 1950er-Jahren: Eine beschaulich anmutende Kleinstadt wird durch einen Mord aufgerüttelt. Laura Manion (Lee Remick) wurde vom Barbesitzer Barney Quill vergewaltigt. Daraufhin hat der hoch dekorierte Soldat Frederick Manion (Ben Gazzara) den Peiniger seiner Gattin erschossen. Laura bittet den früheren Bezirksstaatsanwalt Paul Biegler (James Stewart), ihren Mann zu verteidigen, obwohl er neuerdings bloß kleine, banale Fälle annimmt. Biegler sagt zu, jedoch stellen sich ihm zahlreiche Fragen:

Der Amtsarzt bezweifelt, dass es tatsächlich zu einer Vergewaltigung kam. Und Frederick erweist sich als jähzornige, berechnende Person, sodass der Verdacht eines geplanten Mordes im Raum steht – nicht die von den Manions suggerierte Affekttat. Vor Gericht mutiert der Prozess zum Grundsatzduell zwischen Biegler und dem Bezirksstaatsanwalt Mitch Lodwick (Brooks West), der sich zudem den erfahrenen, abgebrühten Ankläger Claude Dancer (George C. Scott) ins Boot holt.

Biegler wird derweil von seinem langjährigen Wegbegleiter Parnell Emmett McCarthy (Arthur O'Connell) unterstützt – einem versierten Rechtstheoretiker, der allerdings aufgrund seiner Alkoholsucht nicht mehr ganz auf der Höhe ist. Alle Beteiligten erhoffen sich mehr und mehr von diesem Fall, doch die Wahrheit scheint bloß noch am Rand von Belang zu sein...

Rau, intelligent und desorientierend

Bei der im April 1960 abgehaltenen, 32. Verleihung der Academy Awards ergatterte „Anatomie eines Mordes“ sieben Nominierungen in sechs verschiedenen Kategorien: Neben Nennungen in den Sparten „Bester Schnitt“, „Bestes adaptiertes Drehbuch“, „Beste Schwarz-Weiß-Kamera“ und „Bester Film“ gab es sogleich zwei Nominierungen in der Kategorie „Bester Nebendarsteller“!

Sowohl Arthur O'Connell als auch George C. Scott wurden für die begehrte Trophäe vorgeschlagen – ebenso wie James Stewart, der selbstverständlich in der Sparte „Bester Hauptdarsteller“ antrat. Und der „Ist das Leben nicht schön?“-Star trumpft mit einer besonders entfesselten, rauen Performance ab, die den begnadeten Mimen von einer darstellerisch ungewohnten Seite zeigt. Allein schon für Stewart lohnt es sich, „Anatomie eines Mordes“ zu schauen!

Sensationell ist auch ein Aspekt des Films, den die Academy damals gar nicht beachtet hat: Die komplexe, jazzige Filmmusik des Jazzpianisten Duke Ellington (der auch einen Cameo im Film absolviert). Sein „Anatomie eines Mordes“-Score ist düster, verführerisch und auf schwermütige Weise verspielt. Und somit ist die Filmmusik eine ideale Begleitung dafür, wie Regisseur Otto Preminger und Drehbuchautor Wendell Mayes die Buchvorlage des Rechtsanwalts John D. Voelker interpretieren.

Denn obwohl „Anatomie eines Mordes“ mit beiden Beinen fest in der Wirklichkeit verhaftet ist, erzeugt der Film durch seine Vielzahl an Ambivalenzen eine desorientierende, förmlich albtraumhafte Stimmung: Dieser Film bildet den nervenzerfetzenden Prozess ab, sich durch Widersprüchlichkeiten, Vorverurteilungen und falsche Hoffnungen zu waten – hoffend, aber nicht wissend, das am Ende das angemessene Urteil gefällt wird.

Falls ihr danach noch nicht genug habt: Spannend geht es auch in unserem folgenden Filmtipp zu!

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