Mit sogleich mehreren unter die Haut gehenden, den Verstand kreisen lassenden Geniestreichen erarbeitete sich Regisseur und Autor David Lynch einen Ehrenplatz im Film-Olymp – und ging damit sogar in den Sprachgebrauch ein: Surreale, beklemmende, Paranoia weckende Filme und Serien werden in Anlehnung an seine bekanntesten Werke gerne als „lynchesk“ bezeichnet ...
... und einen der „lyncheskesten“ Filme überhaupt gibt es jetzt zum Sparpreis in 4K fürs Heimkino. Das dürfte für Fans, die in noch besserer Qualität in Lynchs Albträume abtauchen wollen, ebenso reizvoll sein, wie für alle, die einen letzten Schubs benötigen, um das Meisterwerk endlich mal nachzuholen: Der finstere Mystery-Mindfuck „Lost Highway“ ist als 4K-Edition als Amazon-Frühlingsangebot erhältlich!
Bei der Edition handelt es sich um ein limitiertes Steelbook, das neben der 4K-Disc auch eine Blu-ray des surrealen Klassikers enthält. Zudem ist er als Leih- und Kauf-VOD bei Amazon Prime Video* verfügbar.
"Lost Highway": Ein Verwirrspiel, das man gesehen haben muss
Jazzsaxophonist Fred Madison (Bill Pullman) wird nach einer Party festgenommen und des Mordes an seiner Frau Renée (Patricia Arquette) beschuldigt. In der Todeszelle auf seine Hinrichtung wartend, wird er von Kopfschmerzen geplagt und Visionen des Mystery Mans (Robert Blake) verfolgt. Als er sich in den Automechaniker Pete Dayton (Balthazar Getty) verwandelt, lassen die Wärter Pete frei – immerhin sitzt plötzlich ein Unschuldiger in Freds Zelle! Doch kaum auf freiem Fuß, beginnt Pete eine Affäre mit Alice (ebenfalls Patricia Arquette) und kommt schleunig vom Pfad der Tugend ab...
So beginnt ein überaus verwirrendes und sich im Hinterkopf festbeißendes Erlebnis, das sämtliche „Alles muss astrein und logisch ablaufen“-Filmfans nachhaltig zur Verzweiflung treiben dürfte. Denn die erzählerischen Sprünge und narrativen Ellipsen in „Lost Highway“ drängen uns zwar allesamt den einen oder anderen Interpretationsansatz auf – aber stets gibt es auch bewusste Lücken.
Man könnte Fred respektive Pete beispielsweise als Menschen mit gespaltener Persönlichkeit deuten, und den Wechsel als Versinnbildlichung dessen verstehen. Das ist über weite Strecken des Films ein ergiebiger Ansatz, der allerdings allein schon durch die bereitwillige Freilassung Petes einen gewaltigen Bauchschuss abbekommt. Ähnlich verhält es sich mit weiteren Deutungsversuchen, etwa dem Ansatz, dass die zweite Filmhälfte Freds gedankliche Flucht in ein Leben darstellt, in dem er unschuldig geblieben ist – bis wieder die Realität hereinbricht.
Es ist leicht, den „Lost Highway“ mit einem Gedanken entlang zu düsen, doch irgendwann landet man zwangsweise in einer frustrierenden Sackgasse. Genau das Lynch als Skriptfehler anzulasten, wäre jedoch fatal: Dieser morbid-hypnotisch gefilmte, von wortwörtlichen wie sinnbildlichen Metamorphosen durchzogene Film gewinnt durch dieses Element an Wahnsinn. „Lost Highway“ wird so erst wirklich albtraumhaft (oder sind eure Albträume lückenlose Alltagsnarrativen?) und erinnert zugleich daran, dass sich im Leben wie in der Kunst verschiedene Wege anbieten – und keiner davon frei von Schlaglöchern ist.
Heimkino-Highlight: Dieses berührende Meisterwerk ist einer der schönsten Filme der letzten 40 JahreDies ist eine überarbeitete Wiederveröffentlichung eines bereits auf FILMSTARTS erschienenen Artikels.
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