Es ist kein Zufall, dass einem beim Gedanken an das Western-Genre sofort epische Seherfahrungen in den Sinn kommen – und damit ist nicht nur die Bildgewalt gemeint, sondern oft auch die Länge der Filme. „Zwei glorreiche Halunken“ bringt es schließlich auf über 160 Minuten, „Der mit dem Wolf tanzt“ läuft sogar fast vier Stunden.
Ein gelungener Western braucht jedoch nicht unbedingt Überlänge. Das beste Beispiel dafür ist „Nackte Gewalt“ aus dem Jahr 1953. Der oscarnominierte Film von Regie-Meister Anthony Mann kommt auf gerade einmal 90 Minuten. Noch nie von diesem Klassiker gehört? Am heutigen 19. November könnt ihr „Nackte Gewalt“ ab 20.15 Uhr bei Arte nachholen – und das ganz ohne Werbeunterbrechungen!
Darum geht's in "Nackte Gewalt":
Howard Kemp (James Stewart) war einst Farmer, hat inzwischen aber seine Ranch verloren. Als ein Kopfgeld in Höhe von 5.000 Dollar auf den gesuchten Mörder Ben Vandergroat (Robert Ryan) ausgesetzt wird, macht sich Kemp auf den Weg, den Verbrecher zu stellen.
Wie es der Zufall will, trifft Vandergroat und seine Begleiterin Lina Patch (Janet Leigh) ausgerechnet auf die beiden Gelegenheitsgauner Jesse Tate (Millard Mitchell) und Roy Anderson (Ralph Meeker). Doch damit beginnen die wahren Strapazen, denn schon bald kommt es auch zur Begegnung mit Howard Kemp – und es entbrennt ein zermürbendes Psychoduell.
Ein untypisches Duell
Wer bei „Nackte Gewalt“ auf knallende Schusswechsel und weite Wüstenlandschaften hofft, wird überrascht sein. Anthony Manns Western löst sich bewusst ein Stück weit von den üblichen Genre-Konventionen und verlegt die Handlung nicht nur in eine harte, grüne Landschaft. Die Duelle, die hier stattfinden, spielen sich größtenteils auf psychologischer Ebene ab – auch wenn der Revolver hin und wieder dennoch aus dem Halfter gezogen wird.
Die Spannung in „Nackte Gewalt“ entsteht vor allem durch das intensive, hervorragend gespielte Kräftemessen der Figuren. Howard Kemp und Co. werden nicht nur von persönlichen Konflikten angetrieben, sondern auch durch gegenseitigen, stetig wachsenden Argwohn belastet. Am Ende geht es nicht einfach um Gut gegen Böse, sondern um Vertrauen, Gier und Gerechtigkeit – und darum, wie Menschen an all diesen Dingen zerbrechen können.
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