Heute Abend streamen: Einer der besten Filme der letzten 15 Jahre – radikal, roh und aufwühlend!
Monta Alaine
Monta Alaine
Bereits jung von ihrem Vater an Klassiker wie "Taxi Driver" und "Clockwerk Orange" herangeführt stand fest: Film sollte es sein. Nach diversen Stops in der Branche gilt ihre Liebe auch heute noch Hollywood-Kino à la Nolan und raffinierten Arthouse-Filmen.

Unser Streaming-Tipp ist ein Film, der nicht nur erzählt, sondern überwältigt – auf allen Ebenen.

Bereits als Kind stand der Kanadier Xavier Dolan vor der Kamera – später, als er Schwierigkeiten hatte, Rollen zu bekommen, nahm er die Dinge kurzerhand selbst in die Hand. Sein Regie-Debüt „I Killed My Mother“ (2009), dessen Drehbuchautor, Produzent und Protagonist er ebenfalls war, wurde in Cannes gefeiert und gewann dort drei Preise.

Danach war das „Wunderkind des Arthouse-Kinos“, wie der zu dem Zeitpunkt gerade mal 20-jährige Dolan genannt wurde, quasi nicht aufzuhalten. Jeder seiner Filme feierte Premiere auf A-Festivals dieser Welt und genoss internationales Aufsehen. Nachdem seine letzten Filme dann aber nicht mehr auf ganz so positive Resonanz stießen, gab Dolan 2023 bekannt, von der Filmindustrie müde zu sein und das Filmemachen aufzugeben. Ein großer Verlust für die Branche sicherlich – und umso wertvoller ist damit sein bisherigs Werk.

Besonders ans Herz legen möchten wir euch heute „Mommy“, der 2004 den Preis der Jury in Cannes erhielt und mit dem er auch kommerziell seinen größten Erfolg feiern konnte.

Mommy
Mommy
Starttermin 13. November 2014 | 2 Std. 19 Min.
Von Xavier Dolan
Mit Anne Dorval, Antoine-Olivier Pilon, Suzanne Clément
Pressekritiken
4,0
User-Wertung
4,0
Filmstarts
4,5

Wie auch in „I Killed My Mother“ ist eine schwierige Mutter-Sohn-Beziehung die Grundlage der Geschichte – womöglich bis zu einem gewissen Grad autobiografisch inspiriert. Denn Xavier Dolan war wohl selbst kein einfaches Kind und wuchs teilweise im Internat auf. „Mommy“ erzählt von schwerer Erziehbarkeit, von zerbrechenden Verhältnissen und von Mutter-Sohn-Liebe mit einer Wucht, die einem direkt ins Mark geht. Aktuell bekommt ihr ihn auf Amazon Prime Video zu leihen oder zu kaufen – wenn auch leider nur in der deutsch synchronisierten Fassung. Wer lieber das absolut sehenswerte französische Original sehen möchte, kann auf die Blu-ray* bzw. DVD zurückgreifen.

Zwischen Liebe und Kontrollverlust

Im Zentrum der Geschichte steht Diane, genannt „Die“ (Anne Dorval), eine alleinerziehende Mutter, die versucht, ihren hyperaktiven, zu Wut- und Gewaltausbrüchen neigenden Teenie-Sohn Steve (Antoine-Olivier Pilon) in den Griff zu bekommen. Ein Junge, der ebenso charmant wie unberechenbar ist – und dessen Verhalten ständig zwischen Zärtlichkeit und Eskalation pendelt.

Als die schüchterne Kyla (Suzanne Clément) mit ihrer Familie nebenan einzieht, entwickelt sich zwischen ihnen eine fragile Freundschaft. Auch Kyla hat ihr Päckchen zu tragen: Nach einem traumatischen Ereignis stottert sie und hat ihren Beruf als Lehrerin vorübergehend an den Nagel gehängt. Für einen kurzen Moment scheint sich so etwas wie Stabilität einzustellen – die mit einem Kind wie Steve jedoch kaum von Dauer sein kann.

Kino, das in jeder Hinsicht ausbricht

„Mommy“ bricht seine Figuren, bricht mit Erwartungen an Familie und Harmonie, mit Vorstellungen davon, was Mütter zu sein und Söhne zu leisten haben – bricht aber auch formal auf Bildebene. Dolan arbeitet über weite Strecken im quadratischen Bildformat (1:1), das seine Figuren einengt und die Enge auf das Publikum überträgt.

Wenn das Bild sich dann zu den Seiten hin öffnet, werden für einen kurzen Moment die Freiheit und Möglichkeiten körperlich spürbar – ein physischer Befreiungsschlag, der einem geradezu das Herz öffnet. Kurz darauf wird alles wieder eng, angespannt, jeder Moment steht auf der Kippe.

Dolan inszeniert seine Protagonisten in schmerzhafter Glaubwürdigkeit: Antoine-Olivier Pilon als Steve ist ein Flummi zwischen überschäumender Energie und ungebremster Wut; Anne Dorval füllt Diane mit Zärtlichkeit und trotziger Kraft; Suzanne Clément ist das weiche Bindeglied dazwischen. Als weitere treibende Kraft kommt der grandiose Soundtrack hinzu, u.a. mit Lana del Rey, Oasis und Céline Dion. „Mommy“ lebt von Extremen und Gegensätzen, ist mal laut, mal leise, geht ins Herz, um es dann zu brechen. Ein Film, der sich jeder Zurückhaltung verweigert und der einen auf allen Ebenen hineinzieht.

Ein weiteres Meisterwerk von Xavier Dolan findet ihr hier:

160-Minuten-Meisterwerk heute streamen: Einer der besten Filme der letzten 15 Jahre – den viele gar nicht kennen!

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