Wenn wir an das Horror-Kino der frühen 2000er-Jahre denken, kommen uns viele erfolgreiche Titel in den Sinn: „Final Destination“, „Saw“, „Jeepers Creepers“ oder „Michael Bay's Texas Chainsaw Massacre“. In diese Ära, genauer gesagt ins Jahr 2003, fällt auch „Wrong Turn“ – ein Film, der für mich ebenfalls zu den Highlights dieser Genre-Ära zählt, allerdings nie wirklich die Liebe erfahren hat, die ihm eigentlich zusteht.
Denn auch wenn „Wrong Turn“ den Startschuss für eine langlebige Reihe setzte, die fünf Fortsetzungen und einen Reboot von 2021 hervorbrachte, zeigten sich Publikum und Presse wenig begeistert von dem Hinterwald-Reißer. Bei der englischsprachigen Kritiken-Sammelseite Rotten Tomatoes liegen die Werte positiver Bewertungen bei 40 (Kritiker) beziehungsweise 54 Prozent (Publikum). Ein Unding, denn „Wrong Turn“ ist gerade in seiner Einfachheit wirklich grandios!
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Darum geht's in "Wrong Turn"
Der junge Medizinstudent Chris (Desmond Harrington) ist auf dem Weg zu einem wichtigen Vorstellungsgespräch und entscheidet sich für eine Abkürzung durch einen abgelegenen Wald. Dabei kommt es zu einem Unfall mit dem Jeep von Jassie (Eliza Dushku), die gemeinsam mit ihren Freunden Carly (Emmanuelle Chrigui), Scott (Jeremy Sisto), Francine (Lindy Booth) und Evan (Kevin Zegers) ein entspanntes Campingwochenende in den Bergen verbringen wollte. Ihre Reise findet jedoch ein jähes Ende, als ein über die Straße gespannter Stacheldraht ihre Fahrzeuge beschädigt und beide Gruppen plötzlich ohne funktionierende Autos dastehen.
Gemeinsam machen sich die Sechs auf die Suche nach einem Ausweg aus dem unübersichtlichen Wald- und Berggebiet. Schließlich stoßen sie auf eine abgelegene Holzfällerhütte, die ihnen zunächst wie die Rettung erscheint. Auf der Suche nach einem Funkgerät durchsuchen sie das Gebäude und stoßen dabei auf einen schrecklichen Fund: Die Bewohner der Hütte scheinen Menschen gefangen zu halten und zu verspeisen. Aus dem verzweifelten Versuch, Hilfe zu finden, wird damit ein erbitterter Kampf ums Überleben.
Horror ohne doppelten Boden
In einer Zeit, in der sich das Horror-Genre zu großen Teilen dem großmetaphorischen Elevated-Horror-Kino verschrieben hat und ein Trauma nach dem nächsten abarbeitet, sind Filme wie „Wrong Turn“ inzwischen eine wohltuende Abwechslung. Regisseur Rob Schmidt („Mörderische Verführung“) hat sich hier zur Aufgabe gemacht, sich ganz in die Tradition des klassischen Backwood-Horrors zu stellen – allerdings ohne politischen oder gesellschaftskritischen Subtext.
Ganz im Gegenteil: Nachdem die Figuren kurz eingeführt werden und dabei auch schon schnell klar wird, wer hier zu Heldentaten in der Lage ist und wer lediglich als Kanonenfutter herhalten muss, geht es auch schon ans Eingemachte. „Wrong Turn“ ist dabei ganz und gar Hinterwäldler-Horror-Konzentrat und inszeniert den Kampf ums Überleben als adrenalingeladene Achterbahnfahrt, bei der auch vor einigen saftigen Härten nicht zurückgeschreckt wird:
In einer handwerklich tatsächlich sehr gut gelösten Suspense-Sequenz müssen zwei Mitglieder der Clique mitansehen, wie eine ihrer Freundinnen mit einer Säge zerteilt wird – ohne dabei auch nur einen Laut von sich geben zu dürfen. Darüber hinaus wird ordentlich mit der Axt gemetzelt, Fallen dürfen brutal zuschnappen und ein Pfeil durchbohrt einen Schädel. „Wrong Turn“ ist ein Horror-Reißer ohne doppelten Boden und ohne Verschnaufpause. Mehr braucht es oft nicht, um Genre-Fans wie mich glücklich zu machen.
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