Nach langem Warten geht es plötzlich hopplahopp: Im Horror-Thriller „Speak No Evil“ werden erst konstant Fragen, Sorgen, Ängste und soziale Beklemmungen geschürt, bevor schlagartig die erschütternden Antworten einprasseln.
Nach seiner Weltpremiere im Januar 2022 lief „Speak No Evil“ im September desselben Jahres im Rahmen des Fantasy Filmfests in ausgewählten deutschen Kinos. Der reguläre deutsche Kinostart fand jedoch erst 2023 statt. Und nun gelangt er in ein Streaming-Abo: Ab sofort ist „Speak No Evil“ bei HBO Max abrufbar. HBO Max wiederum könnt ihr als alleinstehenden Dienst abonnieren sowie als Prime Video Channel* bei Amazon!
Darum geht es in "Speak No Evil"
Bjørn (Morten Burian) und Louise (Sidsel Siem Koch) machen im Toskana-Urlaub zufällig Bekanntschaft mit Karin (Karina Smulders) und Patrick (Fedja van Huêt). Während Louise und Bjørn ein eher zurückhaltendes Naturell haben, ist das niederländische Paar gesellig und hält nach der Zeit im sonnigen Italien den Kontakt aufrecht. Insofern hätte es die jungen Eltern nicht verwundern sollen, als sie die Einladung erhalten, mit ihrer Tochter Urlaub bei Karin und Patrick zu machen.
Wirklich Lust hat das Paar zwar nicht, schließlich kennen sie die Beiden gar nicht so richtig. Aber ein Tapetenwechsel wäre mal was, und man will ja auch nicht unhöflich sein. Diese Scheu, Widerrede zu geben, zieht sich daraufhin durch die gemeinsame Zeit in den Niederlanden. Weshalb sich immer mehr Missverständnisse und Frustrationen anhäufen...
Prüfe, an wen du dich im Urlaub bindest
Bjørn ist ein notorischer Ja-Sager, Louise steht ihm in Sachen Duckmäusertum in Nichts nach. Das gastgebende Pärchen wiederum trifft liebend gerne impulsartige Entscheidungen, setzt Louise und Bjørn ständig vor vollendete Tatsachen und ist in Lagen heißblütig, in denen unsere Hauptfiguren schüchtern noch und nöcher sind.
Regisseur/Autor Christian Tafdrup und sein Bruder/Schreibpartner Mads Tafdrup zäumen dies zunächst als schleichend eskalierenden Psycho-Horror auf, der zugleich von knochentrockenem, beißendem Humor lebt: Die eklatante Diskrepanz zwischen den Paaren sorgt für Peinlichkeiten am laufenden Band, die in ihrer Masse der reinste Albtraum sind – einzeln betrachtet ist es aber lebensnahe Satire.
Denn wer kennt es nicht, mit Leuten auf einem Haufen zu hocken, die soziale Situationen komplett gegensätzlich auffassen? Ob man nun die stille, verschüchtert nickende Person ist, die sich von Entscheidungswütigen überrollen lässt, oder man der planende, agierende Part ist, der vergeblich versucht, träge Trantüten in Aktion zu versetzen: Diverse Augenblicke aus „Speak No Evil“ strotzen nur so vor Identifikationspotential.
Da sich diese unangenehmen Momente in diesem Genre-Geheimtipp jedoch stapeln, bleibt das Lachen alsbald im Halse stecken, und es drängt sich die Frage auf, wohin all das eskalieren soll. Sind Karin und Patrick aus böser Absicht so, wie sie sind? Werden die stillen Wasser Bjørn und Louise überschäumen? Oder bleibt es bei harmlosen Missverständnissen, deren Folgen lediglich immer härter und schmerzlicher werden?
Die Antworten seien hier natürlich nicht verraten. Wohl aber, dass der weitere Verlauf von „Speak No Evil“ für FILMSTARTS-Kritiker Lutz Granert „Fremdscham bis zur Schmerzgrenze (und weit darüber hinaus)“ geboten hat und er sich sicher ist, dass das brachiale „Finale einen tatsächlich äußerst verstört zurücklässt.“ Und die nächste bitterböse Horror-Ladung könnt ihr direkt danach streamen:
Heute Abend streamen: Einer der härtesten und verstörendsten Horror-Thriller der letzten Jahre*Bei den Links zum Angebot von Amazon handelt es sich um sogenannte Affiliate-Links. Bei einem Kauf über diese Links oder beim Abschluss eines Abos erhalten wir eine Provision. Auf den Preis hat das keinerlei Auswirkung.
Dies ist eine aktualisierte Wiederveröffentlichung eines bereits auf FILMSTARTS erschienenen Artikels.