Platz 4: „Belle De Jour“
(Luis Bunuel, Frankreich/Italien 1967)
„Belle De Jour - Schöne des Tages“ ist nicht nur der erste in Farbe gedrehte Spielfilm des spanischen Regisseurs Luis Buñuel, sondern auch eine der ersten populären Filmproduktionen, die sich offen mit der Thematik Sadomasochismus auseinandersetzt. Séverine (Catherine Deneuve) ist unzufrieden in ihrer Ehe mit dem Arzt Pierre (Jean Sorel) und flüchtet sich in sadomasochistische Fantasien. Nachdem sie die Bekannten Henri Husson (Michel Piccoli) und Renée (Macha Méril) trifft und von letzterer Geschichten über ein Bordell hört, beschließt Séverine als Prostituierte zu arbeiten. Anfangs sträubt sie sich gegen die Dienste, doch bald findet die Schöne des Tages Gefallen an den masochistischen Ritualen.
„Belle de Jour“ ist einer der ersten Filme überhaupt, der nicht nur die Fantasien einer masochistischen Frau zeigt, sondern diese auch völlig unbewertet lässt. Zwar wird Sévérine in ihren Träumen häufiger von ihrem Mann bestraft, doch diese „Bestrafung“ wird nicht auf moralisierende Weise dargestellt. Denn als ganz offensichtliche Masochistin genießt Sévérine diese Strafen mehr als das sie darunter leidet und gerade durch diesen Aspekt bleiben die surreal anmutenden Traumsequenzen selbst bei wiederholter Betrachtung stets äußerst ambivalent. In jedem Fall erscheint in Buñuels Meisterwerk weniger Sévérines „perverse“ Neigung als das eigentliche Problem, sondern ihr gesellschaftliches Umfeld, welches das Ausleben ihrer Neigungen verurteilt.