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    Darum müssen Netflix und Amazon bald mehr Filme und Serien aus Europa zeigen
    Von Annemarie Havran — 04.09.2018 um 18:13

    Eine neue EU-Richtlinie soll Streaming-Diensten wie Netflix und Amazon in Zukunft vorschreiben, dass europäische Kunden auf den Plattformen auch einen bestimmten Anteil europäischer Produktionen gezeigt bekommen.

    Julia Terjung / Netflix - Bild aus der deutschen Serie "Dark"

    Eine Quote für europäische Produktionen: Das sieht laut Variety ein Entwurf einer neuen EU-Richtiline vor, die Streaming-Dienste wie Amazon Prime Video und Netflix betreffen würde. Noch muss darüber abgestimmt werden, doch dies sei laut Roberto Viola, seines Zeichens Generaldirektor der Generaldirektion Kommunikationsnetze, Inhalte und Technologien, nur noch eine Formsache.

    30 Prozent europäische Filme und Serien

    Die neue Regelung wird alle Streaming-Anbieter betreffen, die in Europa operieren, und die Quote muss dann auch nur für den europäischen Markt erfüllt werden. Derzeit ist von einer Quote von 30 Prozent die Rede, das heißt: 30 Prozent aller auf der jeweiligen Plattform zum Streamen angebotener Inhalte müssten dann in Europa produziert worden sein. Das ist die Zahl, auf die sich die Dienste und der Europäische Gesetzgeber vorläufig geeinigt haben sollen. Individuell könnten einzelne Länder bei der Umsetzung der Richtlinie in nationale Gesetze die Quote dann aber sogar noch auf 40 Prozent erhöhen.

    In erster Linie wolle man dadurch die europäische Filmindustrie unterstützen. Roberto Viola schrieb dazu auf Twitter: Europäische Filmemacher produzieren großartige Inhalte. Es sollte einfacher für sie sein, diese einem neuen Publikum zugänglicher zu machen.“

    Weniger US-Produktionen?

    Wer sich nun sorgt, dass in Zukunft dadurch weniger Filme und Serien aus zum Beispiel den USA bei den Anbietern zu sehen sein werden, weil man stattdessen mehr europäische Produktionen einkauft, der kann erst einmal aufatmen. Da Netflix und Amazon ihr Angebot stetig aufstocken und eher an Wachstum ihrer Datenbank als an dessen Stagnation auf gleichem Level interessiert sind, gehen wir davon aus, dass die Streaming-Giganten einfach mehr europäische Produktionen einkaufen werden, um die Quote zu erfüllen, ohne von ihren Einkaufplänen auf den übrigen Filmmärkten abzuweichen.

    Generell werden bei den beiden großen Anbietern auch schon viele Formate in Europa produziert, Netflix zum Beispiel bringt nach der erfolgreichen Mystery-Serie „Dark“ nun mit „Dogs Of Berlin“ (Netflix-Start: 7. Dezember 2018) die zweite deutsche Eigenproduktion auf den Markt, Amazon hat beispielsweise mit Filmstar Matthias Schweighöfer bereits die zweite Staffel der deutschen Serie „You Are Wanted“ umgesetzt.

    Wann tritt die Regelung in Kraft?

    Die Richtlinie soll im Dezember 2018 verabschiedet werden. Danach hätten die Mitgliedsstaaten der EU 20 Monate Zeit, die Regelung im jeweiligen Land umzusetzen, also lokale Gesetze zu verabschieden. Übrigens wäre dann nicht nur die Erfüllung der Quote für die Streaming-Dienste verbindlich, sondern es wäre auch vorgeschrieben, wie prominent sie die europäischen Produktionen auf ihren Seiten präsentieren müssen. So soll vermieden werden, dass die Quote zwar erfüllt wird, die entsprechenden Inhalte aber „versteckt“ werden.

    Die Anbieter sollen dann zusätzlich auch verpflichtet werden, einen Beitrag zur nationalen Filmförderung zu leisten. Dieser Beitrag soll durch die Abonnement-Einnahmen generiert werden. In Deutschland gibt es eine solche Regelung, aufgrund derer Netflix in die deutsche Filmförderung einzahlen muss, schon länger. Während man mit der nun vor der Verabschiedung stehenden Quote aber anscheinend kein Problem hat, versucht Netflix diese Bezahlverpflichtung anzufechten, allerdings bislang erfolglos.

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