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    Dumm gelaufen: US-Christen verlangen Absetzung von Amazon-Serie – wenden sich dafür aber an Netflix!
    Von Christoph Petersen — 21.06.2019 um 12:30

    Das erste Ziel von 15.000 Unterstützern ist erreicht – und inzwischen stellen die fundamentalistischen Christen ihre Forderung nach dem Aus von „Good Omens“ sogar an den richtigen Adressaten, nachdem es zwischendurch doch reichlich Verwirrung gab.

    Netflix, äähm Amazon

    Gott mag unfehlbar sein, aber für seine (vermeintlich) treuesten Anhänger scheint das nicht zu gelten. Zumindest haben sich die fundamentalistischen Christen der Plattform The American Society for the Defense of Tradition, Family and Property mit ihrer neuesten Online-Petition ziemlich lächerlich gemacht – und damit meinen wir gar nicht mal, dass sie sich mit der Forderung nach der Absetzung einer Amazon-Serie zunächst an den Konkurrenten Netflix gewendet haben, sondern ganz allgemein den verachtenswerten Unfug, den sie in ihrer Kampagne gegen die Satire-Serie „Good Omens“ nach der gleichnamigen Vorlage von Scheibenwelt-Kultautor Terry Pratchett vorbringen.

    Laut der Petition, die inzwischen schon mehr als 20.000 Online-Unterstützer gefunden hat, weshalb das ursprüngliche Ziel von 15.000 Unterzeichnern inzwischen auch auf 35.000 hochgesetzt wurde, müsse die gotteslästernde Serie nämlich unbedingt abgesetzt werden, weil sie „Satanismus normal und akzeptabel erscheinen lasse“. Zu dieser Einschätzung kommen die Initiatoren, weil in der Serie „ein Engel und ein Dämon gute Freunde seien“, weil „Gott von einer Frau gesprochen wird“, weil der Antichrist von „einem normalen Kind mit speziellen Kräften“ porträtiert wird und weil sich „eine Gruppe satanischer Nonnen um die Erziehung des Antichristen“ kümmert.

    Aktueller (sich speziell an hispanische Familien richtender) Artikel auf der Homepage des Verbandes:10 Gründe, warum die homosexuelle ‚Ehe‘ schädlich ist und verboten werden muss“. Und da haben wir nach dem Amazon-Netflix-Fauxpas gerade gedacht, dass die Initiatoren sich nicht nur ethisch, sondern auch internettechnisch noch immer im allerdunkelsten Mittelalter befinden – aber zumindest das mit den Clickbait-Listings haben sie offenbar trotzdem voll drauf. Also vor allem Grund 7 hat uns wirklich total aus den Latschen gehauen …

    Reaktionen von Netflix und Amazon

    Die Vorwürfe sind selbstverständlich derart lächerlich, dass es natürlich nicht sonderlich schwerfällt, da drüberzustehen. Trotzdem sind die Reaktionen von Amazon, Netflix und „Good Omens“-Schöpfer Neil Gaiman nicht nur souverän, sondern auch ziemlich amüsant. So hat Gaiman einen Link zu der Petition mit dem folgenden Kommentar getwittert: „Das ist so wunderbar… versprecht mir, dass ihr ihnen nichts verratet?“

    Netflix wiederum hat einen Artikel des Guardian zu der Geschichte getwittert – und ist vor dem Christen-Ansturm augenblicklich eingeknickt. So verspricht der Streaming-Anbieter (bestimmt auch hoch und heilig) in seinem Tweet, dass er keine weiteren Folgen „Good Omens“ mehr produzieren werde:

    Amazon wiederrum unterbreitet Konkurrent Netflix ein unmoralisches Angebot: „Hey Netflix, wir canceln ‚Stranger Things‘, wenn ihr dafür ‚Good Omens‘ absetzt?“

    Die erste Staffel „Good Omens“ ist seit dem 31. Mai 2019 bei Amazon Prime Video verfügbar. #JetztErstRecht

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