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    Ein Meisterwerk auf Netflix: Martin Scorseses "The Irishman" wird in den ersten Kritiken gefeiert
    Von Björn Becher — 28.09.2019 um 10:11

    Der kommende Netflix-Film „The Irishman“ hat seine heiß erwartete Premiere auf dem New York Film Festival gefeiert und das Festival-Publikum war begeistert. Die ersten Kritiken sind dann auch ausnahmslos positiv - und zwar richtig positiv.

    Netflix

    Das ist selbst für Martin Scorsese eine Hausnummer. Sein neuer Mafia-Thriller „The Irishman“ wird in den ersten Kritiken gefeiert wie bislang kaum ein anderer Film des Regisseurs. Bei der Kritiken-Sammelseite Metacritic steht er aktuell bei einer Fabelwertung von 92 von maximal 100 Punkten – nur zwei Filme des Regisseurs haben bessere Werte („Taxi Driver“ mit 94, „Hexenkessel“ mit 96 – und beide erschienen lange vor der Zeit der Internetkritiken, sodass nur ausgewählte Texte später nachgepflegt wurden).

    Bei Rottentomatoes, der größten Kritiken-Sammelseite, gibt es aktuell 100% positive Besprechungen. Einen Tomatometer-Wert von 100% hat kein anderer Scorsese-Spielfilm. Und es sind immerhin schon 33 Rezensionen registriert.

    Erfahrungsgemäß werden beide Werte noch fallen, wenn mehr Kritiker den Film sehen, doch man kann schon jetzt festhalten, dass ihn viele Kollegen für einen der besten Filme des Regisseurs und eine der besten Produktionen für Netflix halten. Ein kleines Meinungsbild zu Scorseses dreieinhalb Stunden langer Geschichte des Mafia-Killers Frank „The Irishman“ Sheeran (gespielt von Robert De Niro):

    Ein Höhepunkt des Mafia-Meisters

    Dass „The Irishman“ ein Höhepunkt in der Karriere von Scorsese ist, wird gleich mehrfach erwähnt. Im Branchenmagazin Variety schreibt Owen Gleiberman, dass er der Film ist, den sehr viele von Scorsese sehen wollten: Ein „meisterhaftes Mafia-Epos mit Eis in den Adern“. Es werden Erinnerungen an die früheren Mafia-Meisterwerke des Filmemachers wach, doch der wiederhole sich nicht: „The Irishman“ führe den Zuschauern zu „wagemutigen und neuen Orten“.

    Auch Alonso Duralde von The Wrap weißt bei all den logischen Erinnerungen an die früheren Filme des Regisseurs wie „Godfellas“ darauf hin, dass man nicht den falschen Eindruck gewinnen solle, „die Greatest-Hits-Kompilation eines Filmemachers im Herbst seiner Karriere“ zu sehen. Nein, Scorsese sei so „wagemutig und provokativ wie immer“. Auch viele andere Kollegen haben die Meinung, dass Scorsese auf dem Höhepunkt seiner Schaffenskraft sei.

    Die sensationelle letzte Stunde

    Immer wieder wird vor allem der Schluss gelobt. Im Time Magazine ist Stephanie Zacharek voll überschwänglicher Begeisterung. Die ersten zweieinhalb Stunden sei „The Irishman“ vor allem „clever und unterhaltsam“. Doch die letzte Stunde setze dem Geschehen die Krönung auf. Diese sei unglaublich „bewegend“ und man verstehe, worauf Scorsese die ganze Zeit über hingearbeitet habe.

    Diese letzte Stunde wird in vielen Kritiken stark herausgestrichen. A.A. Dowd vom AV Club verrät, dass hier „The Irishman“ seine „volle Power“ erreiche, mehrfach wird angesprochen, dass der Filmemacher in der finalen Stunde so „tiefgründig“ sei, wie noch nie in seiner Karriere. Für David Rooney vom Hollywood Reporter reflektieren Scorsese und De Niro hier auch ihre gemeinsame Kino-Vergangenheit.

    Die Verjüngungstechnik stört nicht

    Bekanntlich wurden die Stars für „The Irishman“ teilweise digital verjüngt. Robert De Niro, Al Pacino und Joe Pesci spielen ihre Figuren über mehrere Jahrzehnte. Viel Skepsis begleitete dies, auch befeuert von Scorsese selbst, der wiederholt sagte und ausrichten ließ, dass es unglaublich schwer sei, dies richtig hinzubekommen und er Angst davor habe, dass es nicht funktionieren könne und dann der gesamte Film allein deswegen misslingt. Doch diese Sorge war wohl größtenteils unbegründet.

    Joe Blessing von The Playlist geht sogar so weit, dass die Verjüngungstechnik so gut und so subtil ist, dass „ich fast keinen Moment damit verbracht hat, darüber nachzudenken“. Eric Kohn von Indiewire hat da schon einige Probleme mehr. Bei der ersten großen Rückblende zum jungen De Niro sehe man doch den Software-Code hinter dem faltenfreien Gesicht des Altstars. Doch mit fortschreitender Laufzeit und langsamen Updates des Looks der älter werdenden Figur, lege sich das. Am Ende sei der Effekt dann doch „mehr Feature als Bug“. Insgesamt sind sich die Kritiker einig, dass die packende Story und Inszenierung selbst kleinere Probleme mit der Optik verdränge.

    "The Irishman": Der Trailer zeigt die digital verjüngten Stars im Mafia-Epos

    „The Irishman“ wird in Deutschland ab dem 14. November 2019 in ausgewählten Kinos laufen. Ab dem 27. November 2019 steht die starbesetzte Mafia-Geschichte dann auch schon auf Netflix bereit.

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