Wenn sich eine Serie zu wichtig nimmt...
2016 revolutionierte eine Netflix-Originalserie die Streaming-Landschaft: „Stranger Things“. Eine Science-Fiction-Show unter der Regie der Duffer-Brüder (Matt und Ross). Die Serie wurde schnell zum Mega-Erfolg, begeisterte Menschen aller Art und hat nun, im Jahre 2026 (also zehn Jahre nach Start), endlich sein Ende gefunden. Und das Wort „endlich“ möchte ich hier stark betonen! Denn so toll der Anfang dieses düsteren 80´s-Nostalgie-Trips war, so katastrophal hat sich „Stranger Things“ selbst begraben. In meinen Augen sogar ein ganzes Stück schlechter als „Game of Thrones“. Doch eins nach dem anderen…
Die Serie spielt wie gesagt in den 80ern, in der fiktiven Kleinstadt Hawkins: Als der kleine Junge Will Byers eines Tages verschwindet, machen sich seine Freunde Mike, Lucas und Dustin auf die Suche nach ihm und stoßen dabei auf eine düstere Parallelwelt, welche von blutrünstigen Monstern beherbergt wird. Währenddessen entkommt ein kleines, mysteriöses Mädchen mit telekinetischen Kräften aus einem unheimlichen Labor und findet Unterschlupf bei einem zynischen Sheriff namens Hopper…
Bevor ich auf die einzelnen Staffeln eingehe, möchte ich erstmal auf ein paar Dinge eingehen, die für fast alle Seasons gelten. Zum Beispiel der Cast, der zu 80% etwa sehr gut ist, allen voran David Harbour als Hopper oder der Fan-Favorit Steve Harrington, gespielt von Joe Keery. Winona Ryder hatte durch diese Show ihr großes Comeback und macht vor allem in der ersten Staffel eine wirklich tolle Figur als besorgte Mutter Joyce. Und auch die Kids sind gut gecastet (Finn Wolfhard, Millie Bobby Brown, Gaten Matarazzo, Caleb McLaughlin und Noah Schnapp). Nicht alle von ihnen können diese Leistung jedoch aufrecht erhalten, aber zu Beginn funktionieren die jüngeren Protagonist*innen sehr gut, allen voran Sadie Sink als Max, die nicht ohne Grund neben „Stranger Things“ eine stabile Schauspielkarriere erlebt.
Technisch ist die Serie auch sehr solide. Der düstere Horror-Look, der an alte Genre-Klassiker erinnert, funktioniert super, wenn auch eher in den ersten Staffeln. Später sieht alles sehr überzeichnet und viel zu perfekt aus mit knalligen Farben, die aber mehr an Sets erinnern als an eine echte Welt, in der Menschen leben, aber später mehr dazu. Die CGI-Effekte haben ein Auf und Ab: Während die Special Effects zu Beginn noch eher ok sind, werden sie im Laufe immer besser, nur um dann in der letzten Staffel wieder zu enttäuschen… Dafür überzeugt aber der dichte Synth-Score von Kyle Mixon und Michael Stein.
Generell muss ich auch sagen, dass die Duffer-Brüder der Serie auch durchweg eine gute Energie verpassen konnten. Selbst in den schlechtesten Momenten, hat die Story immer Zug und selten hängt das Drehbuch mal durch. Es passiert immer etwas, selbst wenn es Trash ist… Nun aber zu den Staffeln selbst. Hier werde ich mal mehr und mal weniger drauf eingehen, da einige Seasons mehr und manche weniger zu bieten haben.
Staffel 1
Ein wirklich toller Start und die mit Abstand beste Staffel der Serie! Das Mysterium rund um die Demogorgons, die andere Welt und Elfie sind hier genau richtig. Der Horrorfaktor ist super und trotz der düsteren Momente, hat die Serie Charme und Witz. Alle Figuren wirken echt, selbst wenn sie überzeichneter sind, wie etwa Dustin. Trotz einiger schwächelnder CGI-Momente, ist diese erste Staffel ein tolles Erlebnis, das den perfekten Mix zwischen 80´s-Nostalgie und eigener Story findet.
Staffel 2
Nicht so gut wie Staffel 1, aber eine solide Weiterführung mit der Einführung des Mind Flayers. Sehr schade ist der Umgang mit der Figur Bob, der generell eine etwas komische Message in Sachen „Männlichkeit“ vermittelt. Wer dazu mehr erfahren möchte, sollte unbedingt bei Pop Culture Detective auf Youtube vorbeischauen („Belligerent Romance“). Auch die Folge mit Elfie als Punk funktioniert nicht so gut…
Staffel 3
Die Serie hat sich vom düsteren Realismus verabschiedet und konzentriert sich auf Referenzen und ein fragwürdiges Männerbild mit Hopper (gleicher Verweis auf Pop Culture Detective). Die Serie ist optisch knallig bunt und unterhaltsam, aber auch mehr ein Produkt zum Vermarkten als eine kreative Geschichte.
Staffel 4
Einige Entscheidungen, die aus Staffel 3 rückgängig gemacht wurden, nerven, aber insgesamt hat Staffel 4 eine gute Balance gefunden, um die Serie unterhaltsam und gleichzeitig deutlich reifer fortzuführen: Es gibt mehr Horror, mehr Gore und besonders die „Running Up That Hill“-Szene ist einfach grandios! Die Einführung des Bösewichts Vecna ist etwas forciert, funktioniert aber. Nicht alle Figuren sind mehr relevant, aber insgesamt ist dies ein wirklich guter Auftakt für ein spektakuläres Serien-Finale…
Staffel 5
… Aber das sollte leider nicht kommen! Hier bricht die gesamte Show vollkommen zusammen. Wer die Netflix-Doku zur letzten Season gesehen hat, wird auch wissen warum: Die Duffer-Brüder wirkten vollkommen lustlos. Sie hatten zwei Jahre Zeit, um ein gutes Finale zu schreiben, haben aber die Zeit vertrödelt und am Ende sogar die letzte Folge stellenweise ohne Script gedreht. Das Ergebnis ist eindeutig: Was als spannende und in sich geschlossene Mystery-Serie mit Horror-Elementen gedacht war, entwickelte sich immer mehr zum Mainstream-Marvel-Abklatsch. Vecna ist quasi ein Thanos-Verschnitt und Elfie wird zur Superheldin. Wieder ist das Militär dabei und macht dubiose Dinge (eine Storyline, die in jeder Staffel wiederholt wurde) und die restliche Logik der Serie wird vollkommen über Bord geworfen. Viele Dinge ergeben keinen Sinn mehr, einige der unzähligen Figuren sind einfach nur da und haben nichts zu tun und statt die bekannten Charaktere einzubauen, werden neue Leute in die Geschichte eingeflochten… Alles ist so überladen, die Story hat keinen Fokus und das Schlimmste sind die Dialoge! Dass Netflix seit einiger Zeit die Dialoge so konzipiert, dass man neben dem Schauen problemlos am Handy daddeln kann, ist mittlerweile kein Geheimnis mehr. Und Staffel 5 zeigt auf wundervolle Weise, wie schlecht ein Drehbuch sein kann: Alles wird tausend mal erklärt und vor allem die Kids, die von Vecna entführt werden, haben die größten Fremdscham-Momente. Das liegt aber auch an der nicht vorhandenen schauspielerischen Leistung der Kinder. Das ist nicht unbedingt ihre Schuld, denn dafür gibt es ja Caster. Fakt ist aber, dass besonders Holly, Schwester von Mike und Nancy, eine absolute Katastrophe ist! Sie kriegt abnormal viel Screentime und spielt mit Abstand am schlechtesten. Sie ist nur da, um hübsch auszusehen. Kein Talent und in Kombination mit den teils furchtbaren Dialogen ein Fiebertraum. Und ich könnte noch deutlich mehr kritisieren: Das absurde Actionfinale mit dem Spinnenmonster, die Lustlosigkeit des Casts, die billigen Greenscreen-Effekte, der peinliche Fake Out-Tod einer Figur, die völlige Verschwendung einer Figur, die aus einer früheren Staffel zurück kehrt oder die Tatsache, dass die letzten fünf Minuten der Serie dann doch ganz schön sind und mich daran erinnern, was diese Show eigentlich mal war… Ein wirklich frustrierendes und dummes Ende!
Fazit: „Stranger Things“ hat einen tollen Start, war aber nie als dieses aufgeblasene Sci-Fi-Horror-Spektakel geplant. Die Duffer-Brüder haben sich um Kopf und Kragen geschrieben und sich am Ende in einer kreative Ecke manövriert. Diese Serie ging mit einer extrem enttäuschenden Staffel zu Ende, die in meinen Augen sogar „Game of Thrones“ unterbietet. Beim Fantasy-Epos gab es in meinen Augen zumindest einige gute Momente. Schade, dass diese moderne Kult-Serie von Netflix so unrühmlich zu Ende gehen musste. Wenn die Fans darüber spekulieren, dass es noch eine geheime letzte Episode gibt, die das schlechte Finale erklärt, dann ist klar, dass etwas schief gelaufen ist. Diese Show wollte immer clever, cool und revolutionär wirken. Am Ende ist sie aber leider sehr plump und unfassbar überbewertet. Schaut euch Staffel 1 an und verzichtet auf den Rest, dann habt ihr in meinen Augen das beste „Stranger Things“-Erlebnis!