Pubertär, peinlich, frei von jeglicher Logik und vor allem würdelos. Ein jämmerliches Finale!
„The Boys“ ist ohne Zweifel eine von Amazons größten und populärsten Shows. Die Story über echte Superhelden in einer echten Welt, wie unserer, war zwar nicht neu, aber überraschend mitreißend und extrem brutal. Alles startete 2019 mit einer wirklich tollen ersten Staffel. Die Qualität der Serie blieb weitestgehend top, denn auch Staffel 2 und 3 entwickelten Figuren und Story interessant weiter. 2024 ging es dann aber bergab: Zuerst kam das katastrophale Spin-off „Gen V“, was so schlecht war, dass ich gar nicht mitbekommen habe, dass ein Jahr später sogar eine zweite Staffel erschien (die ich auch nie sehen werde!). Doch dann kam Staffel 4 von „The Boys“ und oha… Der Qualitätsverlust war deutlich spürbar und kaum etwas passierte. Ich hatte praktisch alles vergessen, außer der ekelhaften Fetisch-Szene mit einem gedemütigten Hughie als Spider-Man-Verschnitt… Dennoch hatte ich Hoffnung, dass Showrunner Eric Kripke den Suop-Kahn wieder aus dem Dreck ziehen würde. Spoiler: Er hat es nicht geschafft! Im Gegenteil: Kripke und sein Team haben aus einer wirklich unterhaltsamen und cleveren Superhelden-Satire eine Parodie von sich selbst geschaffen. Was sich mit „Gen V“ und Staffel schon angebahnt hat, wurde nun traurige Realität: „The Boys“ endet mit einer teils grauenvollen Staffel, die sowohl der Serie als auch den Figuren jegliche Würde raubt.
Die Boys um Butcher, Hughie, ., Frenchie und Kimiko haben einen Virus entwickelt, der Soups umlegen kann. Das primäre Ziel ist natürlich der sadistisch, faschistische Homelander, welcher ein neues Amerika schaffen will…
Wo fang ich nur an? 2026 ist wirklich kein gutes Jahr für große Serien-Finals. Zuerst hat sich „Stranger Things“ unrühmlich verabschiedet und jetzt geht auch „The Boys“ zugrunde. Was für eine Blamage. Doch woran liegt das?
Nun, hierfür gibt es viele Gründe. Da ich die Comic-Vorlage nicht kenne, kann ich dahingehend keine Vergleiche ziehen, einige Probleme hatten sich ja bereits in der Vorgängerstaffel angekündigt. Die Serie tritt seit 2024 nur noch auf der Stelle rum. Wie lange warten wir schon darauf, dass Homelander komplett durchdreht, aber nie ist etwas passiert. Es gab hier und da kleine Momente, in denen die Situation hätte kippen können, aber nope. Auch in Staffel 5, dem FINALE, passiert gefühlt nichts. Dabei ist dies das Ende der Serie und tatsächlich gibt es in der letzten Folge den erwarteten Abschluss. Aber all das fühlt sich so leer an, so falsch, so unverdient. Denn 90% der Staffel besteht gefühlt nur aus Filler: Da wird ein tödlicher Virus gegen Superhelden entwickelt, aber das Konzept wird nach der Hälfte der Season fast komplett fallen gelassen. Das V1, welches ein Hauptantrieb vieler Folgen wird, da es Homelander unsterblich machen kann, hat am Ende GAR NICHTS verändert. Soldier Boy, der wieder da ist, macht… nichts. Und auch die Boys krebsen von Episode zu Episode, versuchen sich an jeder noch so lahmen Plot-Idee entlang zu hangeln und immer wieder wird das Drama zwischen den Figuren peinlichst forciert. Starlight und Hughie sind Paradebeispiele für Figuren, die einfach kein Gewicht mehr haben. Sie existieren einfach nur, weil sie die Protagonist*innen sind. Das Gleiche gilt leider für . und Frenchie. Butcher ist der Antiheld, den alle irgendwie hassen, aber am Ende bleiben sie doch bei ihm und feiern ihn immer wieder als tragischen Helden. Und Kimiko spricht nun endlich. Und es ist furchtbar! Denn plötzlich haut sie konstant einen vulgären Spruch nach dem andern raus, was komplett falsch klingt. Das hier ist nicht Kimiko. Sie fühlt sich ohne Witz wie eine komplett andere Figur an.
Die vulgäre Sprache zeigt ein weiteres großes Problem auf: Die Serie verkommt zu einem pubertären Gemisch aus Sexwitzen, kuriosen Fetischen und brutalen Morden. Diese Elemente gab es seit Anfang an, aber immer in einer sehr guten Balance. Die raue und direkte Sprache einiger Figuren hat gut als Kontrast zur sonst so reinen Superheldenfassade gepasst. Nun aber sprechen fast alle so. Nicht nur Butcher, auch Soldier Boy, The Deep, 90% der Nebenfiguren und eben auch die Semi-Kimiko. Die Show will dabei immer „cool“ und „provokant, schockierend“ wirken. Aber nein… Das Ganze ist am Ende nicht nur nervig, sondern auch extrem mutlos. Durch die Trägheit und Vorhersehbarkeit der Staffel, wirken diese kruden Momente umso flacher. Und nicht nur das, ich habe mich bei vielen Szenen einfach nur angeekelt gefühlt. Nicht weil ich solche Sachen nicht vertrage, sondern weil sie so demütigend sind. „The Boys“ war schon immer eine harte Welt, aber die Welt, die uns Staffel 4 und besonders Staffel 5 präsentieren, ist wirklich eine widerliche und verachtende Welt. Ja, das mag der Punkt sein, aber die ersten Staffeln haben uns zumindest immer ein wenig Hoffnung gegeben, da auch die Figuren ihre kleinen, schönen Momente hatten. Hier geht es nur darum geschmacklose Witze rauszuhauen, egal wer diese erzählt. Und so fühlt sich Staffel 5 wie das Ergebnis eines pubertären Teenagers an, der zum ersten Mal ein Drehbuch geschrieben hat.
Doch das wohl größte Problem sind die furchtbaren Drehbücher! Was ist bitte passiert? Keine Figur klingt noch natürlich, alle Dialoge sind peinlich kitschig und voll mit Klischees. Genau das, was die Show früher immer umgangen hat. Die Handlung war in den Anfängen der Serie eben nicht vorhersehbar. Hier hingegen ist alles so offensichtlich, so platt, so einfallslos. Teilweise waren die Dialoge auf Niveau von „Gen V“…
Dass der Cast sich hier einen Wolf spielt, ist dabei nicht verwunderlich. Die Schauspieler*innen sind nach wie vor gut, gehen aber in dem schrottigen Skript unter, selbst Antony Starr als Homelander kann der Figur kaum noch Leben einhauchen, da er konstant gegen absurde Diloge ankämpfen muss.
Und zu allem Überfluss ist diese letzte Staffel auch technisch vollkommen enttäuschend: Die Serie war visuell nie sonderlich kreativ, aber das hier ist optisch einfach nur hässlich anzuschauen. Die verwaschenen, leblosen Shots kennen wir mittlerweile aus so vielen großen Hollywood-Produktionen. Gerade die Action, etwas, was die Show eigentlich besonders gut hinkriegen müsste, verkommt zu einfallslosem Kameragewackel mit vielen Schnitten und stumpfen Faustkämpfen. Wo ist die Kreativität? Auch der Score von Christopher Lennertz ist wie immer unauffällig und austauschbar.
Die wenigen guten Momente kommen nach wie vor von der Verballhornung der sektenartigen und durchgeknallten MAGA-Bewegung. Die christlich, faschistoiden Gedankenspiele hier sind einerseits absurd komisch und andererseits mittlerweile traurige Realität. Und zumindest eine Szene hat mir wirklich gefallen: Der Dialog zwischen Homelander und dem alten Hollywood-Produzenten gegen Ende der Staffel.
Fazit: Was für ein Debakel! Es ist zwar schön, dass eine amerikanische Serie so offen und witzig mit ihrer Kritik an der neofaschistischen Politik von Trump umgeht, aber alles andere fällt komplett auseinander. Die einst spannenden Figuren, die mitreißende Handlung und die diabolischen Bösewichte, das alles verkommt zu einer peinlichen Parodie. Nichts fühlt sich echt an, die Charaktere sind mir alle egal, die Staffel sieht unfassbar billig aus und oftmals hatte ich keine schöne Zeit mit dem Finale. Und so verkommt auch eine weitere große Serie durch zu langes Ausschlachten… Lieber „Invincible“ gucken, die Show geht mit der Superheldenthematik so viel besser um!