„The work is mysterious and important.“
Vorweg: Es gibt keine Spoilergefahr!
Was wäre, wenn man eine „Black Mirror“-Folge auf eine ganze Staffel ausstreckt? Die Antwort darauf heißt „Severance“. Die Apple TV-Show entstand 2022 und entspringt einer Idee von Dan Erickson. Es gibt aber noch einen anderen Namen, der für einen Großteil der Serie verantwortlich ist: Ben Stiller. Jepp, der Schauspieler, den man aus vielen absurden Komödien kennt, produzierte die Show und führte bei vielen Episoden sogar selbst Regie.
„Severance“ wurde schnell zu einem Hit und spielt unter anderem mit der Idee von „Liminal Spaces“, wie es auch die „Backrooms“ tun. Doch „Severance“ ist deutlich mehr als das und bietet neben einer wirklich spannenden Grundidee auch sehr solide Figuren.
Mark Scout arbeitet bei Lumon Industries, tief im Keller eines gigantischen Gebäudes. Sein Job: Zahlen sortieren. Das ist zwar sonderbar, aber es gehört zum Job und da wird nicht nachgefragt. Der Clou: Mark und seine Kolleg*innen haben zwei getrennte Persönlichkeiten, die von der Firma absichtlich getrennt werden. Die eine Hälfte (das sogenannte „Outie“) lebt daheim und führt ein privates Leben, während die andere Hälfte („Innie“) praktisch auf der Arbeit lebt. Beide wissen jedoch nichts voneinander, nur, dass der oder die jeweils andere existiert…
Das Konzept der Serie ist der Selling Point von „Severance“ und entfesselt gleich zu Beginn die Faszination der Staffel. Dass man dabei ein paar kuriose Sci-Fi-Dinge akzeptieren muss, sollte klar sein. Die Serie versucht das alles gut zu erklären, aber natürlich wäre das Ganze in der Realität vermutlich etwas komplizierter. Das ist aber auch nicht wirklich ein Kritikpunkt, denn im Gegensatz zu anderen Vertretern des Genres, gibt „Severance“ seinen Zuschauern wirklich gute Begründungen und Erklärungen für das „Trennen“ der Figuren. Die Serie spielt natürlich auch mit den politischen Aspekten, sowie den moralischen. Was macht eine derartige und teils sadistische Idee mit der Seele? Denn während das Outie nur das Privatleben kennt, muss das Innie sein ganzes Dasein auf der Arbeit fristen. Und da die Show auch einen Mystery-Thriller-Aspekt mit sich bringt, entwickelt sich das unterirdisch, grüne Büro schnell zu einer Art futuristischer Hölle.
Gleichzeitig werden die Figuren auch mit Respekt behandelt und „Severance“ bietet uns spannende Charaktere, die trotz einiger Klischees sehr charmant und facettenreich sind. Zudem ist die Serie nicht nur reiner „Mystery Box“-Overkill (wie manch andere Serien und Filme), sondern auch eine faszinierende Charakterstudie mit einer ordentlichen Portion Cringe-Humor.
Der Cast ist sehr stark mit Adam Scott als Protagonist Mark und Britt Lower als Helly. Mit dabei sind auch einige Hochkaräter wie John Turturro (in einer seiner besten Rollen), Patricia Arquette und sogar Christopher Walken! Sehr gern mag ich vor allem Marks Schwester Devon, gespielt von Jen Tullock.
Optisch ist die Serie ein Hingucker: Die Bilder sind extrem kraftvoll mit einigen wirklich beeindruckenden Shots. Besonders das futuristische, aber auch nostalgische Design der Bürowelt ist einprägsam. Apropos einprägsam: Der Score von Theodore Shapiro ist ebenfalls stark mit einem Ohrwurm von Hauptthema!
Ist die erste Staffel denn perfekt? Nein. Nicht jeder Handlungsstrang ist immer so stark umgesetzt, wie andere Teile der Show und einige Klischees finden sich auch hier, vor allem im Script. Doch diese Makel sind zum Glück kein großer Dealbreaker für mich, denn am Ende bleibt das Gefühl eine wirklich innovative und unfassbar spannende Serie erlebt zu haben.
Fazit: „Severance“ ist ein absolutes Must Watch für alle Thriller- und Sci-Fi-Fans! Die Idee ist spannend und wird von Episode zu Episode düsterer. Die Serie stellt moralisch und ethisch sehr coole Fragen und bietet auch außerhalb dessen viel Unterhaltung mit tollen Figuren und einer sehr kurzweiligen Erzählstruktur. Ich kann Staffel 2 nicht abwarten!