Vom Meisterwerk zum Mainstream… Ein Blick auf fast ein Jahrzehnt Westeros!
Kaum eine Serie hat das 21. Jahrhundert so geprägt wie „Game of Thrones“. Die Serienadaption von George R. R. Martins Bestseller-Reihe galt einige Jahre sogar als die Messlatte moderner Serien, vor allem mit den späteren Staffeln als die Show „Herr der Ringe“-Niveau erreichte was Spektakel und Schlachten angeht. Die Fantasy-Erfolgsserie lief von 2011 bis 2019, doch noch immer können Fans der Welt von Eis und Feuer das düstere Universum genießen mit Shows wie „House of the Dragon“ (2022) oder „A Knight of the Seven Kingdoms“ (2026). Klingt zunächst alles schön und gut, aber viele wissen, wie die Originalserie zu Ende ging… eher unrühmlich, um es nett zu sagen. Die finale Season war einer unglaublichen Welle an Kritik ausgesetzt und das nicht unbedingt immer berechtigt, aber später mehr dazu…
Ich möchte mich hier nun der gesamten Serie widmen und auf jede Staffel eingehen (mal länger, mal kürzer). Dazu werde ich auch einige Spoiler ansprechen, die Warnung wird es kurz davor aber geben.
Doch zunächst einmal ein kurzer Blick auf das Grundsätzliche: „Game of Thrones“ dreht sich um eine Schar an spannenden und äußerst realistischen Figuren in einer düsteren Fantasywelt. Da wären vor allem die Starks aus Winterfell, eine eher kühlere Gegend in Westeros mit einer großen Familie, die im Laufe der Zeit unterschiedliche Wege geht. Auch die Lannisters spielen eine zentrale Rolle, die sich immer mehr und mehr als Gegenspieler der Starks entpuppen. Doch so schwarz weiß, wie man das aus anderen Genre-Filmen und -Shows kennt, ist diese Serie eben nicht. Klar, es gibt fantastische Elemente wie Zauberei und Eiszombies, doch das, was die Serie so ausmacht, ist die äußerst fesselnde und authentische Atmosphäre: Es geht um Machtstrukturen, politische Verhandlungen, Intrigen, Sex und manchmal auch grausame Foltermethoden. Die Serie ist nichts für schwache Nerven mit einigen wirklich traumatischen Momenten. Doch genau das machte Fans so besessen von dieser Serie, ebenso wie ich selbst besessen war.
Die Show entstand durch David Benioff und D. B. Weiss, die das Ganze ins Rollen brachten. HBO produzierte die Show und viele verschiedene Regisseure drehten die einzelnen Episoden. Rein technisch ist die Serie auch extrem gut produziert: Die Special Effects für eine Serie waren 2011 revolutionär und „GoT“ legte die Messlatte Staffel für Staffel höher. Das Budget wurde größer und die Sets und Schlachten immer aufwendiger. Während die erste Staffel noch auf große Kämpfe verzichtete, ging es ab Staffel 2 dann richtig los mit eindrucksvollen und mitreißenden Episoden. Auch der Soundtrack von Ramin Djawadi ist nach wie vor toll mit vielen verschiedenen Themen und einem legendären Intro, welches besonders durch Djawadis Musik die Popkultur der 2010er prägte.
Und auch der Cast ist beachtlich: Lena Headey, Emilia Clarke, Peter Dinklage, Natalie Dormer, Richard Madden, Sean Bean und die Liste geht endlos weiter. Einige Darsteller*innen hatten hier ihren großen Durchbruch, andere bereicherten die Serie mit ihrer Erfahrung. Qualitativ ist auch der Großteil der Schauspieler*innen wirklich stark, besonders Dinklage erntete Ruhm und vier Emmys, sowie einen Golden Globe für seine Performance. Er ist auch ohne Zweifel eine der stärksten Figuren, doch im Laufe der ganzen Serie gibt es einige Schauspielhighlights, darunter Charles Dance als Tywin Lannister und einige beachtliche Kinderdarsteller*innen wie Jack Gleeson als diabolischer Joffrey.
Erwähnenswert wäre noch, dass die Serie auch viel mit Nacktheit und Sex spielt. Das hat seine Vor- und Nachteile. Einerseits gibt es der Show eine deutlich realistischere Note, auf der anderen Seite sind manche Szenen dann doch etwas unangenehm und wirken manchmal so als ob man einfach eine bestimme Darstellerin oben ohne sehen wollte. Wie gesagt: Sexszenen sind nichts Schlechtes, es kommt aber darauf an, wie man diese einsetzt und gerade in der ersten Staffel gibt es doch einige Szenen, die auch ohne viel nackte Haut funktioniert hätten.
Bevor ich auf die einzelnen Staffeln eingehe und spoilern werde, hier eine kurze Zusammenfassung der Show von einer qualitativen Seite: „GoT“ ist wirklich ein Erlebnis über große Teile der Serie hinweg. Selbst Leute, die mit Fantasy nicht so viel anfangen können, dürften hier eine Top-Serie erleben (zumindest für eine gewisse Weile). Dennoch sei gesagt, dass der Anfang etwas schwierig sein kann für Newcomer: Es gibt so viele Figuren, so viele Namen und Häuser, dass man sich anfangs konzentrieren muss, um nicht abzuschalten. Ist diese erste Hürde jedoch geschafft, steht einem in den meisten Fällen ein mitreißendes Fantasy-Epos bevor. Dennoch ist es kein Geheimnis, dass die Serie irgendwann einen Punkt erreichte, an dem es keine Bücher mehr gab. R. R. Martin ist leider dafür bekannt viel zu lange für seine Bücher zu brauchen: Während seine ersten vier Bücher relativ nahe beieinander heraus kamen (1996-2005), dauerte es für Teil 5 schon sechs Jahre und seit 2011 (ironischerweise als die Serie startete), gab es kein neues Buch mehr… Ab Staffel 5 und 6 gab es dann den Punkt, an dem die Serie die Bücher überholt hatte und man etwas planlos auf ein Ende zusteuerte. Und das merkt man auch deutlich, besonders in Staffel 7 und natürlich 8. Ich persönlich sehe auch noch in der letzten Season einige wirklich gute Momente, aber es ist unbestreitbar, dass die Serie sehr unbefriedigend endete. Für Serien dieser Größe leider auch kein Einzelfall. Demnach sollte man sich bewusst sein, dass die Reise vermutlich kein so tolles Ende finden wird, aber das muss jeder für sich entscheiden. Nun geht’s aber ans Eingemachte und ab hier gilt eine milde Spoiler-Warnung!
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Staffel 1:
Für mich wahrscheinlich immer noch die beste mit Staffel 3 und 4. Hier nimmt alles seinen Lauf und die Figurenkonstellationen sind unfassbar spannend und mitreißend. Vor allem wurde hier sehr gut die Spezialität dieser Show etabliert: Die Handlung ist unvorhersehbar. Besonders größere Figuren, die man zunächst als Protagonist*innen vermutete, werden urplötzlich einfach ermordet. Das schockierte Fans auf der ganzen Welt und brachte der Serie ihren Ruhm. Kein Wunder, dass so viele andere Serien diesen Trend versuchten zu kopieren (siehe „The Walking Dead“). Hier startet die Show mit einem Banger und jede Figur ist am Ende der Staffel ganz woanders als zu Beginn. Das einzige, was man kritisieren könnte, ist der etwas überbelichtete Look der ersten Staffel, sowie einige nicht ganz so eindrucksvolle Kampfszenen. Ansonsten aber ein großartiger Start!
Staffel 2:
Neue Figuren treten auf, wie Stannis Baratheon, während wir uns in der ersten Staffel von einigen tollen Charakteren trennen mussten. Diese Staffel ist auch die erste große Sternstunde von Tyrion Lannister, der als Hand des Königs für einige der besten Momente in der Serie sorgt (besonders die Backpfeife gegen Joffrey ist ein Gänsehautmoment). Ein Highlight ist aber auch die erste große Schlacht am Schwarzwasser gegen Ende der Staffel. Es gab zum ersten Mal ein großes Effektespektakel, aber trotzdem waren die Figuren das Zentrum und im Nachhinein betrachtet, ist diese Schlacht immer noch eine der besten, weil sie den tollen und erschreckenden Realismus der Serie beibehält.
Staffel 3:
Hier beginnt die Serie auch deutlich unbeliebtere Figuren auszubauen und besonders Jaime Lannister hat hier eine der besten Figurenentwicklungen in der ganzen Serie! Seine Dynamik mit Brienne ist fantastisch, ebenso wie die Kombi von Arya und dem Bluthund. Daenerys hat zugegebenermaßen nicht ganz so viel zu tun, aber ihre Drachen haben einige ikonischen Momente. Natürlich ist diese Staffel auch populär geworden, weil wir hier die berüchtigte „Rote Hochzeit“ sehen, einen der schockierendsten Momente der Serie. Sieht man die Serie zum zweiten oder dritten Mal, sind die Anzeichen für dieses Event gut erkennbar, aber dennoch ist dieser Abschnitt in der Story wirklich heftig und hat mich bis heute berührt. Alles in allem eine großartige und teils tragische Staffel.
Staffel 4:
Für mich eine der besten Seasons, weil es hier ein paar wunderbare Payback-Momente gibt! Zudem ist Pedro Pascal als Oberyn Martell eine meiner Lieblingsfiguren geworden und sein berüchtigter Kampf gegen den „Berg“ war fast so schockierend wie die „Rote Hochzeit“. Apropos Berg: Dieser wurde mehrmals neu gecastet, aber ab hier hatte man eine passende Besetzung mit Hafþór Júlíus Björnsson gefunden, der als Kraftsportler die perfekte Statur mit sich brachte. Auch bis dato unscheinbare Figuren, wie Sansa und Arya, bekamen hier deutlich mehr Präsenz und wurden zu spannenden Protagonist*innen. Die Staffel endete mit einer weiteren großen Schlacht, diesmal an der Mauer, die ebenso eindrucksvoll und mitreißend inszeniert war.
Staffel 5:
Hier gibt es meiner Meinung nach die ersten Anzeichen der Schwäche… Die Serie löste sich langsam von der Vorlage und infolge dessen gab es zum Beispiel plötzlich keine Szenen mehr mit Brandon Stark, da diese Storyline deutlich schneller voran kam als andere. Auch andere Aspekte, wie etwa die Szenen in Dorne, waren nicht ganz so unterhaltsam. Ramsey Bolton ist jetzt der neue Psychopath in der Serie und funktioniert zwar sehr gut als Antagonist, allerdings fehlt es bei ihm auch Menschlichkeit, die seine Aktionen nachvollziehbar machen. Bei Joffrey hat das noch gut funktioniert, hier aber zeigen sich erste Abnutzungserscheinungen, da die Serie ihre Figuren immer mehr in „gut“ und „böse“ einteilte. Cersei hingegen bekam eine interessante und verletzliche Seite in dieser Staffel, was mir sehr gut gefällt. Und wieder gibt es einen zutiefst schockierenden Moment in dieser Staffel, der mich immer noch trifft. Zwar denkt man, dass man so langsam weiß, welche Figuren sicher sind, aber nope… Einige Tode hier sind wirklich überraschend, aber genau deswegen auch so unterhaltsam. Auch Folge 8 mit den weißen Wanderern gibt es die bis dato spektakulärste Schlacht in der Show!
Staffel 6:
Das Warten auf die sechste Season war lang und qualvoll, aber das Warten hatte sich gelohnt. Nun war die Serie fast komplett auf sich alleine gestellt und wie bei der Vorgängerstaffel gab es einige Dinge, die nicht so wirklich funktionierten, wie etwa das Schicksal des Schwarzfischs und den Tullys. Generell versuchte die Macher der Show hier einige Figuren abzuschließen, die wir seit einer Weile nicht mehr gesehen hatten, mal mehr mal weniger gut. Aber mit Folge 5 gab es einen ersten Gänsehautmoment mit Hodor, Brans Geschichte ging endlich weiter und die Schlacht der Bastarde war unfassbar spannend und brutal. Und die finale Folge der Staffel toppt die Schlacht nochmal mit einigen wilden Wendungen, ein paar Gerechtigkeits-Momenten und dem Gefühl wieder eine mitreißende „GoT“-Staffel gesehen zu haben.
Staffel 7:
Nun werden die ersten Abnutzungsspuren deutlich und das gleich ohne irgendeine Folge gesehen zu haben. Zum ersten Mal gab es keine zehn Folgen, sondern nur sieben. Warum? Geld. Die Serie wurde immer teurer mit Special Effects, die einige Blockbuster in den Kinos billig aussahen ließen. Zudem war die Story offenbar nicht mehr lag genug für mehrere Folgen, aber das zweifle ich stark an. Der Running Gag übers Teleportieren einiger Figuren kommt nicht von irgendwo her. In früheren Staffeln dauerte es eine Weile, bis Figur A von Königsmund nach Winterfell gereist ist. Jetzt geht das innerhalb einer Episode. IN der vorletzten Folge ist es besonders krass als Jon & Co nördlich der Mauer sind, einen Raben schicken und Daenerys zehn Minuten später mit ihrem Drachen anfliegt. Es wird zwar behauptet, dass Zeit vergeht, aber wir fühlen es nicht mehr. Und das ist einer der größten Kritikpunkte der Staffel, denn ansonsten gibt es wirklich großartige und finstere Momente. Geheimnisse werden gelüftet, Allianzen werden geschlossen und ein Twist in der letzten Folge hat wirklich gut funktioniert! Dagegen ist Euron Graufreud als neuer Bösewicht leider nur ein Ramsey , aber ok. Die letzte gute Staffel, die trotz einiger Schönheitsfehler und Budget-Probleme unterhalten kann.
Staffel 8:
Oh boy… Da wären wir. Das große Finale. Der Hype um diese Staffel war unnormal und der spätere Hate ebenso. Und ja, Staffel 8 hat einige Probleme. Diesmal gab es nur sechs Folgen, die zwar alle für sich sehr lang waren, aber dennoch gehetzt wirkten. Besonders ab Folge 4 wird das offensichtlich. So viele große Ereignisse in einer Folge, aber sie wirken so kraftlos, da sich kaum noch etwas mehr wirklich natürlich entwickelt. In früheren Staffeln waren die Drehbücher schon nicht mehr so stark und man hatte das Gefühl, dass die Serie eher „Herr der Ringe“ imitieren wollte. Der Fokus lag mehr auf den Schlachten und den romantisierten Enden für alle Figuren. Das ist zwar hier und da schön, aber der gefährliche, unberechenbare Biss der ersten Staffeln war hier endgültig tot. Der Tod einer Figur ist nicht mehr schockierend, in vielen Fällen nicht mal berechtigt. Das Script ist deutlich kitschiger und der Hollywood-Vibe ist klar erkennbar. „GoT“ wurde zum Mainstream und Staffel 8 ist das Endergebnis davon. Zudem missfallen mir einige Figurenentwicklungen extrem (vor allem Jaime und Tyrion treffen so viele dumme Entscheidungen). Auch schauspielerisch muss ich leider sagen, dass Emilia Clarke ihrer Rolle am Ende nicht gewachsen war und man ihr den Wahnsinn gegen Ende nur schwer abkauft.
Trotzdem ist Staffel 8 in Teilen immer noch sehr anschaulich und bietet gute Figurenmomente, deutlich besser als das Finale von „Stranger Things“! Ach und eins noch: Wer Folge 3 sehen will, sollte das abends tun und jede Lichtquelle im Zimmer auslöschen. Und selbst dann ist die Folge noch schwer erkennbar. Mein Tipp: Die Helligkeit erhöhen, dann kann man eine packende Episode genießen, deren Platzierung in der Staffel jedoch vollkommen kurios ist…
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Fazit: Und so ging eine wirklich großartige und wegweisende Serie unrühmlich zu Ende. Das Finale ist längst nicht so schlecht, wie alle behaupten, aber der Quality-Drop ist klar erkennbar, sogar schon ab Staffel 6 und 7. Was als unkonventionelles Fantasy-Epos startete, verkam zum Hollywood-Mainstream. Die Serie ist in vielen Bereichen durchweg erstklassig, aber es gibt keinen wirklichen Weg die Serie zu gucken, ohne das Finale auszulassen. Wer das Gesamtpaket haben will, muss in den sauren Apfel beißen. Der Weg dahin ist jedoch äußerst grandios und „Game of Thrones“ hat sich trotz aller Widrigkeiten einen Platz in der Hall of Fame der TV-Serien verdient.