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    Homeland
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    Durchschnitts-Wertung
    3,6
    16 Wertungen - 6 Kritiken
    Verteilung von 6 Kritiken per note
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    Michael S.
    Michael S.

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    3,5
    Veröffentlicht am 23. November 2015
    ACHTUNG: Der folgende Artikel enthält Spoiler zu den Inhalten der ersten drei Staffeln!

    Das gute alte Spionagegenre kommt einfach nicht aus der Mode. Manch einer hatte schon mit dem Ende des Kalten Kriegs den Untergang entsprechender Geschichten prophezeit, doch der anhaltende Erfolg von Filmreihen wie James Bond oder Mission Impossible spricht Bände. Aber es geht auch realistischer. Seit mittlerweile vier Jahren erobert eine TV-Serie die Bildschirme, die sich mehr an der Arbeit "echter" Agenten orientieren will und gleichzeitig spannend genug ist, um nicht in jeder Folge Explosionen und Schießereien zu brauchen.
    Die eben neu auf DVD und BluRay erschienene vierte Staffel von Homeland bringt einen guten Teil des bekannten Teams zurück. Bis auf einen. Der Dauer-Überläufer und Attentäter Nicholas Brody (Damian Lewis) starb den Serientod. Carrie (Claire Danes) befindet sich zunächst in Afghanistan, von wo aus sie Jagd auf Al-Kaida-Terroristen macht. Nach einem kurzen Intermezzo in den Staaten lässt sie sich nach Pakistan versetzen, wo einer der gefährlichsten Hintermänner des Terrornetzwerks vermutet wird. Ihre bipolare Störung holt sie allerdings ein, was den pakistanischen Geheimdienst besonders interessiert. Saul (Mandy Patinkin) hat unterdessen in den privaten Sicherheitssektor gewechselt, während Ex-Senator Lockhart (Tracy Letts) nun die Geschicke der CIA lenkt.
    Mehr zu sagen würde tatsächlich zuviel verraten. Die Stärken der letzten drei Staffeln werden mit reichlich neuen Aspekten gepaart, was der Serie Schwung und eine interessante Neuausrichtung beschert. Nach allem was man hört und liest spielt die in den USA bereits gesendete fünfte Staffel in Deutschland, die vierte nun also in Pakistan. Das internationale Pflaster bietet einen ebenso kunterbunten wie interessanten Hintergrund für alle möglichen Spionageaktivitäten, vor allem, da niemand so genau weiß, auf wessen Seite die pakistanischen Offiziellen nun eigentlich stehen. Carrie ist einmal mehr die mal eiskalt berechnende Agentin (mit ganz eigenen Rekrutierungsmethoden) und mal die unberechenbare psychisch Kranke, die es sich selbst und ihrem Umfeld nicht leicht macht. Eine ordentliche Leistung von Claire Danes.
    Der nach seiner Einführung in Staffel 2 erstmal nicht allzu sympathische Peter Quinn (Rupert Friend) wird mehr und mehr zu einer der wichtigsten Hauptfiguren und zeigt sogar noch ein paar neue Seiten. Saul ist nicht mehr Direktor der CIA, man wünscht sich aber, er wäre es. Diese Vergangenheit wird ihm in dieser Staffel allerdings mehr als einmal zum Verhängnis. Überraschenderweise geraten mehrere Szenen mit seinem Nachfolger Lockhart regelrecht humorvoll. Keine Angst, dieser verscherzt es sich noch, bevor man ihn so richtig mag.
    Auch die wie so oft ausführliche aber dennoch spannungsgeladene Erzählweise weiß zu überraschen. Man macht sich ziwschendrin schon auf einen neuen Brody gefasst, aber es kommt nicht, wie vermutet. Respekt an die Drehbuchautoren, die auch so surreale Szenen wie eine spontane Geburtstagsfeier mit Kuchen und Ständchen gleich nach einer erfolgreichen Tötung per Drohne einfließen lassen. Da ist Homeland wieder ganz bei den bisherigen Stärken. Lediglich der Übergang von der noch mordsmäßig spannenden vorletzten zur letzten zusammenfassenden Folge gerät ein wenig holprig, als müsse man noch schnell ein paar Konflikte abhaken.
    Natürlich wird stellenweise auch geschönt und vereinfacht. Die im Film-Wüstenland Nummer Eins (Marokko) gedrehten Pakistanszenen suggerieren, dass die Obrigkeit dort auch mal tiefe Ausschnitte, enge Hosen und Frauen in politischen Führungspositionen duldet, wenn es der Sache dienlich ist. Da kann man sich durchaus über den Realismus streiten. Zweifellos ist Homeland westlichen Sehgewohnheiten angepasst, die generell islamophobe Einstellung, die manche Rezensenten dem Drehbuch unterstellen wollen, lässt sich hier aber nicht feststellen. Eher wird hier deutlich reflektierter mit dem Thema umgegangen, als in den meisten anderen amerikanischen Produktionen, die sich mit Terror & Co befassen. Hier sind auch diejenigen die "Amerika sicher machen" wollen (ein Satz, der sich bei jeder Wiederholung ausgeleierter anhört) gebrochene Figuren, deren permanentes Misstrauen und regelmäßiges Zuviel-Arbeiten durchaus Schaden anrichtet. Der seit Jahrzehnten etablierte Mythos vom edel gesinnten Geheimdienst wird mehr als einmal gründlich auseinandergenommen.
    Das Bonusmaterial der DVD-Ausgabe enthält eine Handvoll Charakterporträts, die aber größtenteils den ohnehin schon bekannten Figuren gewidmet sind. Dazu gibt es noch einige geschnittene Szenen. Die einzelnen Folgen enthalten natürlich die jeweiligen Originaltonspuren und die deutsche Synchro. Besonders schön ist, dass man die am Anfang jeder Episode eingefügte Zusammenfassung und den Vorspann, dessen musikalische Untermalung weiterhin nicht jedermanns Sache sein dürfte, per Umschalten ins nächste Kapitel einfach überspringen und so direkt weiterschauen kann.

    Darsteller: Claire Danes, Mandy Patinkin, Rupert Friend, Tracy Letts, F. Murray Abraham uvm.
    Jahr: 2014 (DVD/BD: 2015)
    Label: 20th Century Fox Home Entertainment
    Laufzeit: ca. 10 h
    FSK: ab 16 Jahren
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