Seit 2013 ist Sebastian Klussmann Jäger bei „Gefragt - Gejagt“ und gilt als Urgestein der beliebten ARD-Quizshow. Mittlerweile ist Klussmann aber nicht nur als begnadeter Quizspieler bekannt, sondern zeigte sich auch in anderen TV-Shows und Talkrunden. Mit „Klussmann & Beck - Das Duell der Besserwisser“ startete er seinen eigenen Podcast, darüber hinaus ist er Vortragsredner und Autor mehrerer Bestseller.
TVSTARTS-Redakteur Adrian Königer hat mit Sebastian Klussmann über seinen Weg zur beliebten Quizshow, über das Erfolgsrezept von guten Quizshows, sein Faible für ausgefallene Hemden und seinen Spitznamen gesprochen. Dabei verrät Klussmann auch, welche Promis er gerne noch herausfordern möchte und wie es für ihn als Jäger ist, wenn die gewohnte Winterpause jetzt wegfällt. Zudem gibt er einen kleinen Einblick, welche RTL-Shows ihn potenziell reizen würden...
TVSTARTS: Sie sind der Gründer des Deutschen Quizvereins und Mitglied einer der beliebtesten Quizshows in diesem Land. Würden Sie sagen, dass Deutschland ein Quizland ist?
Sebastian Klussmann: Wenn man uns mit England vergleicht, dann ist England das größere Quizland. Wenn wir uns mit anderen Ländern vergleichen, stehen wir nicht schlecht da. Quiz gibt es seit vielen Jahrzehnten im deutschen Fernsehen. Man müsste Fernsehhistoriker fragen, ob es mal eine Zeit gab ohne ein regelmäßiges Fernsehquiz. Ich kann mich in meinem Leben nicht daran erinnern. Um die Frage zu beantworten: Ich denke schon und ich freue mich natürlich persönlich darüber als Quizzer, als Quizsportler und als Quizunterhalter.
ARD / Uwe Ernst
TVSTARTS: Haben Sie schon mal, bevor Sie bei „Gefragt - Gejagt“ angefangen haben oder bevor sie ihre generelle Quizkarriere gestartet haben, überlegt, in anderen Quizshows aufzutreten?
Sebastian Klussmann: Natürlich. Ich bin mir sicher, dass ich mich mal bei „Wer wird Millionär?“ beworben habe, aber seitdem wir im Vorabend in der ARD laufen, habe ich das nicht mehr gemacht. Ich glaube, es gibt Vorbehalte, wenn ein Quizsportler bei der regulären Ausgabe auf dem Stuhl sitzt. Da gibt es immer komische Gerechtigkeitsvorstellungen, aber das schließt ja nicht das Spielen für den guten Zweck aus. Ich habe ja auch schon mit Herrn Jauch telefonieren dürfen, als die Kameras liefen. Und ich habe ja schon mal was bei RTL machen dürfen: „Die Verräter“. Insofern hoffe ich auch, nochmal bei der großen RTL-Quizshow mitmachen zu dürfen.
TVSTARTS: Was würden Sie denn sagen, was eine gute Quizshow ausmacht?
Sebastian Klussmann: Zunächst einmal gute Fragen! Das ist gar nicht mal so einfach, wie sich das viele vorstellen. Man muss sich in die Köpfe von anderen Menschen hineinversetzen. Dann braucht man noch ein bisschen Sprachwitz. Es braucht auch etwas Überraschendes und sicherlich auch Fragen, die man beantworten kann. Man braucht vor allem spiellustige Menschen. So eine Quizsendung verspricht manchmal viel Geld, aber wenn Menschen so fokussiert darauf sind, dann überträgt sich nicht der Spaß über den Bildschirm. Ich würde sagen, dass es bei uns gut gelingt, weil wir viele Kandidatinnen und Kandidaten haben, die vor allem Spaß an diesem Wettbewerb und Spiel haben. Es ist am Ende auch eine Unterhaltungssendung und allen soll es Spaß machen. Ich finde oftmals so eine Mischung macht’s. Ich glaube, ein Grund, warum wir so erfolgreich sind, ist, dass wir innerhalb dieser 45 Minuten so abwechslungsreich sind.
Klussmann überlegt den "Besserwisser" abzulegen
TVSTARTS: Könnten Sie mal einen Einblick geben, wie Sie zu „Gefragt - Gejagt“ gekommen sind?
Sebastian Klussmann: Ich bin 2013 dazugestoßen. Ich habe 2012 eine Mail bekommen von dem auch noch heute tätigen Executive Producer der Sendung. Er hat mich gefragt, ob ich es mir vorstellen könnte, in dieser Sendung die Rolle des Jägers zu übernehmen. Ich kannte die Sendung „The Chase“ schon aus Großbritannien und fand die fantastisch. Das ist doch genau der Job, den ich machen möchte, dachte ich mir. Ich bin dann zum Casting gegangen und wurde getestet, ob ich wirklich so viel wisse und ob ich das vor der Kamera so darstellen könnte. Dann ging es 2013 los im NDR mit acht Folgen. Ich wurde noch gefragt, wen ich als zweiten Jäger empfehlen könnte, und habe Sebastian Jacoby genannt. Seit 2013 sind ich und Jacoby dabei und ich glaube, das ist ein Erfolg, den man sich damals nicht hätte erträumen können. Welche Fernsehsendung läuft schon zwölf Jahre? Man sieht immer nur die, die besonders erfolgreich sind, aber das ist die Ausnahme.
TVSTARTS: Ihr Spitzname ist der „Besserwisser“, den haben sie schon seit Start der Sendung. Sie meinten in einem Interview, dass sie mit dem Spitznamen ein wenig „fremdeln“ würden. Würden Sie ihn vielleicht nach all der Zeit ablegen? Mittlerweile haben Sie natürlich einen Podcast namens „Duell der Besserwisser“, das wird dem wohl ein wenig im Weg stehen.
Sebastian Klussmann: Na gut, ich habe ja einen Podcast-Partner, der durchaus besserwisserische Züge hat! Ich würde allerdings behaupten – und mein durchaus breiter großer Freundeskreis würde dem hoffentlich zustimmen –, dass ich gar nicht so besserwisserisch bin. Es mag zwar so sein, dass 2012 beim Casting der Eindruck entstanden ist, aber das bin ich per se nicht. Insofern gibt es Überlegungen, diesen Namen abzulegen und zu wechseln. Aber davor brauche ich eine sehr gute passende Alternative. Da bin ich offen für Vorschläge. Falls irgendjemand, der das Interview jetzt liest, auf Ideen kommt, was zu mir passen könnte, dann immer her damit!
ARD / Uwe Ernst
TVSTARTS: Sie sind ja auch bekannt für Ihre ausgefallenen Hemden, aber haben diese nicht von Anfang an getragen. Es kam zu einem gewissen Stilwechsel mit der Zeit. Wie kam es dazu und war es ein bewusstes Absetzen von den anderen Jägern?
Sebastian Klussmann: Ich trage die Hemden tatsächlich schon seit 2017/2018. Ich habe das Privileg, als Jüngster eine größere Bandbreite abdecken zu dürfen. Die Redaktion der Show hat Vorstellungen, was zum Typ passt und ich ging damals shoppen, habe dieses eine Hemd mit Blumenprint gesehen und dachte: „Wahnsinn, das sieht ja toll aus“. Es gab nicht so viel Auswahl an Blumenprints für Männer. Es gab zwar diese Hawaiihemden, aber die habe ich nie getragen. Ich habe dann aber festgestellt, dass wir einen guten Riecher hatten, weil immer mehr davon auf den Markt kamen. So kann ich mir vielleicht auf die Fahnen schreiben, durchaus eine Art Trendsetter gewesen zu sein. Ich habe dann über die Jahre und Staffeln immer mal wieder was Neues gesucht und teilweise auch Tipps von Fans bekommen – sogar Klamotten habe ich zugeschickt bekommen. Mir macht’s Spaß und das Tolle ist, ich habe jetzt so 80 Klamotten dieser Art.
Welche Folgen die fehlende Winterpause für die Jäger hat
TVSTARTS: „Gefragt - Gejagt“ geht ab Oktober einen besonderen Weg: Die Show geht nicht in die Winterpause, sondern läuft weiter und am gleichen Tag wie „Wer weiß denn sowas?“. Was bedeutet das für Sie und die anderen Jäger?
Sebastian Klussmann: Wir freuen uns natürlich, noch mehr auf die Jagd gehen zu können. Wir lieben unseren Job und wir wissen, dass es viele Zuschauerinnen und Zuschauer gibt, die von uns nicht genug bekommen können, und die können sich auch darauf freuen, dass wir noch mehr Episoden als sonst ausstrahlen. Das geht natürlich einher mit einem Sendeplatz um 17:10 Uhr, der natürlicherweise eine geringere Reichweite hat. Mal schauen, wie es ankommen wird, man wird natürlich auch an der Quote gemessen, das ist Fernsehen.
TVSTARTS: Aber haben Sie dadurch mehr Einbußen, wenn Sie mehr drehen müssen und keine wirkliche Winterpause mehr haben?
Sebastian Klussmann: Aus unserer Sicht können wir gerne noch häufiger ins TV-Studio gehen. Ja, man muss sich die Tage freinehmen. Für mich war es gar nicht so einfach im September und Oktober noch die Tage zu finden. Ich fliege später nach Madagaskar. Danach habe ich sehr viele Auftritte – letzte Woche allein schon sechs Live-Auftritte. Das dann alles unter einen Hut zu bekommen, ist gar nicht mal so einfach. Einige meiner Kollegen arbeiten in einem regulären Beschäftigungsverhältnis, auch das macht es nicht einfach. Aber am Ende ist das ein Luxusproblem. Wenn man diese Nachfrage hat, dann möchte man sie bedienen. Mit der kleinen Einschränkung, dass ein bisschen Pause so einem Format auch gut tut.
TVSTARTS: Zu „Gefragt - Gejagt“ gehört ja auch immer die XXL-Ausgabe mit unzähligen Promis. Da haben Sie sich ja auch schon mit einigen duelliert, aber haben Sie einen Promi, gegen den Sie gerne noch quizzen würden?
Sebastian Klussmann: Ich würde mich freuen, wenn wir zunächst mehr Kandidaten aus den Berufen hätten, die bei uns weniger häufig in der Vergangenheit vorkamen, z. B. Politiker oder Journalisten. Ich weiß, dass wir insgesamt eine sehr hohe Quote an Absagen haben. Nicht, weil die Leute sagen, das Format gefällt ihnen nicht – im Gegenteil: Ich kenne sehr viele bekannte Menschen, die uns gerne gucken, und die sagen uns meistens ab.
Wenn ich jetzt über Einzelpersonen nachdenke, dann wäre Thomas Gottschalk ein Traum. Er guckt auch „Gefragt - Gejagt“ und er folgt mir sogar auf Instagram. Ich habe ihn auch schon mal getroffen und vorgeschlagen, dass er gern vorbeikommen könne. Bill Kaulitz kann gerne mal vorbeikommen. Er hat mal was ganz Schmeichelhaftes über mich gesagt, da frage ich mich, warum er nicht auch mal im Studio vorbeikommt. Felix Lobrecht war zwar schon mal da, aber wir sind nicht in der Berliner Runde zusammengekommen. Und auch gerne Angela Merkel. Das wäre doch mal ein Team: Bill Kaulitz, Angela Merkel, Felix Lobrecht und Thomas Gottschalk. Das wäre eine Viererrunde, da hätte ich richtig Lust drauf!
TVSTARTS: Schauen Sie die Show und vergleichen Sie sich mit den anderen Jägern? Gibt es da eine gewisse Rivalität?
Sebastian Klussmann: Ja da kann man sich gar nicht von freimachen. Was wir da machen, ist ein Einzelsport und es ist natürlich vergleichbar, weil man am Ende ein Ergebnis hat. Auf der anderen Seite ist es gar nicht vergleichbar. Die Fragen und die Kandidaten sind unterschiedlich. Früher habe ich das mehr gemacht, aber heutzutage wesentlich weniger. Wir haben alle eher ein Gefühl, wir sind Teil eines Teams und das ist ganz viel wert.
Was man aber auch nicht unterschätzen darf: Es gibt nur sehr wenige Menschen, die nachvollziehen können, wie es ist, da zu sitzen und diese Art Druck zu haben. Mir macht das vor allem Spaß. Ich habe diese Art Druck nicht mehr, aber trotzdem muss man performen und die Leute erwarten was von einem. Aber ja, ein bisschen guckt man schon und dann freut man sich auch, wenn die anderen top performen. Wir wissen allerdings auch, die Sendung würde nicht funktionieren, wenn wir zu 100 Prozent gewinnen würden. Insofern ist es auch wichtig, dass auch mal Jägerin und Jäger verlieren und dann sollten das eher die anderen sein.
TVSTARTS: Sie geraten ja auch immer wieder mit dem Moderator Alexander Bommes in hitzige Wortgefechte. Ist Bommes nicht eigentlich der Rivale der Jäger?
Sebastian Klussmann: Bommes stellt sich ja nie dem Wissenstest. Insofern ist er kein Rivale dahingehend. Er hat ein paar Vorteile da unten in seiner Position als Moderator. Es ist durchaus ein Tanz, den wir da aufführen, mit manchmal eher lustigen Einlagen und mal auch feurigen Einlagen. Das funktioniert nur, wenn man es zusammen macht. Wir Jäger sind eine überhöhte Version von uns selbst. Wir sitzen da oben, schauen herunter und müssen die Erwartung erfüllen, dass wir alles wissen. Es ist ein Zusammenspiel und es ist ein Wettkampf.
Mir macht es wahnsinnig Spaß, weil ich mich mittlerweile zur Hälfte als Unterhaltungskünstler verstehe. Die Quizfragen müssen nebenher beantwortet werden und dann rattert der Kopf halt: Was kann ich für einen witzigen Spruch machen, wie kann ich mit den Kandidaten interagieren und was kann ich Bommes noch reindrücken? Aber wir schätzen uns gegenseitig – er ist rhetorisch sehr begabt, schnell im Kopf und ein Sportler.
Klussmann will im TV Dinge ausprobieren
TVSTARTS: Haben Sie noch Tipps für potenzielle „Gefragt - Gejagt“-Kandidat*innen?
Sebastian Klussmann: Grundsätzlich sollte man sich auf die Situation im Studio ein bisschen vorbereiten. Mal unabhängig vom Wissen selbst, muss man das Wissen, was man hat, auch abrufen können. Zuerst sollten Menschen einem dabei zugucken. Ich kann an meinem Schreibtisch sitzen und irgendwas durchlesen, aber das ist ein ganz anderer Prozess, als Dinge auszusprechen, während andere dabei zugucken. Dann gerne auch alle Lampen, die man hat auf einen richten, denn im Studio kann es mal warm und grell werden.
Wenn man 40 Jahre alt ist, wird man 40 Jahre lang Wissen aufgenommen haben. Wenn in zwei Monaten die TV-Aufzeichnung kommt, dann werde ich dieses Wissen nicht verdreifachen können in der Zeit. Da muss man realistisch sein. Man sollte sich auf ein paar Sachen konzentrieren: Gerne nochmal die Ministerpräsidenten angucken, gerne nochmal die Charts angucken, Bestsellerlisten, ein paar aktuelle Dinge und ein paar Sachen, die einen ärgern würden, z. B. ein paar Hauptstädte, wenn man die nicht drauf hat. Ansonsten nicht verrückt machen und mit Spaß an die Sache gehen.
TVSTARTS: Sie haben in einem Interview erwähnt, dass sie gerne bereit wären, bei „Let’s Dance“ mitzumachen. Das ist noch nicht passiert. Sie waren aber auch, wie erwähnt, bei „Die Verräter“. Das sind zwei RTL-Shows. Hätten Sie Interesse bei RTL, außerhalb von Quizshows, aufzutreten?
Sebastian Klussmann: Ja, das sind zwei fantastische RTL-Formate. RTL macht auch gutes Fernsehen, da gibt es natürlich auch gewisse Sendungen, die mich reizen. Bei „Let’s Dance“ gibt es einen potenziellen Lernprozess und ich finde es spannend, Dinge auszuprobieren. Ich habe auch einige ehemalige Teilnehmer getroffen, die schon in der Show waren und nur Gutes erzählen. Sie sagen allerdings auch, dass es das Härteste ist, was sie in ihrem Leben gemacht haben. Ansonsten würde ich nicht ausschließen, Fragen woanders zu beantworten oder auch gerne mal Fragen zu präsentieren. Mich würde es auch reizen, Wissen darzustellen oder zu zeigen, wie man lernt und wie vielfältig das alles ist. Mal gucken, was die Zukunft bringt. Mit dem Podcast habe ich jetzt ein Projekt gestartet, das natürlich unabhängig von allen möglichen Sendern ist.