160 Kandidat*innen winken 100.000 Euro, wenn sie eine Handvoll Fragen nur mit „Ja“ oder „Nein“ richtig beantworten. Der Clou: Die Teilnehmenden sind in einem Würfel, bestehend aus vier Meter hohen LED-Wänden und einer 12 × 12 Meter großen Spielfläche. Dort finden sie sich in den unterschiedlichsten virtuellen Welten wieder. Die Spielshow mit dem Konzept heißt „Yes or No Games“, die am Freitag, den 16. Januar, exklusiv auf Prime Video startet.
TVSTARTS-Redakteur Adrian Königer interviewt zum Start von „Yes or No Games“ den Moderator der Spielshow, Steven Gätjen, und ergründet die Besonderheit der Amazon-Serie. Ebenso zeigt er auf, welche Unterschiede zwischen seiner Arbeit bei Sendern wie ProSieben und Streaming-Anbietern wie Prime Video existieren. Am Ende gibt er einen kleinen Einblick in seine persönlichen Guilty Pleasures der deutschen TV-Landschaft.
TVSTARTS: Was ist das Besondere an „Yes or No Games“ und was können Fans erwarten?
Steven Gätjen: Das Besondere an den „Yes or No Games“ ist, dass es augenscheinlich um eine ganz einfache Frage geht, die man beantworten muss. Aber wenn man dahinter guckt, sieht man, dass es viel komplexer, spannender und aufregender ist, weil man in immersive Welten eintaucht und auf Dinge und Details achten sollte, um dann am Ende richtig zu liegen. Und wer es geschafft hat, im großen Finale zu bestehen, gewinnt 100.000 Euro. Das Tolle ist, dass wir etwas kombinieren, was alle lieben: Das ist das klassische Quiz, in diesem Fall mit einer augenscheinlich einfachen Frage, mit wirklich unfassbaren, immersiven Welten, die man so noch nie gesehen hat. Und ich als Film- und Serienfan finde es natürlich toll, endlich mal auf dem Mond zu landen oder durch den menschlichen Körper zu fliegen oder nachts in einem Museum zu sein. Und das hat sehr viel Spaß gemacht.
Steven Gätjen: "Ich bin ein totaler Bauchmensch"
TVSTARTS: Was glaubst du, wie gut hättest du abgeschnitten, wenn du selbst als Kandidat dabei gewesen wärst?
Steven Gätjen: Mein Gehirn funktioniert manchmal ganz komisch. Ich bin ein totaler Bauchmensch. Das heißt, eigentlich sagt mein Bauch mir immer, wofür ich mich entscheiden sollte. Aber dann spielt mein Kopf mir so ein paar Scharmützel. Ich glaube, ich hätte auf jeden Fall die ersten vier Welten sehr gut geschafft. Aber manchmal bin ich dann vielleicht auch zu vertieft in das, was ich sehe und habe nicht schnell genug reagiert. Das ist eigentlich immer das Schönste in meinem Beruf, wenn ich selber so begeistert bin von dem, was um mich herum passiert, dass ich ein bisschen vergesse, auch selber zu moderieren. Ich war jedes Mal gespannt. Ich wusste ja, welche Welten kommen. Aber ich wusste nicht, wie sie aussehen. Ich fand es mega!
TVSTARTS: Ein wichtiger Bestandteil der Show ist ja der Cube, mit dem ja ständig das Setting verändert wird. Das muss sich sicher für die Kandidat*innen und auch für dich selbst besonders angefühlt haben. Glaubst du, das Gefühl überträgt sich auch auf die Zuschauer*innen zu Hause vor den Fernsehgeräten?
Steven Gätjen: Ich hoffe sehr. Also ich glaube, wenn es eine Sache gibt, die ich gelernt habe in meiner jetzt schon längeren Fernsehkarriere, dass du nie weißt, was ein Erfolg ist und was am Ende ankommt. Ich versuche immer mein Bestes zu geben und ich versuche authentisch zu bleiben. Ich versuche, mit der Leidenschaft anzugehen, die ich für ein solches Format empfinde. Und ich bin einfach allen Playern, von Streamer über Produktionsfirmen, total dankbar, dass sie gesagt haben: „Wir versuchen mal was komplett Neues und haben den Mut, etwas auf den Markt zu bringen, was so vielleicht noch nicht da war“.
Ein großer Vorteil der Show ist ja nicht nur die Welt, in die wir eintauchen, sondern auch immer die Frage. Und wenn wir es schaffen, dass das Publikum miträt und vielleicht auch mitfiebert mit der einen Kandidatin oder dem anderen Kandidaten, dann haben wir schon alles erreicht. Und ich glaube, dass diese Kombination eine große Chance hat, auch beim Publikum erfolgreich anzukommen. Und was ich ebenfalls gut finde: Wir sind ja auch knackig. Die Folgen sind ja nicht unfassbar lang, sondern du tauchst ein, bist da drin und dann ist es schon wieder vorbei und du kannst in die nächste Welt gehen. Das mag ich. Ich mag die Power, ich mag die Schnelligkeit, ich mag den Mut, ich mag die Welten und ich hoffe einfach sehr, dass sich das überträgt. Also ich hatte auf jeden Fall riesig Spaß und ich würde mich total freuen, wenn wir die Gelegenheit haben, noch eine Staffel zu machen, wo wir noch mehr die Technik nutzen können und vielleicht noch andere Welten kreieren dürfen.
Steven Gätjens Motto: "Teamwork makes the dream work"
TVSTARTS: Mich hat „Yes or No Games“ tatsächlich an eine Spielshow-Variante von so etwas wie „Squid Game“ erinnert. Wegen der schnellen Geschwindigkeit, des schnellen Ausscheidens und vor allem auch der gezeigten Kacheln, wenn die Kandidaten rausfliegen. Natürlich weitaus weniger blutig. Aber geht das nur mir so oder siehst du das ähnlich?
Steven Gätjen: Ja, also es ist schnell, aber man muss sich natürlich auch Gedanken darüber machen, wie sich unsere Sehgewohnheiten in den letzten fünf bis zehn Jahren verändert haben. Wir wissen alle, dass durch Social Media die Aufmerksamkeitsspanne eine ganz andere ist. Wenn du dir einen Film anguckst von vor 40 Jahren und einen heutigen Film anguckst, alleine was die beiden von der Schnittgeschwindigkeit unterscheidet, das ist ja Wahnsinn. Jede Show, die man macht, ist immer ein Learning. Und wenn ich eine konstruktive Kritik äußern darf, hätte ich mich natürlich gefreut, dass wir eine Show machen, wir schauen, wie das Publikum es aufnimmt, das Feedback einarbeiten und dann weitermachen. Das hast du leider heutzutage bei den Produktionen nicht mehr in dieser Dimension.
TVSTARTS: Du hast ja schon eine ziemlich lange Karriere als TV-Moderator hinter dir. In den letzten Monaten waren aber auch Prime-Video-Produktionen wie „Yes or No Games“ oder „Licht aus“ mit dabei. Wie unterscheidet sich deine Arbeit als Host für TV-Produktionen von jenen Streaming-Produktionen, wie Prime Video? Gibt es da einen Unterschied?
Steven Gätjen: Also ich glaube, dass die Landschaft dessen, was du am Bildschirm oder deinem Fernseher konsumieren kannst, sich ja unfassbar verbreitert hat. Und ich bin ja ein großer Fan von Vielfalt in jeglicher Art und Weise, weil ich glaube, dass Vielfalt im Bewegtbildbereich dazu führt, dass kreativer, innovativer und mutiger gedacht werden muss. Weil du immer noch die gleiche Torte am Publikum hast, aber du dein Stückchen bunter, schmackhafter und anders gestalten musst. Die Arbeit ist nicht anders, weil, und darüber freue ich mich sehr, ich da einen großen Vertrauensvorschuss bekommen habe – auch vom Streamer und von der Produktionsfirma.
Joyn / Nadine Rupp
Für mich ist mittlerweile immer die Frage, und das aus einem ganz pragmatischen Grund: Was kann ich tun als Steven Gätjen, damit die Produktion toller wird? Es geht nicht um mich, sondern es geht um das große Ganze. Also ich sehe das ja immer als „Teamwork makes the dream work“. Das heißt, wenn wir es gemeinschaftlich schaffen, visuell, redaktionell, produktionstechnisch, von den Kandidaten her und von meiner Seite aus, etwas gemeinschaftlich zu schaffen, wo wir alle das Beste gegeben haben, dann passt es am Ende. Ich durfte in dieser Produktion das, was ich gelernt habe, mit einfließen lassen und habe wieder was Neues dazugelernt. Und ich glaube, am Ende geht es wirklich darum, authentisch, engagiert und leidenschaftlich dabei zu sein. Das ist für mich die allerhöchste Prämisse. Und insofern ist das auch das, was in der Vielfalt dessen, was wir konsumieren können, immer wieder das was heraussteht. Es geht gar nicht darum, wie kompliziert oder wie anders etwas ist, sondern wie authentisch es ist, wie sehr es lebt und wie sehr ich das mag.
Dieses Guilty Pleasure schleicht sich unter Steven Gätjens Lieblingsshows
TVSTARTS: Du bist ja großer Film- und Serienfan, aber schleicht sich da auch gerne mal so eine TV-Show, wie eben „Yes or No Games“ oder Ähnliches ein, die du dir gerne schaust?
Steven Gätjen: Es gibt Shows, die ich mir total gerne anschaue. Ich finde, dass „Wer weiß denn sowas?“ wirklich fantastisch ist. Ich finde die Kombination aus Wissen, Fragen, Erörtern und Erarbeiten wirklich toll. Und ich mag – nicht nur, weil ich Teil des Universums bin – alles, was Joko und Klaas seit Jahren machen. Ich liebe die Zusammenarbeit mit den beiden, aber vor allem auch mit der Redaktion und der Produktion, die dahintersteht. Da stellt sich immer wieder die Frage: Was können wir anders oder bunter machen und was können wir mit ganz viel Leidenschaft umsetzen? Ich weiß nicht, ob du jemals bei einer Produktion dabei warst, die aus dem Florida-Universum stammt?
TVSTARTS: Nein, leider nicht.
Steven Gätjen: Ich kann dir das nur ans Herz legen, weil du es lieben wirst. Das ist wirklich ein großer Kindergeburtstag mit ganz viel Freude. Und ich mag es gerne, wenn Leute ihren Job lieben und das auch nach außen tragen. Ich gucke Fernsehen aus Leidenschaft. Ich gucke auch Fernsehen, um zu sehen, was die anderen machen. Ob es jetzt sowas ist wie „The Voice“ und ich die Coaches einfach lustig finde. Ich denke dann immer: „Warum drückst du jetzt nicht?“ oder „Warum hast du den jetzt genommen?“ Nee, da gibt es eine ganze Menge. Da bin ich auch noch voll dabei, aber natürlich auch bei den Streamern, die sich ja immer mehr auch in dem non-fiktionalen Bereich, wie man jetzt ja sieht, tummeln.
TVSTARTS: Hast du unter diesen Shows vielleicht ein Guilty Pleasure? Also guckst du gerne mal das „Sommerhaus“ oder sowas in der Richtung?
Steven Gätjen: Ja, ich habe jahrelang immer „Ich bin ein Star – Holt mich hier raus!“ geguckt. Da stehe ich auch immer noch zu. Micky Beisenherz und David Flasch, die als Autoren da mitarbeiten, schätze ich sehr. Ich kenne den einen oder anderen Regisseur, der Johannes Spiecker ist ja unser Regisseur bei „Joko & Klaas gegen ProSieben“, der hat da auch seit Jahren mitgearbeitet. Das ist ein Guilty Pleasure von mir. Das mag ich total gerne. Und klar schaue ich auch die ein oder andere Reality-Show. Mir ist es mittlerweile ein bisschen too much, muss ich ganz ehrlich sagen. Das ist mir mittlerweile nur noch saufen, prügeln, sexy time – das interessiert mich dann ab einem bestimmten Punkt nicht mehr. Aber Guilty Pleasure, auf jeden Fall „Ich bin ein Star – holt mich hier raus!“, auch bevor es die Absolution des Deutschen Fernsehpreises bekommen hat als innovatives Showformat.