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    Passion Play
    Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
    1,5
    enttäuschend
    Passion Play
    Von Philipp Schleinig

    „Passion Play", das ist die englische Bezeichnung für die Passionsspiele, in denen bekanntlich der Leidensweg Jesu in dramatischen Aufführungen nachgezeichnet wird. Mit diesen sich oft über mehrere Tage hinziehenden Schauspielen erinnern die Christen an ihren Messias und seine letzten Lebenstage vom Einzug in Jerusalem, über das letzte Abendmahl bis hin zum qualvollen Tod am Kreuz. Mitch Glazers Liebesdrama „Passion Play" hat zumindest auf den zweiten Blick durchaus etwas von einem Passionsspiel mit seiner Romanze zwischen einem gefallenen Musiker und einem Engel, allerdings fehlt der Umsetzung in weiten Teilen die Leidenschaft, die der Titel ebenfalls suggeriert. Von passionierter Berufsausübung ist bei den beteiligten Schauspielstars Mickey Rourke („The Wrestler"), Bill Murray („Lost in Translation") und Megan Fox („Transformers") in diesem Film jedenfalls nichts zu spüren – das leidenschaftliche Potential der Geschichte wird nicht im Entferntesten ausgeschöpft und Glazer bewahrt seinen Film nur durch eine überraschende Wendung ganz am Ende vor dem Totalausfall.

    Jazztrompeter Nate Poole (Mickey Rourke) ist dem Tod geweiht. Weil er mit der Frau des örtlichen Mafiabosses Happy Shannon (Bill Murray) geschlafen hat, lässt dieser Nates Exekution beauftragen. Von den Schlägern in die Wüste gebracht, entgeht er knapp seinem Ende, als eine Gruppe von Indianern den Killer ausschaltet und Nate davonkommen lässt. Orientierungslos irrt er durch die Wüste, bis er auf einen Wanderzirkus trifft, dessen Besitzer Sam Adamo (Rhys Ifans) eine ganz besondere Attraktion besitzt: die schöne Lily (Megan Fox), die Flügel auf ihrem Rücken trägt und aussieht wie ein Engel. Gemeinsam fliehen Nate und Lily aus der Einöde und ziehen damit den Zorn Sams auf sich. Zurück in der Stadt sind die Probleme nicht verschwunden. Da Nate immer noch auf Happys Todesliste steht, schließt er mit diesem einen Deal: die schöne Lily gegen Nates Leben. Diese Abmachung bereut der inzwischen längst in Lily verliebte Musiker jedoch schnell und versucht sie mit allen Mitteln wiederzubekommen. Nun hat er sowohl Sam, als auch Happy gegen sich...

    „Passion Play" feierte 2010 in einer allerdings noch unfertigen Rohschnittfassung auf dem Filmfestival in Toronto seine Premiere. Dort erntete er desaströse Kritiken und auch die Zuschauerreaktionen fielen durchweg negativ aus. Bereits zuvor hatte Hauptdarsteller Mickey Rourke für unliebsame Schlagzeilen gesorgt, als er den Film öffentlich als „fürchterlich" bezeichnete, über seinen Co-Star Megan Fox hatte er ebenfalls nur wenig Schmeichelhaftes zu sagen. Auch wenn ein solches Verhalten zurecht als unprofessionell gelten muss, ist Rourkes Einschätzung angesichts der endgültigen Filmfassung nur zu bestätigen, er selbst ist von der Kritik aber keinesfalls auszunehmen.

    Regisseur und Autor Mitch Glazer lag seine Geschichte offenbar sehr am Herzen, immerhin hat er 20 Jahre für ihre Realisierung gekämpft. Aber dieses persönliche Engagement ist seinem Film nur sehr bedingt anzumerken, zu platt sind die Dialoge, zu billig wirken die Dekors, zu aufgesetzt ist die Dramatik und zu holprig die Erzählung. So ist es hier offenbar das Selbstverständlichste von der Welt, wenn plötzlich ein Engel vor einem steht oder finstere Nacht binnen Sekunden zu hellem Tag wird, und das sind längst nicht die einzigen Wendungen, die für Verwunderung sorgen. Und auch wenn Glazer vielen dieser vermeintlichen Unstimmigkeiten mit einem finalen Dreh eine durchaus plausible Erklärung gibt, so versäumt er es doch, das Interesse und die Neugier bis zu diesem Ende wachzuhalten.

    Selbst auf dem Papier spannungsgeladene Szenen von Konfrontation und Aggression plätschern auf der Leinwand trostlos vor sich hin. Dies ist zu einem beträchtlichen Teil den lustlosen Darbietungen der Schauspielgrößen Bill Murray und Mickey Rourke geschuldet, deren wahres Können nur in einer einzigen Szene durchschimmert, als sie sich über ihr gemeinsames Problem mit den Frauen unterhalten. Insgesamt sorgt die Kombination von uninspirierter Schauspielleistung und schwachen Dialogen dafür, dass diesem „Passion Play" die emotionale Tiefe vollständig fehlt, einzelne Szenen - etwa, wenn Nate Lily ausführt oder wenn der Mobster Happy von der Entstehung seines Namens erzählt – driften fast schon ins Lächerliche ab. Da ist es natürlich wenig hilfreich, wenn auch noch technische Defizite hinzukommen: Das Seil, an dem der Engel Megan Fox in einer „Flugszene" hängt, ist jedenfalls mehr als nur zu erahnen.

    Fazit: „Passion Play" erweist sich mit seinen eklatanten Schwächen in Schauspiel, Dialog und Inszenierung nicht nur für den Protagonisten als Leidensweg, sondern auch für den Zuschauer. Erst das unerwartete Ende bringt Linderung und liefert Erklärungen.

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