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The Marine
Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
3,0
solide
The Marine
Von Björn Becher
Es waren einmal die Achtziger. Es war einmal das Jahrzehnt des von Testosteron nur so strotzenden Actionfilms, das Zeitalter der Schwarzeneggers, Stallones, Van Dammes, Seagals und wie sie alle heißen mögen. Political Correctness war genauso ein Fremdwort wie einfallsreiche Storys. Es ging nur um eins: Action! Die Filme waren meist stupide und handwerklich oft maximal mittelmäßig (z.B. Das Phantom Kommando), doch solange sie nicht richtig reaktionär-ärgerlich waren (wie z.B. Rambo III) konnten sie auf eine gewisse Art unterhalten. Sie strotzen nur vor unfreiwilliger Komik, nahmen sich im Idealfall selbst nicht ernst und avancierten so zu Trash-Highlights in einer geselligen Runde mit ein paar Bier. Doch irgendwie starb dieses Kino aus. Einige wenige Darsteller wie Schwarzenegger und Stallone schafften den Sprung in die Politik oder mit einigen Mühen zurück ins ernsthaftere Fach. Einige Andere wie Chuck Norris (The Cutter), Steven Seagal (Halb tot) oder Dolph Lundgren (The Defender) blieben im Genre hängen und drehen immer noch müde Abziehbilder der einstigen Erfolgsfilme, die auf dem DVD-Markt nur noch letztes Wohlwollen bei einigen hart gesottenen Fans finden. Doch plötzlich, wo keiner mehr damit rechnet, trauen sich das Studio Fox und der vom Wrestling kommende Regiedebütant John Bonito mit „The Marine“, einen solchen Film auf das Publikum loszulassen. Und der bietet natürlich keine einfallsreiche Story, ist aber verdammt unterhaltsam, bietet Action satt und ist in der richtigen Stimmung ein wahres Freudenfest für Fans der trashigen Unterhaltung und des (un-)freiwilligen Humors.

Eigentlich dürfte man schon nach rund fünf Minuten wissen, ob einem dieser Film gefallen wird. Denn nachdem Held und Elitesoldat John Triton (John Cena) im Irak trotz des Befehls auf Verstärkung zu Warten, auf eigene Faust einige inhaftierte Kameraden aus den Fängen von Al-Qaida befreit, und deshalb wegen Befehlsverweigerung aus der Armee entlassen wird, dürfte sich das Publikum schon teilen. Wer bei den Antworten „No Time“ auf den Befehl zu warten und „We don´t! We go through´em“ auf die Frage, wie man die Übermacht von Gegner umgehen könne (natürlich alles untermalt von unsäglicher pathetischer Musik und mit Einsatz von Zeitlupe) die Hände über den Kopf schlägt, kann eigentlich gleich den Kinosaal verlassen (bzw. wenn er diese Worte vorher noch hier liest, erst gar nicht betreten). Wer dagegen in lautes Gelächter ausbricht, sollte sich genüsslich zurücklehnen bzw. das Kinoticket lösen. Denn er wird Spaß haben, zumal Pathos und Patriotismusmüll schnell auch noch verschwinden und guter, alter und vor allem echter Handkantenaction gepaart mit viel Selbstironie Platz machen.

Dass was sich Story nennt, ist dabei natürlich sekundär und daher schnell erzählt. Nachdem Triton bei den Marines entlassen wird, fliegt er aufgrund roher Gewalt auch schnell aus seinem Job als Security-Mann bei einem Büro. Mit seiner sexy Frau Kate (Kelly Carlson) soll es daraufhin erst einmal zum Abschalten in die Berge gehen, doch auf der Reise sucht man sich leider die falsche Tankstelle für einen Zwischenstopp aus. Dort rastet nämlich auch der nach einem spektakulären (und blutigen) Juwelenraub flüchtige Gangster Rome (Robert Patrick) samt Team und als noch ein paar Polizisten an der Tanke auftauchen, kommt es zum unvermeidbaren Feuergefecht. Ergebnis des Ganzen: Rome und seine Kumpanen fliehen mit Kate als Geisel, begehen aber den folgenschweren Fehler, Triton lebendig zurück zu lassen. Der heftet sich natürlich an ihre Fersen und macht den Gangstern bald die Flucht durch heiße Sümpfe zur Hölle.

Es gibt eine Sache, welche die meisten Actionregisseure und –autoren schlichtweg falsch machen. Die Explosionen können noch so zahlreich, die Kloppereien mit noch so beeindruckenden Stunts gesegnet sein, das nützt alles wenig, wenn die meist eher hanebüchene Story und die zum Genre wie die Kruste zum Brot gehörende Unverwundbarkeit des Helden mit einer Ernsthaftigkeit dargeboten werden, als wäre man in einem Drama, welches sich Hoffnung auf den Oscar ausrechnet. Solch ein Action-No-Brainer darf sich nicht ernst nehmen, sondern muss seine Szenen mit einem stetigen Augenzwinkern begleiten und genau das ist die große Stärke von „The Marine“.

Es gibt wohl kaum einen artverwandten Streifen, der sich selbst so auf die Schippe nimmt. Wenn der leicht reizbare Bösewichthüne Morgan (Matrix-Darsteller Anthony Ray Parker als heimlicher Star des Films) von homosexuellen Erfahrungen aus dem Jugendcamp erzählt oder in stetiger Angst vor Rassismus über diesen schwadroniert, dann ist das genau der Humor, den ein solcher Film braucht. Sowieso sind die Bösewichte ein Haufen von völlig überzeichneten Witzfiguren, die sich mit kultigen Sprüchen gegenseitig überbieten. Gerade in der ersten Hälfte streuen die Autoren die Zitate an Genreklassiker nur so ein und landen dabei oft genug humoristische Treffer. Und wenn Bösewicht Bennett (Manu Bennett), der wohl auch nicht zufällig so heißt („Das Phantom Kommando“] lässt grüßen) über den Widersacher äußert „This guy is like The Terminator“ und davon von Robert Patrick, der in Terminator 2 den Widersacher desselbigen spielte, einen ironischen Blick in den Rückspiegel bekommt, wird garantiert das halbe Kino lachen. Patrick ist sowieso eine Stärke des Films. Der spielt seine (perfekt geschriebene) Rolle voller Selbstironie und mit einer Leichtigkeit, die sich einige Kollegen unbedingt zum Vorbild nehmen sollten. Dabei schafft er aber den Spagat, so dass sein psychopathischer Bösewicht trotzdem noch Gefährlichkeit versprüht.

Leider erweist sich aber der Hauptdarsteller als Manko. Wrestler John Cena hat in seinem Leinwanddebüt null Charisma und ihm fehlt genau jener selbstironische Zug, den Patricks Darstellung aufweist. Er kann zwar mit vollem Körpereinsatz in den Actionszenen den Malus wieder wettmachen, bremst aber in der zweiten Hälfte den Film unnötig aus. Dort wechselt „The Marine“ nämlich immer wieder zwischen den fliehenden Gangstern samt Geisel und dem verfolgenden Cena. Während bei ersterem Tempo und Witz drin ist, der Film (in seinem Genrerahmen) bisweilen hochklassig ist, gibt es auf der anderen Seite ödes Hinterhergerenne, wobei natürlich fairerweise anzumerken ist, dass Cena die meiste Zeit Mitspieler fehlen. Trotzdem beschleicht einen phasenweise das Gefühl, dass der Film ohne Cena und dafür mit Nip/Tuck-Schönheit Kelly Carlson als Geisel und Widersacher der Bösewichte zugleich noch einen Tick besser wäre.

Nichtsdestotrotz, der von der World Wrestling Foundation finanzierte Film ist genau das, auf was Achtziger-Jahre-Actionfans gewartet haben. Dank der Selbstironie, dem technischen Fortschritt der vergangenen 20 Jahre und dem Verzicht auf allzu viele Computertricks verweist „The Marine“ sogar die meisten Filme von Arnie und Co. auf die Plätze. Man sollte halt nur wissen, was einen erwartet: Denn wer meint, dass bei einem Automobil, auf welches weit über hundert Schüsse abgefeuert wurde, das Motorhaube sowie das komplette Dach dadurch verloren hat und das mehr Löcher aufweist als jeder Schweizer Käse, der Fahrer doch auch den ein oder anderen Kratzer abbekommen haben müsste, der sollte „The Marine“ lieber meiden.
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