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    Mensch, Dave!
    Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
    1,5
    enttäuschend
    Mensch, Dave!
    Von Julian Unkel
    Norbit, der erste gemeinsame Film von Eddie Murphy und Regisseur Brian Robbins, wurde von Kritikern weltweit nicht nur nahezu einstimmig verrissen, sondern auch noch für rekordverdächtige acht Goldene Himbeeren nominiert. Die Vorzeichen für „Mensch, Dave!“, die zweite Zusammenarbeit der beiden, waren also bereits alles andere als vielversprechend. Doch eigentlich bedarf es dieser Einführung gar nicht – die Prämisse von „Mensch, Dave!“ sagt bereits mehr als genug: Eddie Murphy spielt ein Eddie-Murphy-förmiges Raumschiff, das von einem Miniatur-Eddie-Murphy in dessen Kopf gesteuert wird. Das ist so blöd, wie es sich anhört – und so unlustig, wie man es bei der Vorgeschichte der Beteiligten erwarten konnte.

    Der Planet Nil steht vor dem Untergang, die wichtigste Energiequelle, Salz, ist so gut wie aufgebraucht. Die Hoffnung der Bevölkerung liegt auf einem Gerät, das die Ozeane der Erde in Minutenschnelle verdampfen lassen soll und so große Mengen an Salz freilegen würde. Doch das Gerät kommt beim Eintritt in die Erdatmosphäre vom Kurs ab und geht mitten in New York verloren. Also schickt das äußerst kleinwüchsige Volk eine Crew um „The Captain“ (Eddie Murphy) hinterher, perfekt getarnt in einem Raumschiff, das genauso aussieht und sich bewegt wie ein Mensch (ebenfalls Eddie Murphy). In New York angekommen, lernt Raumschiff „Dave“ die alleinerziehende Mutter Gina (Elizabeth Banks) kennen, noch unwissend, dass sich das Gerät ausgerechnet in den Händen ihres Sohnes Josh (Austyn Myers) befindet. Verkompliziert wird die Mission, als Josh in der Schule von einem Bully beklaut wird, ein Polizist (Scoot Caan) den Außerirdischen auf die Schliche kommt, der Captain sich in der Rolle von „Dave“ irgendwann zu gut gefällt und Gefühle für Gina entwickelt…

    Was ist nur mit Eddie Murphy los? In den 80ern konnte die Quasselstrippe Hit auf Hit verbuchen und wurde zu einem der einflussreichsten Comedians der jüngeren Filmgeschichte. Doch seit einigen Jahren läuft so gut wie gar nichts mehr: Murphy ist nahezu ausschließlich in bestenfalls mittelmäßigem Klamauk zu sehen (I-Spy, Der Kindergarten Daddy), „Pluto Nash“ wurde gar zu einem der größten Flops überhaupt, seine Oscar-Nominierung 2007 für Dreamgirls muss da leider schon als Ausrutscher gewertet werden. Vergangenes Jahr folgte mit „Norbit“ dann der absolute Tiefpunkt, der ihm gleich drei Goldene Himbeeren als schlechtester Schauspieler einbrachte. Mit „Mensch, Dave!“ wird ihm das nicht passieren, denn hier zählt Murphy noch zu den erfreulicheren Elementen, auch wenn er seine eigentliche Stärke, den pfeilschnellen Dialogwitz, kaum ausspielen darf. Allen Unkenrufen zum Trotz verfügt Murphy aber weiterhin über das nötige Timing – nur überlässt ihm das Drehbuch leider kaum Möglichkeiten, seine Fähigkeiten auch einzusetzen.

    Das von Rob Greenberg und Bill Corbett verfasste Skript ist, kurz gesagt, eine kleine Katastrophe. Zwar gibt es vereinzelt ein paar nette Ideen, so nutzt die Crew von Dave zur Recherche die größte menschliche Datenbank, nämlich Google, doch zum Großteil bekommt man nur bereits tausend Mal gesehene Gags geboten, die dann auch noch ständig wiederholt werden. Beispielhaft für die Einfallslosigkeit ist die Zusammensetzung der Crew: Da gibt es neben dem Captain den heimlich in ihn verliebte Love Interest, den sauertöpfischen 2. Offizier, der „Bösewicht“ schon fast auf der Stirn stehen hat, und den Quotenschwulen, der jedes erdenkliche Homosexuellenklischee auf sich vereint. Nun ist das Spiel mit Stereotypen in Komödien gern gesehen – aber in „Mensch, Dave!“ wird eben nicht damit gespielt, sondern einfach nur präsentiert. Das sorgt in Ausnahmen noch für ein müdes Schmunzeln, meist reicht es aber nur für ein Kopfschütteln.

    Verschlimmert wird das noch durch die vollkommen uninspirierte Regie von Brian Robbins, der die wenigen Pointen meist bereits im Keim erstickt, weil die vorangehenden Szenen viel zu umständlich konstruiert sind. Dem Regisseur, dem es seit dem bereits mäßigen Hardball konstant gelungen ist, sich weiter zu unterbieten, gelingt es auch hier nicht, eine ordentliche Geschichte zu erzählen. Aber wie soll er das auch schaffen, wenn das Drehbuch ganze Handlungsstränge plötzlich verwirft, auf jede innere Logik pfeift und schließlich den Komödienanspruch völlig vergisst, um den Film in einem schwach getricksten Effektspektakel sein krudes Ende nehmen zu lassen.

    Auch schauspielerisch gibt es abgesehen von Murphy kaum Positives zu vermelden, auch weil dessen Doppelrolle den restlichen Cast zu reinen Stichwortgebern degradiert. Gabrielle Union (Born 2 Die, Bad Boys II) kommt da noch die größte Aufmerksamkeit zuteil, sie spielt aber insgesamt zu steif, um wirkliches Interesse zu wecken. Ed Helms (bekannt durch „The Office“, der US-Version von „Stromberg“) fällt als 2. Offizier des Schiffs mit seinem übertriebenen Overacting schnell auf die Nerven, Scott Caans (Ocean’s Eleven, Into the Blue) wenige Szenen sind kaum der Rede wert. Und Elizabeth Banks liefert zwar eine überzeugende und charmante Darbietung, wird aber im letzten Drittel vom Drehbuch völlig fallengelassen.

    Am Ende wird dann gar noch ordentlich die Moralkeule geschwungen und „Werte vermittelt“. Für ganz junge Zuschauer mag das alles ein gewisses Unterhaltungspotenzial besitzen, weshalb man „Mensch, Dave!“ dann auch nicht als Totalausfall bezeichnen kann. Wer aber nur ein wenig Anspruch an Komödien hat, der wird an den harmlosen Albereien keine Freude finden.
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