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Französisch für Anfänger
Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
2,5
durchschnittlich
Französisch für Anfänger
Von Christoph Petersen
Dass es nicht besonders schwierig ist, sich auf urkomische Art über unsere westlichen Nachbarn lustig zu machen, hat Ed O´Neill als Franzosenhasser Nummer-1 Al Bundy in elf Staffeln der Erfolgssitcom „Eine schrecklich nette Familie“ eindrucksvoll bewiesen. Mit seinen Froschfresser-Kalauern hat er jedes Klischee ebenso gelungen wie ausdauernd durch den Kakao gezogen. Es wäre für Christian Ditter, Regisseur und Drehbuchautor der Teenie-Romanze "Französisch für Anfänger", also ein Leichtes gewesen, mit bösartigem Brachialhumor an die in vielen Deutschen tief verankerte Abneigung gegen alles Französische zu appellieren und Vorurteile mit billigen Gags zu bestätigen.

Aber anders als es im irreführenden Trailer angedeutet wird, hält sich „Französisch für Anfänger“ mit anspruchslosem Humor und dem uninspirierten Veralbern der französischen Lebenskultur – bis auf in Wein getränkte Cornflakes und hemdentragende Aufreißer – angenehm zurück, versucht sich stattdessen viel eher an einem „etwas ernsteren“ Liebesfilm à la „La Boum – Die Fete“. Natürlich müsste der Film, wenn er mutig genug ist, die einfachen Schenkelklopfer links liegen zu lassen, auf der romantischen Ebene perfekt funktionieren, um dem Zuschauer 93 unterhaltsame Minuten zu bescheren. Aber hier liegt das große Problem: Trotz wirklich gelungener Momente leiden die großen Gefühle doch zu sehr unter der kränkelnden Dramaturgie und der problematischen Identifikationsfigur.

Was tut man nicht alles für die Liebe? Diese Frage muss sich auch Oberstüfler Henrik (Francois Göske) wiederholt stellen, als er sich unverhofft auf einem Schulaustausch im ländlichen Frankreich wieder findet, für den er sich nur angemeldet hat, weil seine Angebetete Valerie (Paula Schramm) eine der begeisterten Teilnehmer ist. Am ersten Tag, den die Gruppe gemeinsam im romantischen Paris verbringt, kommt Henrik seinem Ziel sogar schon recht nahe, traut sich dann aber einfach nicht, Valerie zu küssen. Als dann auch noch die französischen Austauschschüler dazustoßen, verkompliziert sich die Lage noch weiter – Valerie trifft ihre alte Flamme, den selbstbewussten Aufreißer Mathieu (Cyril Descours), wieder und Henrik hat auf einmal die ziemlich kecke und äußerst hübsche Charlotte (Élodie Bollée) als Verehrerin am Hals…

Die besten Szenen in „Französisch für Anfänger“ sind zugleich die bodenständigsten. Wenn Christian Tramitz (Der Schuh des Manitu) einen arroganten Französischlehrer karikiert, ist das nur sehr bedingt lustig. Wenn aber Henrik und Valerie gemeinsam auf einem Felsen sitzen und bei ihrer sympathischen Herumdruckserei endlich mal wie echte Teenager sprechen, erweckt das im Zuschauer durchaus das ein oder andere Gefühl. Man könnte fast sagen, dass es die dokumentarischsten Augenblicke des Films sind, die genug – je nach Alter: verstaubte oder frische - Erinnerungen an Austausche oder Klassenreisen hervorholen und so emotional ausgesprochen gut funktionieren. Deshalb ist auch die Wahl des Showdowns, der an klassische US-Liebesfilme erinnert, ein großer Fehler. Ist doch der einzige Grund, warum man „Französisch für Anfänger“ romantischen Komödien aus Übersee vorziehen könnte, dass man ihn persönlich nachvollziehen kann - trotzdem gleitet er am Schluss in ein fremdes Hollywood-Märchen ab.

Auch wenn man sich einen Wechsel von Henrik-Darsteller Francois Göske (Bergkristall) ins Erwachsenenfach nur schwer vorstellen kann, kann er als schüchterner Teenie-Casanova durchaus überzeugen. Trotzdem wird er von seiner bezaubernden Partnerin Paula Schramm konsequent an die Wand gespielt. Sie wartet als aufgeweckte Frohnatur mit genug Charme und in den ruhigeren Momenten mit ausreichend Talent auf, so dass ihr nun hoffentlich weiterhin genug Türen offen stehen. Die übrige Besetzung könnte man mit Ausnahme von einigen französischen Archetypen am besten als natürlich bezeichnen – so unterstreicht sie bei Partys oder gemeinsamen Ausflügen noch einmal die sehr persönliche Gefühle weckende Realitätsnähe.

Das größte Problem von „Französisch für Anfänger“ ist aber die Hauptfigur Henrik selbst. In der ersten Hälfte des Films ist er ein arroganter, großspuriger Angeber, mit dem man sich nicht im Entferntesten identifizieren will und dem man vor allem auch auf keinen Fall das Mädchen wünscht. Irgendwann kippt der Charakter dann einfach um. Dann ist es zum einen aber schon zu spät, um noch voll in seine Liebes-Odyssee einzusteigen und zum anderen macht es sich das Drehbuch hier auch einfach zu leicht. Die viel angenehmere und auch interessantere Figur wäre hier Henriks bester Freund Johannes (Lennard Bertzbac, Die wilden Kerle 2) gewesen, der so leider viel zu kurz kommt. Hinzu kommt eine Dramaturgie, die auch weitere Nebenrollen zu eindimensionalen Stichwortgebern degradiert und mit ihrem eintönigen Wechsel zwischen Annäherung und Rückschlag schnell ermüdet.

„Französisch für Anfänger“ ist mit seiner nicht immer ganz stimmigen Version der großen Liebe für ein junges Publikum, das noch dazu bereit ist, bei den stetigen Rückschlägen in der Beziehung zwischen Henrik und Valerie voll mitzugehen, durchaus geeignet. Immerhin ist er nicht ungeschickt inszeniert und kramt genug eigene Erfahrungen hervor, als dass man nicht ordentlich mitfiebern könnte. Alle anderen werden sich hingegen viel zu oft an „La Boum – Die Fete“ erinnert fühlen und sich in eine Vorstellung dieses natürlich um Längen besseren Films wünschen. So kann es durchaus auch passieren, dass einem am Schluss Richard Sandersons berühmter Titelsong „Reality“ als Ohrwurm im Kopf herumspukt, obwohl er in „Französisch für Anfänger“ gar nicht gespielt wird.
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