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    CJ7 - Nicht von dieser Welt
    Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
    3,0
    solide
    CJ7 - Nicht von dieser Welt
    Von Ulf Lepelmeier
    Mit Shaolin Kickers und Kung Fu Hustle sorgte Stephen Chow nicht nur in Asien, sondern weltweit für Aufsehen. Dabei übernahm der vielfach preisgekrönte Regisseur in beiden Produktionen auch die Hauptrolle. Mit „CJ7“ inszenierte der Meister der Verquickung von Kampfsport-Action und Klamauk-Komik nun seinen ersten Kinderfilm und ließ es sich natürlich auch diesmal nicht nehmen, wieder selbst vor die Kamera zu treten. Stephan Chow verkörpert einen Vater, der seinem Sohn, ohne es zu ahnen, einen kleinen galaktischen Hund mitbringt. Mit viel Humor und einem Schuss Melodram erzählt der schauspielende Regisseur eine naive Kindergeschichte um ein knuffiges Tierchen mit ungeahnten Fähigkeiten, das die Welt eines Schülers gehörig durcheinanderbringt.

    Ti (Stephen Chow) arbeitet auf dem Bau und schränkt sich tagtäglich stark ein, um seinem Sohn Dicky (Jiao Xu) den Besuch einer teuren Privatschule finanzieren zu können. Schließlich soll es der Junge einmal besser haben als er selbst. Aber Dicky wird in der Schule von Mitschülern aus gutem Hause aufgrund seiner einfachen Herkunft oft gehänselt und ausgeschlossen. Als eines der Kinder einen Roboterhund namens CJ1 in die Schule mitbringt und diesem die Aufmerksamkeit und Achtung der anderen Schüler zufliegen, wünscht sich Dicky auch so einen elektronischen Hund. Doch für den aufopferungsvollen Vater ist ein solches Luxusspielzeug einfach nicht bezahlbar. Ti geht - wie schon so oft - auf die örtliche Müllhalde und sucht dort nach funktionstüchtigen Objekten. Hier findet er einen neongrünen Ball, der bei Dicky anfangs nur auf wenig Begeisterung stößt. Doch dann entwickelt das grüne Etwas ein Eigenleben und entpuppt sich schließlich als süßer außerirdischer Hund…

    Stephen Chow hat sich eine familienfreundliche Komödie als letztes, in seiner Heimat realisiertes Werk auserkoren, bevor er sich nun auf nach Amerika macht und dort sein erstes Hollywoodprojekt (The Green Hornet) in Angriff nimmt. „CJ7“ stellt dabei einen galaktischen Hund in den Mittelpunkt, der wie eine Mischung aus einem Pekinesen, „Flubber“ und dem Pokémon Pikachu anmutet. Außerdem gibt das neongrüne Wesen süße Laute von sich und bewegt sich auf eine putzig-tollpatschige Art fort, was einen hohen Niedlichkeits- und damit Vermarktungsfaktor garantiert. Zwar schwankt die Qualität der Spezialeffekte sehr stark, doch gerade was die Animation des Tierchens CJ7 angeht, wurde augenscheinlich viel Aufwand betrieben.

    Die Charaktere sind hier noch übertriebener dargestellt, als man es von Chow eh schon gewohnt ist. Dafür wurde die Gagdichte im Vergleich zu seinen vorherigen Filmen etwas zurückgefahren. So schwingt in der Geschichte hin und wieder auch eine Portion Melodramatik mit. Außerdem verzichtet der Regisseur in seinem ersten Kinderfilm nicht darauf, immer mal wieder den moralischen Zeigefinger zu erheben. Zum Glück werden die Belehrungsversuche aber zumeist ironisch gebrochen oder vorzeitig ausgeblendet. Auch der kantonesische Haudraufhumor findet sich hier fast gar nicht mehr. Trotzdem gibt es bei „CJ7“ genug zu Lachen. Etwa über das ökologische Moorhuhnspiel mit Küchenschaben oder das außerirdische Tierchen, das zusammen mit Dicky zu „Sunny“ von Boney M herumhüpft und wilde Grimassen schneidet.

    Nach einjähriger Kinderdarstellersuche hatte man zwar einige Talente entdeckt, allerdings handelte es sich bei diesen überwiegend um Mädchen. Also beschloss der Regisseur kurzerhand, die Jungenrollen in Shakespeare-Manier größtenteils mit weiblichen Altersgenossinnen zu besetzen. Auch die Hauptrolle ergatterte letztlich ein Mädchen. Jian Xu weiß in ihrer Debütrolle als kleiner Dicky zu überzeugen, wobei sie das Publikum vor allem mit ihren urkomischen Gesichtsausdrücken für sich gewinnt. Neben ihr macht Stephen Chow (Hard Boiled 2 - Just Heroes) als Filmvater Ti einen guten Job, so dass man das sympathische Vater-Sohn-Gespann schnell ins Herz schließt. Dies ist auch dringend nötig, da die vorhersehbare Geschichte mit ihren stark überzogenen Figuren ansonsten wohl nicht funktioniert hätte. Den zeitlosen Charme des großen Vorbilds E.T. – Der Außerirdische erreicht „CJ7“ zwar nie, dennoch schafft es der Film mit seiner gewitzten Inszenierung und den Anspielungen auf frühere Filme des Regisseurs, nicht nur junge, sondern auch erwachsene Zuschauer ordentlich zu unterhalten.

    Fazit: „CJ7“ ist ein Film für die ganze Familie, der mit seinem putzigen Hauptdarsteller aus dem All die Kinder schnell auf seine Seite zieht. Trotz einiger gelungener Gags bietet „CJ7“ mit seinen übertrieben Figuren und seiner linearen Story für ältere Semester letztlich aber „nur“ nette Unterhaltung.
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