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Forbidden Kingdom
Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
3,0
solide
Forbidden Kingdom
Von Andreas Staben
In Rob Minkoffs Martial-Arts-Abenteuer „Forbidden Kingdom“ stehen die beiden Genre-Superstars Jackie Chan und Jet Li erstmals gemeinsam vor der Kamera. Dieses späte Zusammentreffen der Kampfkunst-Veteranen wird bis in die Gestaltung des Filmposters hinein zelebriert: In dem Design erscheinen Chan und Li geradezu als Yin und Yang des Actionkinos fernöstlicher Prägung. Die genau ausbalancierte Dualität schont nicht nur die oft empfindlichen Egos auf ihren Status bedachter Stars, sondern spiegelt ein Grundmotiv des ganzen Films wider. Ost und West, Geschichte und Gegenwart, Legende und Wirklichkeit – das Spiel der Gegensätze prägt „Forbidden Kingdom“ überdeutlich. Die unter der Federführung des amerikanischen Produzenten Casey Silver und des Der König der Löwen-Regisseurs Minkoff fast vollständig im Reich der Mitte entstandene Action-Fantasy nährt sich aus den Vorbildern des klassischen Kung-Fu-Kinos und aus Elementen chinesischer Mythologie, die mit westlichen Erzählmustern kombiniert werden. Zudem begegnen sich die unterschiedlichen Stile der jeweils in Doppelrollen auftretenden prominenten Protagonisten, die beide nach ihrem Aufstieg im Hongkong-Kino auch in Hollywood Karriere machten. Die eigentliche Hauptfigur ist aber ein Teenager aus South Boston, der das jugendliche Zielpublikum mit auf den Weg von einer problembeladenen Realität in eine ferne Welt voller Abenteuer nimmt - eine zwar wenig inspiriert inszenierte, aber durchaus unterhaltsame Reise. „Forbidden Kingdom“ bietet wenig Neues und Eigenständiges, für Fans des Genres wird dafür ein reicher Schatz an Verweisen, Anspielungen und Variationen bereit gehalten.

Der 17-jährige Jason (Michael Angarano, Engel im Schnee, Dear Wendy) ist ein großer Fan von Kung-Fu-Filmen und die legendären Kämpfer aus der fernöstlichen Sagenwelt bevölkern sogar seine Träume. In der Wirklichkeit wird er allerdings vom Halbstarken Lupo (Morgan Benoit) und seiner Gang drangsaliert. Sie zwingen Jason, bei einem Raubüberfall auf Old Hops (Jackie Chan) Laden in Chinatown mitzuwirken. Als der blinde Besitzer niedergeschossen wird, vertraut er seinem Stammkunden Jason im letzten Moment den Kampfstab des mythischen Affenkönigs (Jet Li) an, woraufhin der Bostoner Junge sich unversehens im alten China wiederfindet. Seine Mission ist es nun, den Stab an seinen rechtmäßigen Besitzer zurückzugeben. Der fiese Jadekriegsherr (Collin Chou, Fearless, Flash Point) hat die Waffe dem weisen Affenkönig nämlich vor 500 Jahren durch eine List entwendet und den unsterblichen Kämpfer in Stein eingeschlossen. Während Soldaten und eine weißhaarige Dämonin (Li Bingbing) Jagd auf Jason machen, findet er die Unterstützung des ständig betrunkenen Unsterblichen Lu Yan (Jackie Chan), eines schweigsamen Mönchs (Jet Li) und der Kriegerin Goldener Sperling (Liu Yifei). Gemeinsam begeben sie sich auf die Reise in die Berge der fünf Elemente zum Jadekriegsherrn...

Drehbuchautor John Fusco (Spirit, der wilde Mustang, Hidalgo – 3000 Meilen zum Ruhm) verarbeitet unzählige Motive aus traditionellen chinesischen Legenden und Erzählungen, dabei bezieht er sich sowohl auf klassische Wuxia-Stoffe als auch auf modernisierte Formen des Kampfkunst-Genres. Unsterbliche und Dämonen, magische Waffen und Elixiere, Rache und Intrigen: Ein dichtes Handlungsgeflecht, in dem Kontinente und Jahrhunderte übersprungen werden, gibt „Forbidden Kingdom“ ein phantastisches Gepräge. Allerdings verfolgen Fusco und Minkoff (Stuart Little) anders als die asiatischen Kollegen Ang Lee (Tiger und Dragon), Zhang Yimou (Hero) und Chen Kaige (Wu Ji) mit ihren erwachsenen Dramen keine epischen Ambitionen, sondern setzen auf familientaugliche Unterhaltung. Entsprechend rudimentär ist die obligatorische Liebesgeschichte in „Forbidden Kingdom“ ausgebildet. Hier wird vornehmlich ein leichterer Tonfall angeschlagen und ansonsten Action satt geboten. Der Humor ist dabei nicht sonderlich feinsinnig: Wenn einer dem anderen ins Gesicht pinkelt, finden das wohl vor allem Zehnjährige lustig.

Die komödiantische Note der Erzählung liegt ganz auf der Wellenlänge Jackie Chans, der aus der Verbindung von Action und Komödie in der Rush Hour-Trilogie sowie den „Shanghai“-Filmen mit Owen Wilson auch in Hollywood eins seiner Markenzeichen gemacht hat. Als Betrunkener, der immer wieder seinen „Zaubertrank“ braucht, verweist er zudem auf den Klassiker „Drunken Master“ und gibt einige Kostproben von „Drunken Fist“-Kung-Fu. Jet Li, der sonst eher auf härtere Kost wie War, Unleashed oder The One abonniert ist, genießt die Abwechslung sichtlich und spielt vor allem die Rolle des Affenkönigs mit einem großen Augenzwinkern. Die Gewalt ist hier zurückgenommen, umso auffälliger ist die plumpe Klammer des Films. Jason, der am Anfang noch rumgeschubst wird, revanchiert sich, indem er Lupo seine neuerworbenen Kampfkünste brutal spüren lässt: Eine nicht gerade elegante und ganz sicher nicht pädagisch wertvolle Darstellung eines Lernprozesses.

Die „Karate Kid“-Formel wird nur schematisch angewandt und auch eine Reflexion des so nachhaltig geplünderten kulturellen Erbes und seiner Bedeutung für die Gegenwart findet nicht statt, diesbezüglich hatte Jet Lis Die Mumie – Das Grabmal des Drachenkaisers mehr zu bieten. Aber für die Kampf-Choreographie wurde immerhin Yuen Woo-Ping verpflichtet, der schon in Tiger und Dragon, den Matrix-Filmen und in Kill Bill die Schwerkraft zu überwinden wusste. Jackie Chans alter Weggefährte hat auch diesmal dynamische Sequenzen beigesteuert, denen allerdings ein ausgewogener Rhythmus fehlt. Zudem ist der Film etwas CGI-lastig, was durch beeindruckende Landschaftsaufnahmen wiederum ein wenig aufgewogen wird.

Hollywood-Familienunterhaltung und Kung-Fu-Kino gehen in Rob Minkoffs Inszenierung eine besonders für junge Zuschauer reizvolle und über weite Strecken schwungvolle Verbindung ein. Den Freunden des „eisernen Ellenbogens“ oder des „Ein-Finger-Todesstoßes“ bietet „Forbidden Kingdom“ annehmbare Unterhaltung, das Gipfeltreffen von Jackie Chan und Jet Li weckt bei Genre-Fans aber wahrscheinlich mehr schöne Erinnerungen als dass es neue Denkwürdigkeiten entstehen ließe.
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