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Happy Deathday
Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
3,5
gut
Happy Deathday
Von
Wenn das Murmeltier täglich grüßen kann, dann kann das auch ein maskierter Killer. Das dachte sich wohl Regisseur und Autor Christopher B. Landon („Paranormal Activity: Die Gezeichneten“), als er das Drehbuch zu „Happy Deathday“ ausarbeitete. Statt wie in vielen anderen Slasher-Filmen eine ganze Gruppe junger Erwachsener zu malträtieren, jagt sein Mörder (von Kollateralschäden abgesehen) nur eine einzige Studentin – aber die muss dafür immer wieder dran glauben. Landon macht aus dem Zeitschleifenszenario eine abwechslungsreiche Horrorkomödie voller gutgelaunter College-Zoten, dazu kommen einige auf den Kopf gestellte Klischees und geschickt platzierter Überraschungen.

Es ist Montag, der 18., an der fiktiven Bayfield University. Tree Gelbman (Jessica Rothe) hat Geburtstag und so gar keinen Bock darauf. Verkatert wacht sie im Bett der Partybekanntschaft Carter (Israel Broussard) auf, ihre Mitbewohnerinnen Lori (Ruby Modine) und Danielle (Rachel Matthews) nerven, die Affäre mit ihrem Professor (Charles Aitken) droht aufzufliegen. Kurzum: Trees Leben nervt. Blöderweise ist sie in dieser Situation gefangen, denn am Abend ersticht sie ein Killer mit Babymaske und setzt damit einen endlosen Kreislauf in Gang: Nach ihrem Tod erwacht Tree wieder im fremden Bett und es ist wieder der 18. Der endet mit ihrem Tod und dann geht das Ganze von vorne los. Nach anfänglicher Verzweiflung versucht Tree alles, um den Zyklus zu durchbrechen und macht sich schon gleich morgens auf die Suche nach ihrem eigenen Mörder...

Happy Deathday Trailer DF

Bereits im Vorspann spielt der Regisseur mit dem Wissen seines Publikums um die Prämisse des Films. Wie eine Schallplatte mit Sprung fährt das Universal-Logo erst nach mehreren Versuchen komplett ins Bild: Nach dieser Andeutung einer Zeitschleife geht es direkt in den ersten Durchlauf des fatalen Montags und nach zehn Minuten steckt dann das erste Messer in Trees Körper… Das Erzählprinzip wird ohne Umschweife klargemacht, weit hergeholte Erklärungen für das Phänomen spart sich Regisseur Landon und setzt lieber schon in der ersten Wiederholung auf genüssliche Fake Scares. Der Killer ist nämlich keineswegs der einzige, der mit Babymaske herumspaziert – immerhin ist das grinsende Gesicht das Uni-Maskottchen und dient auch mal für erotische Rollenspiele. Verzwickt wird’s, wenn plötzlich zwei Maskierte im Raum stehen…

Landon erreicht eine gute Balance aus Horror und Humor, das Timing stimmt in beiden Fällen. So kommt er auch mit einigen nicht unbedingt geschmackssicheren Gags davon, etwa als ein Partygast in eine Lage platzt, in der alles auf Vergewaltigung hindeutet, er aber alkoholselig johlend einfach wieder abzieht. Meist nutzt der Filmemacher die ganz bewusst eindimensional angelegten Nebenfiguren aber sehr zielsicher für Situationskomik: So ist es egal, ob Tree beschämt einen nächtlichen Ausrutscher beichtet, ob sie eröffnet, von wem sie Kinder haben möchte, oder ob sie sich auf dem Zimmer einsperrt – Beauty-Queen Danielle flötet im Anschluss an das Gespräch stets mit kokettem Kopfschwung: „Anyhoooo…“ und betont die Wichtigkeit eines Lunchmeetings.

Der Regisseur lässt seiner Kreativität in den multiplen Handlungsvariationen ein und desselben Tages freien Lauf und schafft es tatsächlich, sich – was in dem Kontext eine besondere Leistung ist – nicht zu wiederholen. Beim Legen der falschen Fährten leistet auch Hauptdarstellerin Jessica Rothe („La La Land“), die in jeder einzelnen Szene zu sehen ist, einen wichtigen Beitrag, indem sie im Laufe des Films souverän die ganze Palette von der College-Göre über das verängstigte Opfer und das liebe Mädchen bis zur Badass-Mörderjägerin abspult. Bringt das dauernde Sterben Tree anfangs verständlicherweise noch an den Rand des Wahnsinns, erringt sie nach und nach ihr Selbstbewusstsein zurück und erkennt, dass sie keineswegs so machtlos ist wie zunächst angenommen. Immerhin hat sie dem Killer eins voraus: Sie weiß, was passieren wird und kann jederzeit von vorn beginnen.

Ein erwartbarer, aber sympathisch umgesetzter Nebeneffekt der Dauerschleife ist, dass die oberflächliche Zicke des Beginns, die nur Low-Carb-Ernährung und Partys im Sinn hat, sich nach und nach zum besseren Menschen wandelt. Schließlich geht Tree nach langer Entfremdung sogar mit Daddy (Jason Bayle) essen und stopft sich der gemobbten Verbindungsschwester (Cariella Smith) zuliebe Pommes in den Hals. Dieser x-te Durchlauf des Tages, in dem Tree alle losen Enden verknüpft und alte Fehler gutmacht, ist in seiner perfekten Harmonie nach all den vergeblichen Versuchen vorher eine echte Befriedigung. Zumal man sich eben nie sicher sein kann, ob es nicht doch wieder ein böses Erwachen geben wird…

Fazit: In Christopher B. Landons „Happy Deathday“ kommen die Schockeffekte nicht zu kurz, aber die Horror-Komödie überzeugt vor allem durch unbekümmerten Humor.
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