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    Evil Dead
    Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
    4,0
    stark
    Evil Dead
    Von Christoph Petersen
    In den 70ern und frühen 80ern ging es im US-Indie-Horrorkino ganz schön heftig zur Sache – solch bahnbrechenden Brutaloreißern wie „Das letzte Haus links" oder „Ich spuck' auf dein Grab" haftet deshalb noch bis heute der Ruf des Verruchten an. In den vergangenen Jahren hat Hollywood nun damit begonnen, diesen Reiz des Verbotenen für sich auszuschlachten – und zwar mit weichgewaschenen Remakes („The Last House on the Left") oder gewaltgeilen Neuauflagen ohne die Doppelbödigkeit des Originals („I Spit on Your Grave"). Aber das Beste kommt ja bekanntlich immer zum Schluss: Obwohl die Highlights des Low-Budget-Horrors nahezu vollständig abgegrast schienen, liefert Fede Alvarez mit seinem Spielfilmdebüt „Evil Dead" nun doch noch das Remake eines Kultklassikers, bei dem alles richtig gemacht wird: In seiner Neuauflage von Sam Raimis „Tanz der Teufel" kombiniert Alvarez geschickt gesetzte Anspielungen auf das Original mit einem eigenen, sehr viel weniger offensichtlich ironischen Erzählton. Da scheint selbst das unübersehbar aufs Plakat gedruckte Werbeversprechen plötzlich nur noch einen Tacken zu hoch gegriffen: „Der schockierendste Film, den du jemals sehen wirst."

    Nachdem sie eine Überdosis nur knapp überlebt hat, soll Mia (Jane Levy, „Fun Size") endlich von den Drogen wegkommen. Ihre besten Freunde Olivia (Jessica Lucas, „Cloverfield") und Eric (Lou Taylor Pucci, „Horsemen") haben deshalb ein Entziehungswochenende in einer abgelegenen Waldhütte für sie organisiert – und dazu auch Mias Bruder David (Shiloh Fernandez, „Red Riding Hood") sowie dessen Freundin Natalie (Elizabeth Blackmore) eingeladen. Zunächst läuft auch alles nach Plan, doch dann erschnüffelt Mia einen Verwesungsgeruch. Die anderen schieben dies zuerst auf ihre Entzugserscheinungen, doch dann stoßen sie plötzlich auf einen Kellerraum voller erhängter Katzen, in dem sich außerdem das aus Menschenhaut gebundene „Buch des Todes" befindet. Obwohl alle Buchseiten mit Warnhinweisen vollgekritzelt sind, lässt sich Eric nicht davon abhalten, ein in fremder Sprache verfasstes Gebet laut auszusprechen – nichtsahnend, dass er so einen finsteren Dämonen erweckt...


    „Evil Dead" fällt die undankbare Herausforderung zu, den Horror zurück in die Hütte zu bringen, nachdem Drew Goddard die Mechanismen und Regeln des Genres erst im vergangenen Jahr mit seiner Satire „
    The Cabin in the Woods" schonungslos der Lächerlichkeit preisgegeben hat. Aber Fede Alvarez versteht sein Handwerk: Der nach Veröffentlichung seines YouTube-Kurzfilms „Panic Attack!" von Sam Raimi persönlich entdeckte Uruguayer nutzt die technischen Vorteile gegenüber dem Original (das damals noch in 16 mm und mit Mono-Sound gedreht wurde), um das Publikum durch eine orgiastisch-blutige Tour de Force von einem Film zu hetzen. „Evil Dead" sieht dabei nicht nur fantastisch aus, auch die neu hinzugefügten Story-Nuancen (Stichwort: Drogenentzug) tragen maßgeblich zur Atmosphäre bei und das Sounddesign ist grausam effektiv – dieses Remake erweist sich als genaues Gegenteil eines bewusst schmuddeligen Grindhouse-Streifens. Trotzdem ist „Evil Dead" keine dieser glattgeleckten jugendfreien PG-13-Schlaftabletten, wie sie immer wieder aus Hollywoods Studios kommen und bei denen wir uns vor einem halbgaren Geist von der Festplatte gruseln sollen. Wo es nur geht, verzichten Alvarez und sein Team auf computergenerierte Bilder und arbeiten stattdessen mit klassischen Spezialeffekten, mit Masken, Prothesen und anderen Requisiten – so tut es beim Zusehen tatsächlich wieder richtig weh, wenn ein Arm mit einer Nagelpistole traktiert oder mit einer Spritze auf ein Auge eingestochen wird.

    Von Freddy Krueger („
    Nightmare - Mörderische Träume") bis Jason Voorhees („Freitag der 13.") – die Ikonen des Horror-Kinos sind fast allesamt Monster und Killer. Aber es gibt eine Ausnahme: Ash aus Raimis „Tanz der Teufel"-Trilogie! Lange haben Fans deshalb einem vierten Teil entgegengefiebert, in dem Kultdarsteller Bruce Campbell wieder mit der Motorsäge (die seinen Arm ersetzt) hantiert und mit Ashs launigem „Groovy!" die Lacher des eingeweihten Publikums abstaubt. Aber Campbell wollte nicht mehr – auch als Produzent des Remakes ist er erst an Bord gekommen, nachdem klar war, dass Ash nicht wieder auftauchen wird (dazu ein Wink mit dem Zaunpfahl: Unbedingt bis nach dem Abspann sitzenbleiben!). Und nachdem wir das Remake gesehen haben, geben wir gern zu: Er hatte Recht! Es tut dem Franchise unheimlich gut, dass auf den über die Jahrzehnte immer dicker gewordenen Popkultur-Guss verzichtet wurde und man mit einem dreckig-brutalen Schocker von vorne beginnt (auch wenn sich Alvarez den vorwegnehmenden Schwenk zur Kettensäge und Referenzen an Raimis legendären Kamerafahrten aus der Dämonen-Egoperspektive nicht verkneifen kann). Die ironische Distanz folgt im Remake dann schon von ganz alleine, wenn die Gewaltausbrüche erst einmal ein gewisses absurdes Level erreichen: Wofür James Franco noch „127 Hours" brauchte, das schafft Elizabeth Blackmore mit dem elektrischen Brotmesser in Sekunden – und da nimmt der Blutschwall bald dermaßen groteske Züge an, dass das Publikum kaum noch anders kann, als befreiend zu lachen.

    Fazit: Dieses Remake könnte in 30 Jahren einen ähnlichen Ruf als Kultklassiker genießen wie heutzutage bereits Sam Raimis Original – ein größeres Lob kann man Fede Alvarez‘ „Evil Dead" kaum aussprechen!

    PS: Der Film wurde bereits für den US-Start minimal geschnitten, um ein R-Rating zu erhalten. Diese in den USA im Kino gezeigte Fassung läuft in Deutschland nun ohne weitere Schnitte – auch wenn wir uns nach der Pressevorführung in Anbetracht der ein oder anderen Szene (Nagelpistole, Motorsäge) schon gewundert haben, dass die FSK dafür tatsächlich eine auflagenfreie Freigabe ab 18 rausgerückt hat.
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