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Evil Dead
Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
4,0
stark
Evil Dead
Von
In den 70ern und frühen 80ern ging es im US-Indie-Horrorkino ganz schön heftig zur Sache – solch bahnbrechenden Brutaloreißern wie „Das letzte Haus links" oder „Ich spuck' auf dein Grab" haftet deshalb noch bis heute der Ruf des Verruchten an. In den vergangenen Jahren hat Hollywood nun damit begonnen, diesen Reiz des Verbotenen für sich auszuschlachten – und zwar mit weichgewaschenen Remakes („The Last House on the Left") oder gewaltgeilen Neuauflagen ohne die Doppelbödigkeit des Originals („I Spit on Your Grave"). Aber das Beste kommt ja bekanntlich immer zum Schluss: Obwohl die Highlights des Low-Budget-Horrors nahezu vollständig abgegrast schienen, liefert Fede Alvarez mit seinem Spielfilmdebüt „Evil Dead" nun doch noch das Remake eines Kultklassikers, bei dem alles richtig gemacht wird: In seiner Neuauflage von Sam Raimis „Tanz der Teufel" kombiniert Alvarez geschickt gesetzte Anspielungen auf das Original mit einem eigenen, sehr viel weniger offensichtlich ironischen Erzählton. Da scheint selbst das unübersehbar aufs Plakat gedruckte Werbeversprechen plötzlich nur noch einen Tacken zu hoch gegriffen: „Der schockierendste Film, den du jemals sehen wirst."

Nachdem sie eine Überdosis nur knapp überlebt hat, soll Mia (Jane Levy, „Fun Size") endlich von den Drogen wegkommen. Ihre besten Freunde Olivia (Jessica Lucas, „Cloverfield") und Eric (Lou Taylor Pucci, „Horsemen") haben deshalb ein Entziehungswochenende in einer abgelegenen Waldhütte für sie organisiert – und dazu auch Mias Bruder David (Shiloh Fernandez, „Red Riding Hood") sowie dessen Freundin Natalie (Elizabeth Blackmore) eingeladen. Zunächst läuft auch alles nach Plan, doch dann erschnüffelt Mia einen Verwesungsgeruch. Die anderen schieben dies zuerst auf ihre Entzugserscheinungen, doch dann stoßen sie plötzlich auf einen Kellerraum voller erhängter Katzen, in dem sich außerdem das aus Menschenhaut gebundene „Buch des Todes" befindet. Obwohl alle Buchseiten mit Warnhinweisen vollgekritzelt sind, lässt sich Eric nicht davon abhalten, ein in fremder Sprache verfasstes Gebet laut auszusprechen – nichtsahnend, dass er so einen finsteren Dämonen erweckt...


„Evil Dead" fällt die undankbare Herausforderung zu, den Horror zurück in die Hütte zu bringen, nachdem Drew Goddard die Mechanismen und Regeln des Genres erst im vergangenen Jahr mit seiner Satire „
The Cabin in the Woods" schonungslos der Lächerlichkeit preisgegeben hat. Aber Fede Alvarez versteht sein Handwerk: Der nach Veröffentlichung seines YouTube-Kurzfilms „Panic Attack!" von Sam Raimi persönlich entdeckte Uruguayer nutzt die technischen Vorteile gegenüber dem Original (das damals noch in 16 mm und mit Mono-Sound gedreht wurde), um das Publikum durch eine orgiastisch-blutige Tour de Force von einem Film zu hetzen. „Evil Dead" sieht dabei nicht nur fantastisch aus, auch die neu hinzugefügten Story-Nuancen (Stichwort: Drogenentzug) tragen maßgeblich zur Atmosphäre bei und das Sounddesign ist grausam effektiv – dieses Remake erweist sich als genaues Gegenteil eines bewusst schmuddeligen Grindhouse-Streifens. Trotzdem ist „Evil Dead" keine dieser glattgeleckten jugendfreien PG-13-Schlaftabletten, wie sie immer wieder aus Hollywoods Studios kommen und bei denen wir uns vor einem halbgaren Geist von der Festplatte gruseln sollen. Wo es nur geht, verzichten Alvarez und sein Team auf computergenerierte Bilder und arbeiten stattdessen mit klassischen Spezialeffekten, mit Masken, Prothesen und anderen Requisiten – so tut es beim Zusehen tatsächlich wieder richtig weh, wenn ein Arm mit einer Nagelpistole traktiert oder mit einer Spritze auf ein Auge eingestochen wird.

Von Freddy Krueger („
Nightmare - Mörderische Träume") bis Jason Voorhees („Freitag der 13.") – die Ikonen des Horror-Kinos sind fast allesamt Monster und Killer. Aber es gibt eine Ausnahme: Ash aus Raimis „Tanz der Teufel"-Trilogie! Lange haben Fans deshalb einem vierten Teil entgegengefiebert, in dem Kultdarsteller Bruce Campbell wieder mit der Motorsäge (die seinen Arm ersetzt) hantiert und mit Ashs launigem „Groovy!" die Lacher des eingeweihten Publikums abstaubt. Aber Campbell wollte nicht mehr – auch als Produzent des Remakes ist er erst an Bord gekommen, nachdem klar war, dass Ash nicht wieder auftauchen wird (dazu ein Wink mit dem Zaunpfahl: Unbedingt bis nach dem Abspann sitzenbleiben!). Und nachdem wir das Remake gesehen haben, geben wir gern zu: Er hatte Recht! Es tut dem Franchise unheimlich gut, dass auf den über die Jahrzehnte immer dicker gewordenen Popkultur-Guss verzichtet wurde und man mit einem dreckig-brutalen Schocker von vorne beginnt (auch wenn sich Alvarez den vorwegnehmenden Schwenk zur Kettensäge und Referenzen an Raimis legendären Kamerafahrten aus der Dämonen-Egoperspektive nicht verkneifen kann). Die ironische Distanz folgt im Remake dann schon von ganz alleine, wenn die Gewaltausbrüche erst einmal ein gewisses absurdes Level erreichen: Wofür James Franco noch „127 Hours" brauchte, das schafft Elizabeth Blackmore mit dem elektrischen Brotmesser in Sekunden – und da nimmt der Blutschwall bald dermaßen groteske Züge an, dass das Publikum kaum noch anders kann, als befreiend zu lachen.

Fazit: Dieses Remake könnte in 30 Jahren einen ähnlichen Ruf als Kultklassiker genießen wie heutzutage bereits Sam Raimis Original – ein größeres Lob kann man Fede Alvarez‘ „Evil Dead" kaum aussprechen!

PS: Der Film wurde bereits für den US-Start minimal geschnitten, um ein R-Rating zu erhalten. Diese in den USA im Kino gezeigte Fassung läuft in Deutschland nun ohne weitere Schnitte – auch wenn wir uns nach der Pressevorführung in Anbetracht der ein oder anderen Szene (Nagelpistole, Motorsäge) schon gewundert haben, dass die FSK dafür tatsächlich eine auflagenfreie Freigabe ab 18 rausgerückt hat.
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Kommentare

  • David Kind
    ich lese hier keinerlei gründe, warum der film denn jetzt so stark sein soll. weil mit spritzen auf augen eingestochen wird? weil arme mit elektrischen brotmessern abgetrennt werden? und dabei mächtig blut spritzt? das der kritiker das lustig findet spricht für sich selbst. inhalt? schauspieler? bildsprache? nada. was hat eine horrorsatire wie "evil dead" mit reaktionären, zutiefst männlicher misogynie entspringenden filmen wie "i spit on your grave" zu tun? und worin sollte nochmal der mehrwert bestehen, diese in ihrer "doppelbödigen" botschaft hart und dreckig zu remaken? fagen über fragen und keine antworten weit und breit.
  • Jimmy V.
    Hm, ja, was ist mit den Schauspielern? Und ist's wirklich nur ein Remake, was genau dasselbe bietet? Ich fand ja, dass der erste "Evil Dead"-Film gerade durch sein absurdes Zeug (die irren Dämonen-Weiber) sogar richtig gruselig war. Tut's das hier auch?
  • Dennis Beck
    Yes, Baby! 4 Sterne für "Evil Dead". Ich freue mich riesig auf den Film!
  • Incentive
    Hab zwar Lust auf den Film, aber ich stimme im Hinblick auf die Qualität der Kritik zu.
  • Bob B.
    1) Zugegeben: Über die darstellerischen Leistungen lässt sich der Autor der Kritik kaum aus (vermutlich, weil diese im Rahmen der Handlung das Maximum an Performance herausholen: Jung sein, schreien, zittern, sterben). Über die Bildsprache fallen immerhin wenige Worte, aber richtig: Das ist kein Fellini-Film und auch Michael Ballhaus stand nicht hinter der Kamera. Splatterfilme sind selten kunstvoll arrangierte Meisterwerke, sondern bestenfalls effektiv und idealerweise angsteinflösend oder - ab einer gewissen Menge an Blut, Schweiß und Tränen - einfach nur lustig. 2) Was Evil Dead und "I spit..." miteinander zu tun haben? Beides Horrorfilm-Remakes, zeitlich sind die Originale ähnlich gelagert und jede Menge Blut fließt. Natürlich ist das ein oberflächlicher Vergleich...aber in der Kategorisierung sicherlich nicht ganz unpassend - zumindest für Genre-Fans. 3) Warum spricht es für sich, dass der Autor an einem Horrorfilm Spaß empfindet? Film ist Eskapismus, nicht real und sollte Unterhaltsam sein. Wir sehen auch Filme wie Saw oder Mama, die Angst machen - gerade um dieses "unterhaltsame" Gefühl hervorzuheben.
  • Venom
    Ich lese eigentlich keine Kritikpunkte, warum hat der Film dann nur 4 Sterne?
  • vanessa1vg
    @Venom 4 von 5 Punkten sind sehr gut.
  • Venom
    Schon klar. Aber wenn es keine Kritikpunkte gibt, warum bekommt der Film dann Abzüge? Wenn alles perfekt ist, was die Kritik suggeriert, dann müßte er auch 5 Sterne erhalten.
  • UGotCaged
    @Venom: Ich nehm an, der Film tut, was von ihm erwartet wird, geht aber nicht darüber hinaus. "Cabin in the Woods" fährt ja eine ähnliche Schiene, aber den hält Filmstarts für revolutionär, von daher mehr Sterne. Die Kritik klingt aber begeisterter, als die 4-Sterne suggerieren, da muss ich dir Recht geben..
  • sky_erosion
    Ich hab den Film gestern in der Sneak gesehen und stimme einer 4 Sterne Wertung bei. Nichtsdestotrotz ist die Kritik an der Kritik berechtigt. Denn wo ich die Abzüge sehe, ist da, wo die Kritik gar nicht erst hinkommt. Die Schauspieler sind bis auf einer sehr guten Darstellung von Jane Levy total austauschbar und ihre Charaktere werden dreimal gut (Mia, David, Eric), einmal durchschnittlich (Olivia) und einmal sehr schlecht (Natalie) von Alvarez durch die Szenerie geführt. Auch nicht erwähnt haben wir es mit einer oberste-A-Klasse-Inszenierung zu tun, was Kamera Schnitt und Ton betrifft, dieser Film setzt sich von allen Horrorfilmen in diesem Bereich nochmal ab. Leider ist die Musik wieder zu typisch geworden: treibend auf Schockeffekte vorbereiten ohne einen Höhepunkt zu finden.Ansonsten erklärt die Kritik sehr gut (weil auch mein Empfinden), wie durch die ironische Distanz der übertriebenen Bilder der Film trotz der Ernsthaftigkeit des Terrorhorrors einfach Spaß macht. Ich habe mich sehr unterhalten gefühlt. Alvarez fand eine sehr gute Mischung aus Hommage und Neuauflage.
  • PaddyBear
    Der Film sieht wirklich toll aus. Das hat mich schon sehr beeindruckt. Dreckig, düster und einfach herrlich grotesk. Fand den durchaus launig inszeniert. Immer mal wieder nette Anspielungen. Mir hat der Film durchaus gefallen. 3,5/5
  • ArnoNym
    Herr Petersen Sie wissen selbst dass Ihre Kritik unglaubwürdig und schlecht ist. Zitat: "Dieses Remake könnte in 30 Jahren einen ähnlichen Ruf als Kultklassiker genießen wie heutzutage bereits Sam Raimis Original – ein größeres Lob kann man Fede Alvarez‘ „Evil Dead" kaum aussprechen!" Bei allem Respekt, selten so einen Mist gelesen. Der Film war genauso mies wie die Texas Chainsaw Remakes. Tolle Bilder, Hochglanzoptik yes, aber Horror oder sowas suchte ich vergebens. Für mich ist der Film die absolute Enttäuschung.!!!!!!! Punkt! Die Promotion dahinter war schon sowas von affig, der schlimmste Film den Du jemals sehen wirst auf diesen ganzen Plakten und Trailer, gääääääähn sowas lockt doch niemand mehr hinter dem Ofen hervor. Damals in den 80igern hätte diese Promotion funktioniert aber wenn man heute die Zeitung aufschlägt sind die Schlagzeilen doch viel schlimmer. Insofern ist diese Art von Marketing völlig lächerlich da die Enttäuschung im Kinosaal umso grösser sein wird. Der Film kann nicht das halten was das Plakat verspricht und die Macher wissen das. Fehlender Horror wird versucht optisch und akkustisch durch Kamera, Ton und Schnitt auszumerzen. Dazu diese nervige Horrormusik...schnarch.....Die Hauptdarsteller sind langweilig 08/15 und jederzeit durch jeden austauschbar. Man kann sich mit keinem einzigen identifizieren. Bei alledem darf man nicht vergessen dass es sich um ein Remake handelt, viel zu viel wurde dreist abgekupfert. Ganz ehrlich ich hab selten so einen langweiligen "Horrorfilm" gesehen. Ich habe mich im Kino ständig dabei erwischt, wie ich eingenickt bin. Horror sieht anders aus. Dann schau ich mir lieber nochmal das Original an. Dieses Hochglanzremake lässt einen absolut kalt. Bitte das nächste Mal
  • Jacques S.
    Ich frage mich manchmal - wieviel Horror brauchen manche denn noch? ZB. Herr ArnoNym, stehen Sie möglicherweise auf diese Folterpornos, welche nach Saw eine gewisse Konjunktur hatten? Reichen zersägte und zerhackte Körperteile, durchstochende Augen oder genagelte Köpfe denn nicht aus? Im Gegensatz zum alten, trashig-frechen Evil Dead, verzichtet dieser neue grösstenteils auf Humor. Ich sehe ihn als gelungenen Horrorfilm, ganz und gar dem Genre entsprechend. 2-3 Momente zum Lächeln sind sogar geblieben. Wer bei so einem Film gähnt, weil ihm zu wenig Horror vorkommt, scheint mir doch einen sehr abgestumpften Geschmack zu haben. Hier kann ich nur sagen: vielleicht bieten einschlägige Untergrundproduktionen den nötigen Blut- und Brutallevel, welchen Sie benötigen, Herr ArnoNym. In diesem Sinne, viel Spass damit. Ich bleibe da lieber bei Evil Dead und gebe ebenfalls 3,5-4 Sterne für gelungenen, kurzweiligen Horror, mit einigen Splatterelementen und einem ganz kleinen Augenzwinkern hier und da. Eine würdige Hommage an den Kultklassiker ist es allemal.
  • Martin S.
    Den Kommentar verstehe wer will. Mir ist das auch zuviel Hochglanz, das Original ist dann doch um Klassen besser. Das liegt einerseits an der weitaus besseren Leistung der Schauspieler (ja, das mein ich ernst ;) ) als an den viel intensiveren Horrorszenen. Aus der Aumvergewaltigung wurde ein Aal, der reinschlüft. Der Stift im Fuß ist auchschwer zu toppen und der Ausdruck in den Augen der Freundin von Ash, wie dasitzt und kichert... das ist Horror. Nicht eine Ansammlung von Spatter. Das ist Lachem mit Popcorn und Bier. Aber kein Horror.
  • mmbtofu
    "Fazit: Dieses Remake könnte in 30 Jahren einen ähnlichen Ruf als Kultklassiker genießen wie heutzutage bereits Sam Raimis Original – ein größeres Lob kann man Fede Alvarez‘ „Evil Dead" kaum aussprechen!" hahahahahahahahahahahahahahahahahahaha hoch10Und morgen kommt der Osterhase ... Alles klar!Ich lese gerne die Kritiken hier auf Filmstarts. Nicht selten sind sie das entscheidende Argument für oder wider einen Kinobesuch bzw. DVD-Kauf.lol, nach so einer Fehleinschätzung - der Film ist ganz, ganz übel... und sicher kein Meisterwerk, über das man in 30 Jahren noch sprechen wird ...muhahahaha - muss ich mich wohl doch auf weitere zukünftige Fehlinvestitionen einstellen. PS: Ich kenne ArnoNuem nicht, aber das was er hier schreibt ist a) seine Meinung und diese durchaus begründet und b) völlig richtig!!! :-)
  • Thomas K.
    Der Film war eine reine Entäuschung. Die Szenen wurden nur an einander geklatscht und alles war lieblos dargestellt. Ich Liebe das Original und hatte mich echt auf diesen Film gefreut. Doch das , was hier gezeigt wurde war mal überhaupt nichts !! Schade.
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