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    Der dunkle Turm
    Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
    2,5
    durchschnittlich
    Der dunkle Turm
    Von Björn Becher
    2014 erklärte Stephen King in einem Interview mit dem Rolling Stone, dass sein großes Opus Magnum, die Roman-Reihe „Der dunkle Turm“, für ihn niemals fertig sein werde. Die damals schon acht Bände seien für ihn immer noch „erste Entwürfe“, die nie redigiert wurden. Die Bücher voller Selbstreferenzen und Anspielungen auf eigene Werke (der Autor kommt darin sogar selbst vor) sind ausufernd und King würde sie gerne selbst noch einmal komplett überarbeiten: „Das ganze Ding müsste neu geschrieben werden.“ Diese selbstempfundene Unfertigkeit und die daraus resultierende Offenheit dürften mit ein Grund dafür sein, dass man in Hollywood zehn Jahre lang vergeblich versuchte, die Reihe ins Kino zu bringen. Der dänische Regisseur Nikolaj Arcel („Die Königin und der Leibarzt“) hat es nun geschafft – und zwar indem er konsequent darauf verzichtet, Kings Vorlagen im klassischen Sinne zu adaptieren und die Bücher stattdessen nur als „Inspiration“ versteht. Sein „Der dunkle Turm“ bietet Fans der Reihe viele Anspielungen und Verweise auf ihnen bekannte Einzelszenen, ist aber in erster Linie ein kurzweiliges Blockbuster-Abenteuer auch für Nicht-Buchkenner, das nur kurze Schlaglichter in eine epische Fantasy-Welt wirft, die noch sehr viel faszinierender wäre, wenn die Filmemacher sie für den Zuschauer wirklich erlebbar machen würden. So steht trotz eines starken Hauptdarsteller-Trios am Ende nur ein durchschnittlicher Effektfilm.

    Der zwölfjährige Jake Chambers (Tom Taylor) wird immer wieder von Visionen und Träumen geplagt, in denen er einen in schwarz gekleideten Mann (Matthew McConaughey), einen dunklen Turm und den Revolvermann Roland (Idris Elba) sieht. Seine Umwelt hält Jake für verrückt. Als seine Mutter (Katheryn Winnick) ihn in eine Einrichtung einweisen will, erkennt Jake in den Mitarbeitern der Psychiatrie Helfer des Mannes in Schwarz. Er flieht und gelangt über ein Portal in eine andere, verödete Welt. Dort trifft er auf Roland und erfährt, dass der dunkle Turm im Zentrum aller Welten steht und diese zusammenhält. Mit der Kraft von Kindergedanken will der Mann in Schwarz den Turm zum Einsturz bringen, was dafür sorgen würde, dass das Böse über alle Welten hereinbricht. Der Revolvermann will seinerseits den mysteriösen „Magier“ töten und Jakes Visionen nutzen, um diesen zu finden. Doch sie ahnen nicht, dass der längst hinter ihnen her ist. Denn der Mann in Schwarz hat erkannt, dass Jakes Gedankenkraft so stark ist, dass er ganz allein den Turm zum Einsturz bringen könnte…


    Im Vorfeld herrschte immer wieder Verwirrung darüber, ob „Der dunkle Turm“ nun eine Adaption mehrerer Romane oder nicht doch eher eine Art Quasi-Fortsetzung werden wird. Am Ende ist es beides und nichts davon. Nikolaj Arcel und sein Co-Autor Anders Thomas Jensen vermischen – aufbauend auf einem ersten Skriptentwurf von Akiva Goldsman und Jeff Pinkner – Elemente aus allen Bänden der Reihe sowie sonstigen Werken von Stephen King zu einem gerade mal 95 Minuten langen, recht kurzweiligen Fantasy-Abenteuer. Dass dieses in ein eigentlich sehr viel größeres Universum eingebunden ist (es wird aktuell auch noch ein Prequel-TV-Serie entwickelt), merken nur Kenner. Der Film ist in sich komplett abgeschlossen und auch für den mit dem ganzen Überbau nicht vertrauten Zuschauer verständlich – eine Graffiti-Nennung des Stephen-King-Überbösewichts Crimson King oder der mögliche frühere Zustand des Ödlands, das Roland und Jake durchstreifen, deuten für den aufmerksamen Zuschauer mehr an, ohne dann weiter darauf einzugehen. Sie sind wie die Easter Eggs zu „Shining“, „Es“ oder dem zum „Dunklen Turm“-Universum gehörenden „Hearts in Atlantis“ bisher nicht mehr als nette Gimmicks im Hintergrund.

    Idris Elba („Luther“) mag optisch nicht dem Roland der Vorlage entsprechen, ist aber trotzdem eine erstklassige Wahl. Er lässt in jeder Minute die Besessenheit der gebrochenen Figur durchscheinen, gleichzeitig ist er aber auch ein verdammt stylischer Held, der im späteren Verlauf der Handlung zudem noch einige sehr erfrischende, auflockernde Momente beisteuert. Das wahre Highlight ist aber Matthew McConaughey. Seit Jahren werkelt man in Hollywood schon an einer Neuadaption von „Das letzte Gefecht“, Kings nach Meinung vieler Fans bestem Buch. Der „Interstellar“-Star soll dabei die Hauptrolle spielen – also jenen Mann in Schwarz, den er nun schon in „Der dunkle Turm“ verkörpert. Wir hoffen, dass es mit dem Projekt endlich weitergeht, denn der Oscarpreisträger (für „Dallas Buyers Club“) wäre die absolut perfekte Wahl. Mit geradezu diabolischer Freude stürzt er hier andere Menschen im wahrsten Sinne des Wortes im Vorbeigehen ins Verderben. Mit seiner Mimik und seiner in der Originalfassung einzigartig-unverkennbaren Stimme zelebriert er die Momente förmlich, in denen er zum Beispiel nur durch den Ausspruch des Wortes „Hass“ ein kleines Mädchen gegen ihre Mutter aufhetzt.

    Neben Elba, McConaughey und dem ebenfalls überzeugenden Jungdarsteller Tom Taylor bekommt der restliche Cast keinen Raum zur Entfaltung. Vor allem die Helfer des Mannes in Schwarz sind nur konturlose Abziehbilder und wandelnde Klischees. Viel schwerer wiegt aber, dass Regisseur Arcel kaum etwas aus den die Fantasy-Welt bevölkernden Kreaturen herausholt. Die Konfrontationen von Jake mit einem apokalyptischen Riesenvieh oder einem aus den Dielen eines alten Haus bestehenden Monsters sind nicht wirklich spannend – im Gegensatz zu den vielen Aufeinandertreffen von Roland und dem Mann in Schwarz. Anteil daran haben auch einige unterdurchschnittliche Effekte, die gerade in Teilen des Finalkampfes so störend ins Auge stechen, dass sie einen aus dem Geschehen reißen können. Das klappt an anderer Stelle deutlich besser: Rolands superschnellen Nachladevorgänge seiner zwei Excalibur-Revolver sehen nicht nur stark aus, Arcel und sein Team lassen sich auch immer wieder neue Varianten dafür einfallen, wie sich möglichst cool eine Handvoll Patronen in eine Trommel stecken lassen.

    Fazit: Vor allem, wenn Idris Elba Hot Dogs und Cola für sich entdeckt oder sich Matthew McConaughey in der diabolischen Niedertracht des Mannes in Schwarz suhlt, ist „Der dunkle Turm“ eine ziemlich spaßige Sache. Aber insgesamt kommt beim Zuschauer die pure Epik der dimensionsumspannenden Fantasy-Welt kaum an, stattdessen bleibt es bei mehr oder weniger für sich alleinstehenden Einzelszenen.
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