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    Außer Kontrolle
    Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
    2,0
    lau
    Außer Kontrolle
    Von Ulrich Behrens
    Die Grundhandlung des 1996 von Andrew Davis inszenierten Actionthrillers „Außer Kontrolle“ ist sattsam bekannt: Ein Mann, unschuldig verfolgt, auf der Flucht, will die wahren Verbrecher ermitteln. In „Auf der Flucht“ (1993) hatte Davis („Alarmstufe Rot“, 1992; „Collateral Damage“, 2002) etwas ähnliches selbst schon inszeniert, mit Harrison Ford als Dr. Richard Kimble. Nun zieht sich der junge Keanu Reeves diese Socken an und rennt. Als Student und Techniker ist er an der Universität Chicago an einem umweltfreundlichen Energieprojekt beteiligt – man frage mich bitte nicht nach den wissenschaftlichen Zusammenhängen dieses Projekts. Es geht um Wasser. Mehr blieb mir verborgen. Jedenfalls soll es möglich sein, durch ein neues Verfahren mit einem Glas Wasser eine Stadt wie Chicago eine Woche lang mit Energie zu versorgen. What the hell!

    Projektleiter ist Dr. Alistair Barkley (Nicholas Rudall), beteiligt sind noch Dr. Sinclair (Rachel Weisz), Lu Chen (Tzi Ma) und Lucasz Screbneski (Krzystof Pieczynski). Oberaufseher des Projekts ist Paul Shannon (Morgan Freeman), der u.a. auch gute Beziehungen zu Regierungskreisen pflegt. Man steht kurz vor dem erfolgreichen Abschluss des neuen Verfahrens und will die Forschungsergebnisse via Internet Wissenschaftlern in allen Ländern zur Verfügung stellen, als Unbekannte in die Forschungseinrichtung eindringen, Barkley ermorden und das Gebäude in die Luft jagen.

    Weil Eddie kurz vor der Explosion noch im Gebäude war und den toten Barkley entdeckt hat, gerät er unter Verdacht der Spionage. Auch Lily wird verdächtigt. Beide fliehen und werden von FBI-Agent Ford (Fred Ward) verfolgt, der jedoch schon bald den Verdacht hat, dass ganz andere Leute für die Explosion und den Mord an Barkley verantwortlich sind.

    Vor allem Shannon spielt eine zwielichtige Rolle. Er und ein anderes Mitglied der Foundation, Collier (Brian Cox), setzen alles daran, um Eddie in die Finger zu bekommen. Denn nur Eddie kennt die geheime Formel (oder Frequenz oder was auch immer), um das Experiment zu wiederholen und praxistauglich zu machen ...

    Wirrwarr. Auch wenn die erste halbe Stunde von „Chain Reaction“ noch einiges verspricht und selbst die Verfolgungsjagden hier und da ganz nett anzusehen sind, strotzt die Geschichte vom energiegeladenen Wasser doch vor unlogischen Schlüssen und dämlichen Verhaltensweisen insbesondere der Bösewichter. Wenn letztere wirklich – wie das Drehbuch verkündet – verhindern wollen, dass jemand über diese Möglichkeit, frei zugängliche, die Umwelt nicht beeinträchtigende Energie zu produzieren, erfährt, warum müssen sie dann gleich eine ganze Forschungseinrichtung in die Luft jagen, den Leiter des Projekts ermorden, einen anderen Wissenschaftler aber entführen, um das Projekt weiterzuführen? Warum lassen sie zu, dass Eddie, der als einziger die Erfolgsformel kennt, vom FBI gejagt wird? Warum weiß niemand bei der CIA, was die Foundation, eine Einrichtung der CIA, tut? Aber vor allem: Warum will eine Abteilung der CIA verhindern, dass eine solche billige und umweltschonende Energie von allen genutzt werden kann, zumal dann eines der größten Probleme auf der Welt gelöst wäre? Weil es – wie Shannon Eddie erklärt – zu Massenarbeitslosigkeit, Rezession und Aufruhr führen würde. Ein dämlicheres Argument habe ich in einem Film selten gehört.

    Nicht nur dieser Unsinn jedoch macht „Chain Reaction“ zu einem Film, der nur Kopfschütteln hervorrufen kann. Die letzten gut 70 Minuten des Films kreisen um die Flucht – und kreisen und kreisen und kreisen. Man telefoniert – Eddie mit Shannon – man flieht, es kracht, man flieht, man wird gefangengenommen, es kracht, man flieht wieder – und am Schluss kann man nur sagen: Hier stehe ich, ich armer Tor und bin so schlau als wie zuvor – oder so ähnlich. Schon bald ist klar, dass Shannon und Collier die Bösewichter sind, und die Spannung der ersten halben Stunde nähert sich rapide dem Nullpunkt.

    Morgan Freeman und Keanu Reeves spielen auf Sparflamme, Brian Cox spielt den sattsam bekannt, simplen Gauner zwischen Psychopathen und Größenwahnsinnigen, (bei Bond-Filmen viel überzeugender inszeniert) dazwischen darf Rachel Weisz auch mal was sagen, und das Fazit lautet daher: Bitte ein Glas Wasser.
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