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    Die Relativitätstheorie der Liebe
    Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
    1,5
    enttäuschend
    Die Relativitätstheorie der Liebe
    Von Tobias Mayer
    Ob sich Menschen ineinander verlieben, kann Zufall oder Schicksal sein. Zwei Voraussetzungen sind in jedem Fall zwingend: Das künftige Liebespaar muss am selben Ort weilen und zum selben Zeitpunkt aufeinander treffen. Soweit die Kurzfassung der in Otto Alexander Jahrreiss' gleichnamiger Komödie erörterten „Relativitätstheorie der Liebe". Die Liebe selbst – dieses überwältigende, aufputschende Gefühl – wird damit jedoch nicht mal im Entferntesten gestreift – für die „Relativitätstheorie der Liebe" ist das universelle Thema „Liebe" nicht mehr als ein Aufhänger. Greifbar wird sie hier nicht, dafür kommen die meisten der Figuren zu eindimensional und überzeichnet daher. Weil wirklich witzige Momente zudem rar gesät sind, erfährt die fehlende Emotionalität nicht mal durch brauchbare Lacher Kompensation.

    „Die Relativitätstheorie der Liebe" erzählt vier lose verknüpfte, im gegenwärtigen Berlin angesiedelte Geschichten, in denen Katja Riemann und Olli Dittrich jeweils die wichtigsten Rollen übernehmen: Da ist der Agenturchef Frieder, dem sein Job und seine esoterische Frau zunehmend auf die Nerven gehen. Ebenfalls von Eheproblemen geplagt wird der Fahrlehrer Paul Mattowiczki, der seine Gattin des Ehebruchs verdächtigt. Die Tochter der beiden, Alexa, ist Mitte 30 und wünscht sich sehnlichst ein Kind – leider fehlt der passende Mann. Mindestens genauso einsam ist die verklemmte Peggy Gablenz, Beamtin der Gesundheitsbehörde. Als sie jedoch das Restaurant eines sympathischen libanesischen Gastwirts inspiziert, trifft auch sie endlich ihren Erlöser...

    Darstellerische Klasse und Wandlungsfähigkeit von Katja Riemann und Olli Dittrich stehen außer Frage. Riemann macht neben ihrer Karriere als Kino- und TV-Schauspielerin immer wieder Abstecher ins Theater, Dittrich demonstrierte seine Vielseitigkeit z. B. in den improvisierten „Blind Date"-Fernsehfilmen. Gegen die vom Drehbuch auferlegten Limitierungen können allerdings beide nichts ausrichten, zumal hier kein Improvisationsspielraum ersichtlich wird. So bietet „Die Relativitätstheorie der Liebe" bestenfalls profillose Figuren, im schlechtesten Fall fleischgewordene Klischees. Wenn zum Schluss etwa Riemanns dauer-benebelte Esoterikerin während der Yoga-Stunde wortwörtlich ihres Platzes entschwebt, ist das einerseits lächerlich, andererseits aber auch das letzte Eingeständnis für die Künstlichkeit der Figur.

    Angesichts der lieblos entworfenen Rollen scheitern dann auch romantisch angedachte Szenen. Daran kann auch die Schmuse-Musik nichts ändern – ein Stilmittel, das direkt aus der Mottenkiste billiger Filmtricks stammt. Es scheint, als hätte das Konzept, zwei Darsteller sämtliche Protagonisten spielen zu lassen, maßgeblich zu deren Überspitzung herausgefordert. Schließlich musst ja kaschiert werden, dass ständig bloß Riemann und Dittrich zu sehen sind. Der künstlerische Mehrwert dieses Konzepts bleibt jedoch schleierhaft. Auf Seiten der Schauspieler mag hingegen die Chance einer Ego-Show gelockt haben: „Schaut her, wen ich alles kann!"

    Die Typisierung der Figuren verhindert empathische Teilhabe an ihren Schicksalen; das hätte den Film jedoch nicht automatisch ruinieren müssen. Dafür sorgt vielmehr das von Regisseur Otto Alexander Jahrreiss verfasste Skript, mit dem er weitestgehend auf Plattitüden setzt. Mangels zündender Ideen taugt der Film so nicht einmal als unterhaltsame Sketch-Show. Ebenso wenig funktioniert „Die Relativitätstheorie der Liebe" als Episodenfilm. Hierfür hätte es entweder einer stärkeren Verknüpfung bedurft, oder schlicht besserer Geschichten.

    Beides fehlt. Der mäandernde Plot fügt sich nie zu einem kohärenten Ganzen; nicht einmal die überraschungsarm daher plätschernden Einzelteile überzeugen. Am deutlichsten wird diese Schwäche in der Episode um die verschüchterte Gesundheitsinspekteurin und den freundlichen Restaurantbesitzer, während der Handlungsstrang mit dem eifersüchtigen Fahrlehrer immerhin noch am wendungsreichsten ist. „Die Relativitätstheorie der Liebe" versagt auf allen Ebenen, wird dem Genre-Anspruch der Romantik-Komödie nicht gerecht und vergeudet das Talent seiner omnipräsenten Hauptdarsteller.
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