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Piranha 2
Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
1,0
schlecht
Piranha 2
Von Robert Cherkowski
Das ulkige Splatter-Späßchen „Piranha 3D" war seinerzeit eine überraschend unterhaltsame Genre-Sause, die völlig zu Recht die Lacher auf ihrer Seite hatte und mit Selbstbewusstsein und Charme bestach. Natürlich war Alexandre Ajas Fisch-Horror genaugenommen ein ganz großer Quatsch, doch wusste der Regisseur zumindest darum, dass er keinen Film für die Ewigkeit, sondern für einen bierseligen Abend drehte. Also gingen alle Hemmungen über Bord, munter wurden Genres gekreuzt und mit reichlich nackter Haut sowie ein paar Gastauftritten von Pornostars gewürzt. Und am Ende veranstaltete Aja ein stimmig in Szene gesetztes Trashfest mit perfektem Timing, bei dem kein Auge trocken und kein Körperteil am Rumpf blieb. Auch wenn die Diskussion um die Sinnhaftigkeit des gewollten Trash schon damals geführt wurde, kam Aja mit seinem „Piranha"-Aufguss nochmal davon. Gleichzeitig war klar, dass sich dieser Mix aus harten Gore-Exzessen und „Eis-am-Stiel"-Klamauk wohl kaum ähnlich erfolgreich wiederholen lassen würde. Genau das versucht nun Aja-Ersatz John Gulager mit „Piranha 3DD" – ein Versuch, der gründlich nach hinten losgeht.

Ein Jahr ist vergangen seit ein aggressiver Schwarm gefräßiger mutierter Piranhas das Badeparadies Lake Victoria attackiert und ein Massaker angerichtet hat. Bloß, aus den Fehlern von damals scheint niemand gelernt zu haben. So kommt es, dass dort auch in diesem Jahr wieder eine feucht-fröhliche Spring Break-Studentensause begangen werden soll. Während der schüchterne Einheimische Barry (Matt Bush) um die Gunst der so attraktiven wie klugen Maddy (Danielle Panabaker) buhlt, strömen hunderte Feierwütige in den kleinen Badeort. Obwohl der Wissenschaftler Goodman (Christopher Lloyd) und der Ex-Cop Falcon (Ving Rhames) davor warnen, die Jugendlichen ins Wasser zu lassen, wiederholt sich die Tragödie. Zu allem Überfluss ist dann plötzlich auch noch David Hasselhoff vor Ort...

Alleine der linkisch augenzwinkernde Cameo-Auftritt des „Baywatch"-Veteranen macht klar, wie sehr Regisseur John Gulager seinen Fisch-Horror auf Trash trimmt. Das Phänomen ist nicht neu – seit „Grindhouse" ist kalkulierter Schund immerhin schwer angesagt; man denke nur an „Machete", „Hobo with a Shotgun" oder „Iron Sky". Stets wollen sich Filmemacher dabei als postmoderne Helden und Pioniere des „gewollt schlechten Geschmacks" ausgeben, während da oft nur ein vorhersehbarer und langweiliger Klamauk steigt. Vor ein paar Jahren waren die Kapriolen des Ex-Bademeisters und Hamburger-Fans Hasselhoff vielleicht noch besonders retro-hip: Gefallener Trash-Star macht sich lächerlich. Heute ist das einstige Spott-Objekt sich seines schrägen Kultstatus‘ bewusst und tritt höchstpersönlich an, das eigene schundige Denkmal gemeinsam mit seinen „Fans" zu zerstören. Als Parodie seiner selbst ist der Hoff mittlerweile eine Art internationaler Jürgen Drews: Die augenzwinkernde Faszination am Blöden ist dahin, sobald das Blöde blöd zurückzwinkert.

Ironie und Spott machen keinen Spaß mehr, wenn gar nichts ernst gemeint wird, und ein schlechter Witz wird auch dadurch nicht besser, dass man ihn bewusst schlecht erzählt. „Piranha 3DD" ist solch ein schlechter Witz, einer, der weniger durch seine Splatter-Exzesse oder seine doofe Story negativ auffällt, sondern vielmehr durch eine schockierende Ideenlosigkeit und das tumbe Schema-F-Prozedere. Wie nach dem Lehrbuch wird hier eine Albernheit auf die andere gehäuft, so dass sich doch bitte endlich Feierlaune verbreiten möge – „Piranha 3DD" ist das filmische Äquivalent zu einer Motto-Trash-Party, bei der die Musik auf Zimmerlautstärke dudelt und das Bier warm geworden ist. Splatter, Humor und Spannung funktionierten beim gestandenen Genre-Handwerker Aja noch dort, wo sie funktionieren sollten – in seinem „Piranha 3D" ragten kleine Spielereien wie das nackige Unterwasserballett oder das völlig chaotische Finale hervor, die Fortsetzung wird dagegen von einer immer gleichen bemüht-verkniffen angerührten Trash-Klebemasse überzogen.

Die Fortsetzung dagegen franst gleich zu Beginn so heillos aus, dass man nicht einmal einen echten Protagonisten ausmachen kann. Soll es Barry sein? Dass das so rein gar nicht hinhaut, liegt nicht nur an Matt Bush („Adventureland"), sondern ebenso am schwachen Drehbuch und einer planlosen Schauspielerführung. Das gilt auch für Danielle Panabakers („Freitag der 13.", „The Crazies") unglaubwürdige Meeresbiologie-Studentin Maddy. Neben Gary Busey („Lethal Weapon"), der in einem öden Prolog verheizt wird, weiß Gulager auch mit Ving „Marcellus Wallace" Rhames oder Christopher „Doc Brown" Lloyd, die im ersten Teil noch wunderbar schrille Auftritte spendiert bekamen, wenig bis gar nichts anzufangen. Besonders Rhames, der – „Planet Terror" lässt grüßen – auf Metallbeinen mit eingebauten Schrotflinten umher stolziert, hat hier nichts zu gewinnen. Er hat schließlich schon für Quentin Tarantino gespielt, den Großmeister des Meta-Trash, der hier in weiter Ferne scheint.

Fazit: „Piranha 3DD" soll so schlecht und prollig sein, dass er – wie man so sagt – schon wieder gut ist. Nicht einmal das gelingt. John Gulagers Sequel ist eine wahre Kino-Bauchlandung.
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