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    Gangster Squad
    Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
    4,0
    stark
    Gangster Squad
    Von Christoph Petersen
    Als im Mai 2012 der erste Trailer für Ruben Fleischers Noir-Actioner „Gangster Squad" erschien, stach vor allem eine Szene heraus, in der Mafia-Schergen im legendären Grauman's Chinese Theater am Hollywood Boulevard mit ihren Thompson-Maschinenpistolen durch die Leinwand auf ein Kinopublikum ballern. Doch dann folgte der Aurora-Amoklauf während einer Vorstellung von „The Dark Knight Rises" und die Szene aus „Gangster Squad" war plötzlich nicht mehr ikonisch, sondern unangebracht. Für mehrere Millionen Dollar wurde die Sequenz noch einmal neugedreht (der jetzt in Chinatown angesiedelte Hinterhalt ist keinen Deut weniger gelungen!) und der Kinostart um ein Dritteljahr von September auf Januar verschoben. Damit rutschte „Gangster Squad" auch aus der heißen Oscar-Phase – und das ist gar nicht schlecht. Denn in Anbetracht der auf wahren Begebenheiten beruhenden historischen Geschichte und der mit dem zweifachen Oscar-Sieger Sean Penn gekrönten Besetzung wäre das Publikum ansonsten womöglich mit den vollkommen falschen Erwartungen in den Film hineingegangen - statt erhabener Oscar-Kost bietet „Gangster Squad" nämlich vor allem eines: jede Menge Spaß!

    Los Angeles, 1949: Der elegante Schein trügt! Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs droht das organisierte Verbrechen die Hoheit über die Stadt der Engel zu übernehmen. Der aus New York stammende Gangsterboss und Ex-Boxer Mickey Cohen (Sean Penn) kann einfach nicht genug bekommen: Seine illegalen Einkünfte aus Drogengeschäften, Waffendeals und Prostitution reichen ihm nicht mehr, nun will er auch noch ein die gesamte Westküste umspannendes Wettimperium errichten. Mit den Extra-Millionen wäre der sadistische Mafiaboss endgültig unantastbar, schließlich tanzen die meisten Politiker und Polizisten schon jetzt nach seiner Pfeife. Um das zu verhindern, ruft der Korruption verabscheuende Polizeichef Parker (Nick Nolte) eine inoffizielle Spezialeinheit unter der Führung des unerschrockenen Weltkriegs-Veteranen Sergeant John O'Mara (Josh Brolin) ins Leben, die nur eine einzige Aufgabe hat: Mickey Cohen mit seinen eigenen Waffen zu zerstören. Unter dem Motto „Keine Marken! Keine Namen! Kein Erbarmen!" beginnt O'Mara mit der Suche nach passenden Kandidaten für sein Gangster Squad...



    Wer sich in Erwartung eines erlesenen Krimi-Dramas in den Kinosaal verirrt hat, wird gleich in der Auftaktsequenz eines Besseren belehrt: Zu Füßen des ikonischen Hollywood-Signs lässt Mickey Cohen einen an die Stoßstangen zweier Autos geketteten Konkurrenten in der Mitte auseinanderreißen, dass die CGI-Gedärme nur so spritzen! Kurz darauf rettet John O'Mara als Ein-Mann-Armee eine junge Frau aus einem von Cohens Hurenhäusern, wobei einem der Gangster vom Fahrstuhl ein Arm abgerissen wird. Regisseur Ruben Fleischer hat mit seiner grandiosen Horror-Komödie „Zombieland" einen der stilwütigsten und unterhaltsamsten Genrefilme der vergangenen Jahre vorgelegt - und die extrem tempoorientierte Erzählweise seines Debüts überträgt er in „Gangster Squad" nun auch in das Los Angeles der späten 1940er Jahre. Und was soll man sagen: Der mutige Mix aus schillernd-verruchter Art-déco-Eleganz und Fleischers stilbewusst-moderner Inszenierung passt perfekt!

    Das Drehbuch zu „Gangster Squad" basiert auf Paul Liebermans gleichnamigem Sachbuch. Aber wer das nicht weiß, der würde auch sofort glauben, dass der Plot aus einer Graphic Novel von Mark Millar („Kick-Ass") oder aus einem der in den 40ern in den USA extrem populären Pulp-Magazine stammt. Und die Darsteller haben offensichtlich großen Spaß daran, ihrem Regisseur bei dieser Stilisierung zu folgen: Josh Brolin („No Country For Old Men") spielt den aufrechten O‘Mara mit stoischer Effizienz – nichts und niemand (nicht einmal seine schwangere Frau) kann diesen Badass-Cop von seiner Mission abbringen! Der von Ryan Gosling („Drive") verkörperte Jerry Wooters ist hingegen nicht von Natur aus ein Held, anfangs lehnt er es sogar ab, dem Gangster Squad beizutreten. Erst als die Fehde zwischen ihm und Cohen persönlich wird, ändert er seine Meinung. Gosling verleiht dem dandyhaften Lebemann eine engelsgleiche Unschuld, die er selbst dann nicht ablegt, wenn er Gangster umnietet oder Barbekanntschaften abschleppt: Sein „No, ma'am. I was just hoping to take you to bed" ist einer der bestvorgetragenen Anmachsprüche überhaupt!

    Auch die übrigen Mitglieder des Gangster Squad sind mit Giovanni Ribisi („Avatar") als Technik-Experte, Anthony Mackie („Abraham Lincoln Vampirjäger") als Messerwerfer, Robert Patrick („Terminator 2") als Revolverheld und Michael Pena („End of Watch") als Rookie stark besetzt. Aber am Ende hätte jeder von ihnen wohl doch noch zwei, drei Szenen mehr gebraucht, um wirklich einen bleibenden Eindruck zu hinterlassen. Darüber muss sich Sean Penn (Oscars für „Mystic River" und „Milk") wiederum überhaupt keine Sorgen machen. Als sich selbst mit Gott gleichsetzender Gangsterboss lässt er alle schauspielerischen Dämme brechen und gibt wirklich alles. Einen anderen Film hätte eine solche schauspielerische Tour-de-Force auch in die Knie zwingen können. Aber in Ruben Fleischers auf möglichst ikonische Bilder setzende Inszenierung passt Penns Over-the-Top-Performance perfekt hinein. Und Emma Stone („The Amazing Spider-Man") liefert dazu als Cohens Freundin und Wooters Geliebte eine gelungene Variation der klassischen Femme Fatale: Denn statt ihn in den Abgrund zu stürzen, verschafft Grace ihrem Geliebten am Ende des Gewaltstrudels sogar fast so etwas wie Erlösung.

    Fazit: „Gangster Squad" ist weniger ernsthafter Krimi-Noir im Stile von „L.A. Confidential" als comichafte Gewaltfabel à la „Django Unchained" - und als solche macht der großartig besetze Crime-Reißer einfach saumäßig Spaß!
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