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Gangster Squad
Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
4,0
stark
Gangster Squad
Von
Als im Mai 2012 der erste Trailer für Ruben Fleischers Noir-Actioner „Gangster Squad" erschien, stach vor allem eine Szene heraus, in der Mafia-Schergen im legendären Grauman's Chinese Theater am Hollywood Boulevard mit ihren Thompson-Maschinenpistolen durch die Leinwand auf ein Kinopublikum ballern. Doch dann folgte der Aurora-Amoklauf während einer Vorstellung von „The Dark Knight Rises" und die Szene aus „Gangster Squad" war plötzlich nicht mehr ikonisch, sondern unangebracht. Für mehrere Millionen Dollar wurde die Sequenz noch einmal neugedreht (der jetzt in Chinatown angesiedelte Hinterhalt ist keinen Deut weniger gelungen!) und der Kinostart um ein Dritteljahr von September auf Januar verschoben. Damit rutschte „Gangster Squad" auch aus der heißen Oscar-Phase – und das ist gar nicht schlecht. Denn in Anbetracht der auf wahren Begebenheiten beruhenden historischen Geschichte und der mit dem zweifachen Oscar-Sieger Sean Penn gekrönten Besetzung wäre das Publikum ansonsten womöglich mit den vollkommen falschen Erwartungen in den Film hineingegangen - statt erhabener Oscar-Kost bietet „Gangster Squad" nämlich vor allem eines: jede Menge Spaß!

Los Angeles, 1949: Der elegante Schein trügt! Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs droht das organisierte Verbrechen die Hoheit über die Stadt der Engel zu übernehmen. Der aus New York stammende Gangsterboss und Ex-Boxer Mickey Cohen (Sean Penn) kann einfach nicht genug bekommen: Seine illegalen Einkünfte aus Drogengeschäften, Waffendeals und Prostitution reichen ihm nicht mehr, nun will er auch noch ein die gesamte Westküste umspannendes Wettimperium errichten. Mit den Extra-Millionen wäre der sadistische Mafiaboss endgültig unantastbar, schließlich tanzen die meisten Politiker und Polizisten schon jetzt nach seiner Pfeife. Um das zu verhindern, ruft der Korruption verabscheuende Polizeichef Parker (Nick Nolte) eine inoffizielle Spezialeinheit unter der Führung des unerschrockenen Weltkriegs-Veteranen Sergeant John O'Mara (Josh Brolin) ins Leben, die nur eine einzige Aufgabe hat: Mickey Cohen mit seinen eigenen Waffen zu zerstören. Unter dem Motto „Keine Marken! Keine Namen! Kein Erbarmen!" beginnt O'Mara mit der Suche nach passenden Kandidaten für sein Gangster Squad...



Wer sich in Erwartung eines erlesenen Krimi-Dramas in den Kinosaal verirrt hat, wird gleich in der Auftaktsequenz eines Besseren belehrt: Zu Füßen des ikonischen Hollywood-Signs lässt Mickey Cohen einen an die Stoßstangen zweier Autos geketteten Konkurrenten in der Mitte auseinanderreißen, dass die CGI-Gedärme nur so spritzen! Kurz darauf rettet John O'Mara als Ein-Mann-Armee eine junge Frau aus einem von Cohens Hurenhäusern, wobei einem der Gangster vom Fahrstuhl ein Arm abgerissen wird. Regisseur Ruben Fleischer hat mit seiner grandiosen Horror-Komödie „Zombieland" einen der stilwütigsten und unterhaltsamsten Genrefilme der vergangenen Jahre vorgelegt - und die extrem tempoorientierte Erzählweise seines Debüts überträgt er in „Gangster Squad" nun auch in das Los Angeles der späten 1940er Jahre. Und was soll man sagen: Der mutige Mix aus schillernd-verruchter Art-déco-Eleganz und Fleischers stilbewusst-moderner Inszenierung passt perfekt!

Das Drehbuch zu „Gangster Squad" basiert auf Paul Liebermans gleichnamigem Sachbuch. Aber wer das nicht weiß, der würde auch sofort glauben, dass der Plot aus einer Graphic Novel von Mark Millar („Kick-Ass") oder aus einem der in den 40ern in den USA extrem populären Pulp-Magazine stammt. Und die Darsteller haben offensichtlich großen Spaß daran, ihrem Regisseur bei dieser Stilisierung zu folgen: Josh Brolin („No Country For Old Men") spielt den aufrechten O‘Mara mit stoischer Effizienz – nichts und niemand (nicht einmal seine schwangere Frau) kann diesen Badass-Cop von seiner Mission abbringen! Der von Ryan Gosling („Drive") verkörperte Jerry Wooters ist hingegen nicht von Natur aus ein Held, anfangs lehnt er es sogar ab, dem Gangster Squad beizutreten. Erst als die Fehde zwischen ihm und Cohen persönlich wird, ändert er seine Meinung. Gosling verleiht dem dandyhaften Lebemann eine engelsgleiche Unschuld, die er selbst dann nicht ablegt, wenn er Gangster umnietet oder Barbekanntschaften abschleppt: Sein „No, ma'am. I was just hoping to take you to bed" ist einer der bestvorgetragenen Anmachsprüche überhaupt!

Auch die übrigen Mitglieder des Gangster Squad sind mit Giovanni Ribisi („Avatar") als Technik-Experte, Anthony Mackie („Abraham Lincoln Vampirjäger") als Messerwerfer, Robert Patrick („Terminator 2") als Revolverheld und Michael Pena („End of Watch") als Rookie stark besetzt. Aber am Ende hätte jeder von ihnen wohl doch noch zwei, drei Szenen mehr gebraucht, um wirklich einen bleibenden Eindruck zu hinterlassen. Darüber muss sich Sean Penn (Oscars für „Mystic River" und „Milk") wiederum überhaupt keine Sorgen machen. Als sich selbst mit Gott gleichsetzender Gangsterboss lässt er alle schauspielerischen Dämme brechen und gibt wirklich alles. Einen anderen Film hätte eine solche schauspielerische Tour-de-Force auch in die Knie zwingen können. Aber in Ruben Fleischers auf möglichst ikonische Bilder setzende Inszenierung passt Penns Over-the-Top-Performance perfekt hinein. Und Emma Stone („The Amazing Spider-Man") liefert dazu als Cohens Freundin und Wooters Geliebte eine gelungene Variation der klassischen Femme Fatale: Denn statt ihn in den Abgrund zu stürzen, verschafft Grace ihrem Geliebten am Ende des Gewaltstrudels sogar fast so etwas wie Erlösung.

Fazit: „Gangster Squad" ist weniger ernsthafter Krimi-Noir im Stile von „L.A. Confidential" als comichafte Gewaltfabel à la „Django Unchained" - und als solche macht der großartig besetze Crime-Reißer einfach saumäßig Spaß!
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Kommentare

  • Filmapostel
    Ein wenig enttäuscht bin ich (vorallem wegen der restlichen Pressewertungen) schon :(Werde mir trotzdem definitiv selbst ein Bild machen!
  • Merdan C.
    Coole Kritik ! Scheint ganz nach meinem Geschmack zu sein. Da haben die U.S. Kollegen woll was zu Ernsthaftes oder Anspruchsvolleres erwartet, da fiel die Kritik in eine ganz verkehrte Richtung. Das sah man schon an den Bildern, das der bißchen " Over the Top " ist.
  • Marsellus Wallace
    Das klingt ja mal richtig klasse. Wird definitiv im Kino geschaut der Streifen :)
  • mercedesjan
    Bin positiv überrascht von der Kritik, gerade nach dem Pressespiegel...Werd ihn auf jeden Fall im Kino anschauen ;)
  • Luphi
    Ich habe nie einen Noir-Thriller a la L.A. Confidential erwartet, sondern relativ anspruchsloses Popcorn-Kino mit tollen Darstellern, guter Action in einem großartigen Setting. Genau das suggeriert der Trailer auch, deswegen verstehe ich auch die ganzen negativen Kritiken aus Amerika nicht.
  • Da HouseCat
    wieso soll die kino szene so unangebracht sein? nur weil da einer amok läuft, muss man jetzt betroffenheit heucheln? und in ein paar jahren wird sowas dann gedreht und ist dann ikonisch oder davor?
  • Merdan C.
    Herr Petersen Christoph , können Sie nicht auch die Kritikarbeit von Herrn Becher übernehmen. Schließlich zeigen Sie ja wie es richtig gemacht wird . M.F.G. M.C. !
  • niman7
    Ziemlich kurz die Kritik oder? Aber hört sich auf jeden Fall richtig gut an. Ich kann es erwarten Penn zusehen.
  • Christoph Petersen
    @Merdan C.: Vielen Dank für das Lob! Wie du sicher weißt, hatte ich "Jack & Jill" im meiner Jahres-Top-Ten, fand den also noch besser als Björn. Finde ich gut, dass du scheinbar ein ähnlich großer Adam-Sandler-Fan bist wie ich!!!
  • sushihc
    Also ich muss mich hier echt Fragen was der Kritiker hier gesehen hat, als er in dem Film war. 4 Sterne? 2,5 wären gerecht. Die Story wäre gut, ist aber vollkommen inkonsequent und vorhersehbar. Es fehlt komplett die Charakterzeichnung der Protagonisten, damit irgendeine Art von Empathie aufkommt. Kein einziger Charakter spielt in seiner gewohnten Brillianz, weil die Charaktere einfach null ausgearbeitet werden. Ergo fühlt man den ganzen Film über rein gar nichts, für keinen Charakter. Auch die ganzen derben Logikfehler sind richtig schlecht und störend. Die Actionszenen sind nett, der Gewaltgrad angenehm, aber das wars dann auch schon. Spannung? Gibts nicht. Dramatik?gibts nicht. Charisma? gibts nicht. Hier fehlt es an allen Ecken und Enden an existentiell wichtigen Dingen die so einen Film ala Untouchables ausmachen. Auch die Chinatown Szene ist ein super Beispiel für die Inkonsequenz.... die ist bis zum Ende wirklich gut, bis zum Ergebnis.... würd da gern mehr ins Detail gehen, aber ich steh nicht auf Spoilern... aber ich dachte hier schon fast an Superman :-) Und da gibts noch zig Beispiele für.... 4 Sterne sind absolut mega übertrieben und lassen nicht viel cineastischen Anspruch erkennen. 2,5 wären absolut gerecht für den mittelmässigen Film der Gangster Squad am Ende ist.
  • sushihc
    @Luphi: Ich hab auch kein Film Noir erwartet ;-) Aber ändert nichts daran, das er einfach nicht gut ist ;-) die Darsteller kommen rein gar nicht zur Geltung.... und es wirkt einfach absolut nichts auf einen....
  • schneef Lich
    Ich kann der Kritik nur beipflichten! habe ihn gestern im Kino gesehen .. ich hatte unheimlich viel Spaß und kann die schlechten Kritiken über ihn nicht verstehen. Schon gar nicht was "Zeit Online" schrieb aber - pff, das ist eh in den meisten Fällen schlecht.Also ich bin begeistert! man darf ihn einfach nicht so ernst nehmen.
  • Matthias Z.
    War vom Film schwerst enttäuscht! 0 Story, 0815 Action, und Sean Penn bleibt als Don sowas von blass... mies!
  • sprees
    Habe den Film nun auch gesehen.Für mich ein Film den man schnell wieder vergisst.Finde er hat mich gut unterhalten und es waren auch keine großen Längen vorhanden.Finde auch, dass es gut war das man dem Ganzen einen Comichaftigen Touch verpasst hat wie bei Sin City.So war Josh Brolins Charakter für mich so eine Art Clive Owens aus Sin City und verkörperte für mich diese Interpretation des Bullen super. Auch Ryan Gosling war toll, aber Sean Penn war für mich irgendwie enttäuschend.Vorallem optisch.Sah der schon immer so aufgedunzen und irgendwie operiert aus???Sein eines Augenlid ist mir bei seinen Gesichtsbewegungen als stehender Fels in der Brandung hängengeblieben.Außerdem fand ich sein Spiel an seinen Fähigkeiten gemessen sehr unausbalanciert.Das war für mich glaube ich das Hauptproblem.Alles so dünne Charaktäre ohne große Info über die Person und auch Emma Stone fande ich als Love Intresting sowas von hergeschenkt für ihre schauspilerischen Fähigkeiten.Hätte dem Film 3-3,5 Sterne gegeben.Doch auch aus dem Grund weil meine Erwartungen sehr hoch waren
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