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    Glücksformeln
    Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
    3,0
    solide
    Glücksformeln
    Von Christoph Petersen
    Der Titel erinnert zwar an einen spirituellen Lebensratgeber vom Grabbeltisch, dennoch ist Larissa Trüby mit „Glücksformeln" eine Dokumentation gelungen, die das Hinwegsehen über die umständliche Betitelung unbedingt rechtfertigt. Die für das Genre übliche Buddhismus-Beweihräucherung sucht man hier vergebens, Mönche traben allenfalls mal im Hintergrund durchs Bild. Stattdessen stellt die Regisseurin und frühere Assistentin von Tom Tykwer („Das Parfum", „The International") ausgehend von der jährlich tagenden Happiness-Konferenz, auf der sich von Psychologen über Soziologen bis hin zu Neurologen jede Menge namhafte Wissenschaftler tummeln, allerlei denkbare Glücksstrategien gegenüber. Dabei hat Trüby ihre Protagonisten keinesfalls handverlesen, um einen sowieso von vorneherein feststehenden Punkt deutlich zu machen, sondern präsentiert auch Lebensentwürfe, die sie selbst gar nicht unbedingt als positiv einschätzt. Das Ergebnis ist ein ebenso breitgefächertes wie aufregendes Kaleidoskop möglicher Glückskonzepte, aus dem jeder seine eigenen Anregungen und Schlüsse ziehen kann, ohne dass ihm alles schon von den Filmemachern vorgekaut wird.

    „Wie soll man als Erwachsener glücklich sein können, wenn man andauernd Steuern überweisen muss", fragt sich der elfjährige Luis aus München. Der niederländische Witwer Leo, der gerade seinen 90. Geburtstag feiert, war mit seiner Arbeit als Elektriker nie glücklich, zufrieden ist er erst, seitdem er vor 32 Jahren seinen Vorruhestand angetreten hat. Philipp ist Mitte 30, Single und lebt in Berlin. Der Kulturwissenschaftler hat in der Musik seine Berufung gefunden, ist sich aber im Klaren darüber, dass er sich umorientieren muss, wenn er nicht bald eine Möglichkeit findet, mit seiner Leidenschaft auch Geld zu verdienen. Der Heidelberger Ernst Fritz-Schubert, seit 34 Jahren im Schulddienst tätig, lehrt seit 2007 das Fach „Glück", dessen Unterrichtsstoff er gemeinsam mit Sportwissenschaftlern entwickelt hat. Janina ist eine seiner ehemaligen Schülerinnen und hat inzwischen für sich erkannt, dass es vor allem das Laufen ist, das ihr Freude bereitet...

    Es gibt nur wenige gesicherte Erkenntnisse, auf die sich die Glücksforscher aus den verschiedenen Fachgebieten einigen können. Zum Beispiel versprechen persönliche Beziehungen länger anhaltendes Glück als etwa eine Gehaltserhöhung, auch wenn Untersuchungen belegen, dass finanzieller Wohlstand es durchaus leichter macht, zufrieden zu sein. Deshalb ist Larissa Trübys Ansatz, die verschiedensten Glücksentwürfe unkommentiert nebeneinanderzustellen, ohne zu einem abschließenden Ergebnis zu kommen, auch der einzig glaubhafte. Sowieso wirkt ihr Film ehrlicher als die meisten Dokumentationen, weil auch Fakten, die nicht so recht ins Konzept passen, nie ausgespart werden. Da ist zum Beispiel das Bergbauern-Paar Margarete und Martin, das nun schon seit 45 Jahren zusammen ist und beim Wandern immer noch verliebt wie am ersten Tag wirkt. Doch gerade hat der Zuschauer die beiden als persönliche Vorbilder akzeptiert, kommt heraus, dass Martin einst fremdgegangen ist, als verschiedene Ansichten zur Kindererziehung zu Spaltungen innerhalb der Familie geführt hatten.

    Fazit: „Glücksformeln" ist keine platte Bebilderung der üblichen Kalendersprüche, sondern ein spannender Versuch, einen kleinen Einblick in die Vielartigkeit des Glücks zu gewähren. Leider findet die Regisseurin dabei nur wenige die Leinwand tatsächlich ausfüllende Kinobilder.
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