Kiss the Coach
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Kritik der FILMSTARTS.de-Redaktion Kiss the Coach

2,0


Von Andreas Staben

In einer ganzen Reihe von Hollywood-Komödien der 30er und 40er Jahre, darunter Klassiker wie „Die schreckliche Wahrheit", „Sein Mädchen für besondere Fälle" oder „Die Nacht vor der Hochzeit", wird von der Wiedervereinigung geschiedener oder zumindest getrennter Liebespaare erzählt. Der Philosoph und Filmtheoretiker Stanley Cavell nahm diese Gemeinsamkeit sogar zum Anlass, ein eigenes (Sub-)Genre zu definieren: die Comedy of Remarriage. Nun hat der italienische Regisseur Gabriele Muccino mit seinem dritten englischsprachigen Film „Kiss the Coach" so etwas wie eine modernisierte Neuauflage einer solchen „Wiederverheiratungs-Komödie" gedreht. Von dem Charme und der Leichtigkeit der erwähnten Klassiker ist das Gerard-Butler-Vehikel allerdings weit entfernt: Muccino trifft beim Versuch, Heiteres und Ernstes, Satirisches und Dramatisches in eine Balance zu bringen, nur selten den richtigen Ton – einzig einige Nebendarsteller sorgen für Schwung und Esprit.

In Europa war George Dryer (Gerard Butler) ein Superstar, aber in den USA interessiert sein Sport fast nur Spezialisten. Das muss der ehemalige Profifußballer mit Champions-League-Erfahrung feststellen, als er in das Örtchen McLean in Virginia zieht, um möglichst nahe bei seinem neunjährigen Sohn Lewis (Noah Lomax) sein zu können – und bei seiner Ex-Frau Stacie (Jessica Biel), die er noch immer liebt. Die berufliche und finanzielle Zukunft sieht düster aus, aber immerhin bekommt George die Gelegenheit, die Jugendfußballmannschaft zu trainieren, bei der auch Lewis mitspielt. Dabei sorgt der Neuankömmling vor allem bei der Damenwelt der Kleinstadt für Aufsehen. Die geschiedene Barb (Judy Greer), die unausgelastete Hausfrau Denise (Catherine Zeta-Jones) und Patti (Uma Thurman), die Ehefrau des Teamsponsors Carl King (Dennis Quaid), umschwärmen George. Der kann sich der Avancen kaum erwehren, will aber eigentlich nur Stacie zurückerobern, die allerdings vorhat, Matt (James Tupper) zu heiraten. Als George ein Moderatorenjob beim TV-Sportsender ESPN im fernen Connecticut angeboten wird, steht er vor einer schweren Entscheidung...

„Kiss the Coach" mag vom Figurenarsenal und von der Erzählstruktur (einschließlich aller vorhersehbarer Wendungen) her eine typische romantische Komödie sein, aber statt eines leicht-lockeren Hindernislaufs zum Happyend muss der Held trotz des Flirt-Geplänkels am Wegesrand eine überwiegend todernste Wandlung zum besseren Vater durchlaufen. Gerade im letzten Drittel bewegt sich Muccino oft sehr nah an der bedeutungsschweren Rührseligkeit seiner Will-Smith-Dramen („Das Streben nach Glück", „Sieben Leben") und wenn sich angesichts der drohenden Trennung von Vater und Sohn sogar der Himmel verdunkelt, dann wirkt es fast, als wollte der Regisseur mit den düster-depressiven Entfremdungsstudien europäischer Altmeister wie Michelangelo Antonioni („Die Nacht") oder Ingmar Bergman („Persona") wetteifern. Der junge Noah Lomax („Safe Haven") wirkt in diesen ernsten Szenen mit seiner konzentrierten Art noch am überzeugendsten, während die Erwachsenen sichtbar mit den emotional überfrachteten Dialogen zu kämpfen haben. Muccino scheint hier austesten zu wollen, ob Jessica Biels („Hitchcock", „Total Recall") Gesicht auch in traurig-tränenreicher Verzerrung noch hübsch anzusehen ist.

Die dick aufgetragenen Beschwörungen des Familienideals von (biologischem) Vater, Mutter und Kind sind in ihrer Einseitigkeit wenig überzeugend. So wie die Geschichte angelegt ist, muss die Figur des Matt zwangsläufig farblos bleiben. Aber auch zwischen dem liebenden Ex-Ehepaar sprühen hier keine romantischen Funken – vom gleichberechtigen Austausch von Bosheiten und Bonmots, wie ihn Katharine Hepburn und Spencer Tracy in der Geschlechterkampf-Komödie „Ehekrieg" bereit vor über 60 Jahren praktiziert haben, ganz zu schweigen. Dabei hat auch „Kiss the Coach" unübersehbar einen satirischen Einschlag: Wenn der gutaussehende Ex-Athlet die Fußball-Mütter des verschlafenen Städtchens in Wallung bringt, dann hat das die augenzwinkernde Leichtigkeit, die dem Film sonst oft fehlt. Vor allem Judy Greer („The Descendents") als von Unsicherheit geplagte Barb bringt Pepp in die Angelegenheit, wenn sie verzweifelt die Flucht nach vorne antritt und George im wahrsten Sinne des Wortes nachstellt. Der weiß gar nicht, wie ihm geschieht - und wenn dann auch noch Catherine Zeta-Jones („Chicago") und Uma Thurman („Pulp Fiction") in seinem Bett landen, gibt es ferne Echos von Warren Beattys 70er-Jahre-Erotik-Farce „Shampoo". Ein launiger Auftritt von Dennis Quaid („The Day After Tomorrow") als mit Geldscheinen wedelnder Kleinstadt-Zampano und gehörnter Ehemann unterstreicht, dass die Attraktionen dieses Films außerhalb der Haupthandlung liegen.

Fazit: Unentschieden zwischen Komödie und Drama pendelnde Wiederverheiratungs-Romanze, bei der lediglich die Stars in den Nebenrollen die Lacher abstauben.

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