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    Wir sind die Millers
    Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
    3,0
    solide
    Wir sind die Millers
    Von Christoph Petersen

    Als Demi Moore 1996 in dem Thriller-Drama „Striptease“ die Hüllen fallenließ, freute sich darüber weniger das Publikum (der Film ist richtig schlecht) als vielmehr das Bankkonto der Schauspielerin: Ihre Gage von zwölf Millionen Dollar war die höchste, die eine Frau bis dahin für eine einzelne Filmrolle kassiert hat! Nun wissen wir nicht, wie viel Geld Jennifer Aniston für ihre Rolle als Stripperin in „Wir sind die Millers“ bekommen hat, aber da der ganze Film nur 30 Millionen Dollar teuer war, wird es weniger gewesen sein als die „Striptease“-Gage von Bruce Willis‘ damaliger Ehefrau. Das ist wie so oft im Leben ziemlich unfair: Denn selbst wenn Aniston im Gegensatz zu Moore nicht völlig blankzieht, macht der „Friends“-Star an der Stange doch eine mindestens ebenso sexy Figur und ist vor allem abseits der Stripszenen um Welten besser als die Kollegin! Dass sie auch anrüchig sein kann, hat Aniston zuletzt schon in „Kill The Boss“ und „Wanderlust“ bewiesen – und mit der charmant-vulgären Komödie „Wir sind die Millers“ von Rawson Marshall Thurber (dem Regisseur des Völkerball-Kultfilms „Voll auf die Nüsse“) setzt das einstige All-American-Girl diesen Imagewechsel nun ebenso konsequent wie unterhaltsam fort.
     
    David Clark (Jason Sudeikis) vertickt schon seit seiner College-Zeit Marihuana und pflegt auch keinerlei Ambitionen, etwas an seinem In-den-Tag-hinein-Lebensstil zu ändern. Doch dann werden dem Kleindealer mehr als 40.000 Dollar Drogengeld gestohlen, woraufhin ihn sein Boss Brad Gurdlinger (Ed Helms) zwingt, die Schulden zu begleichen, indem er eine Ladung Marihuana aus Mexiko in die USA schafft. Die Chance, dass die Zöllner einen allein reisenden Kerl wie ihn genauer unter die Lupe nehmen ist sehr hoch, aber David hat einen genialen Einfall: Er rekrutiert seine strippende Nachbarin Rose (Jennifer Aniston), den jungfräulichen Loser Kenny (Will Poulter) und die obdachlose Rebellin Casey (Emma Roberts), um sich mit ihnen gemeinsam als Familie Miller auszugeben und so verhältnismäßig gefahrlos die mexikanische Grenze passieren zu können. Doch während das Abholen der Drogen noch relativ reibungslos vonstattengeht, läuft auf der Rückfahrt mit einem bis unter die Decke mit Marihuanapaketen vollgestopften Wohnmobil schief, was nur schieflaufen kann…



    In „Wir sind die Millers“ gibt es einen Haifische fressenden Orca, eine hodensackbeißende Riesenspinne, eine nicht ganz freiwillige Swingerrunde mit Ohrensex und eine den TLC-Song „Waterfalls“ viel zu hoch mitrappende männliche Jungfrau – oder auf den Punkt gebracht: Die Komödie hat eine Menge saulustiger Szenen zu bieten! Trotzdem kommen wir nicht darum herum, auch ein wenig zu meckern: Denn selbst wenn viele Gags zünden, entspringt kaum einer von ihnen direkt dem Patchwork-Familie-schmuggelt-Drogen-Plot. Stattdessen wähnt man sich mitunter eher in einer verlängerten Episode von „Saturday Night Live“, in der die einzelnen Sketche ja auch nicht direkt miteinander zusammenhängen – und während der in jede Komödie passende Spinnenbiss tatsächlich schmerzhaft-lustig ist, sind zum Beispiel die Szenen mit den mexikanischen Drogengangstern Pablo Chacon (Tomer Sisley) und seinem muskelbepackten Handlanger One-Eye (Matthew Willig) einfach nur enttäuschend. Auch die zu erwartende Wendung im letzten Drittel, in dem die vier grundverschiedenen Drogenkuriere erkennen, dass sie ja eigentlich doch eine ganz passable Familie abgeben, wird zwischen den stakkatoartig abgefeuerten Pointen nur derart halbherzig vorangetrieben, dass sie emotional kaum etwas auslösen kann.

    Dass die Parade lose verknüpfter Sketche trotzdem recht gut funktioniert, liegt vor allem an der spiellaunigen Besetzung: An der Seite der schon ausführlich gelobten Jennifer Aniston ist ihr „Kill the Boss“-Co-Star und „Saturday Night Live“-Veteran Jason Sudeikis als liebenswürdiger Slacker-Dealer für die trocken-lässigen Oneliner zuständig. Neben den beiden stark aufspielenden Stars entpuppt sich zudem Newcomer Will Poulter (einer der den Sylvester-Stallone-Klassiker nachdrehenden Jungen aus „Der Sohn von Rambow“) als echte Comedy-Entdeckung – und das nicht nur, weil er mit Angeschwollener-Hodensack-Prothese und weiblich-trällernder Hip-Hop-Stimme absolut keine Schmerzgrenzen zu kennen scheint. „Hangover“-Spießer-Zahnarzt Ed Helms hat unterdessen nicht einmal eine Handvoll Szenen, gibt als Eisskulpturen lötender und einen Orca als Haustier haltender Marihuana-Baron aber richtig Gas. Letztendlich gibt es abgesehen von den auswechselbaren Bösewichten und einem verunglückten Gastauftritt von Luis Guzmán („Boogie Nights“) als schwuler und korrupter Mexiko-Cop nur eine Enttäuschung: Emma Roberts („Scream 4“) spielt die Rolle des rebellierenden Teenagers ähnlich zurückhaltend wie zuletzt auch schon in „It’s Kind Of A Funny Story“ oder „Von der Kunst, sich durchzumogeln“. Aber während sie in den Independent-Dramen so genau den richtigen Ton getroffen hat, verschwindet sie hier neben den viel stärker aufdrehenden übrigen Mitgliedern ihrer „Familie“ nahezu unbemerkt im Hintergrund.

    Fazit: Sowohl das Ende von „Wir sind die Millers“ als auch das gute Einspielergebnis in den USA sprechen für einen zweiten Teil – und wenn die Gag-Trefferquote ähnlich überzeugend ausfällt wie im ersten Anlauf, dann wären wir auch beim nächsten Abenteuer dieser ungewöhnlichen (und ungewöhnlich vulgären) Patchwork-Familie gerne wieder mit dabei.

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