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    Anleitung zum Unglücklichsein
    Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
    2,5
    durchschnittlich
    Anleitung zum Unglücklichsein
    Von Andreas Günther

    Taugt ein Sachbuch als Vorlage zu einer Beziehungskomödie? Mit „Warum Männer nicht zuhören und Frauen schlecht einparken" hat Leander Haussmann auf charmante und intelligente Weise gezeigt, dass sich diese Frage durchaus mit Ja beantworten lässt. Nun versucht sich auch Regisseurin und Autorin Sherry Hormann mit ihrer Leinwandbearbeitung von Paul Watzlawicks ironischem Lebensratgeber „Anleitung zum Unglücklichsein" an dem Kunststück. Außer auf den Bestseller-Status der Vorlage stützt sie sich auf drei weitere Erfolgsfaktoren: „Die Päpstin" Johanna Wokalek in der Hauptrolle, das schillernde Szeneviertel Berlin-Kreuzberg als Schauplatz und die alterslose Femme Fatale Iris Berben als Gaststar. Was Hormann in „Anleitung zum Unglücklichsein" aber an komisch-amourösen Verwicklungen um eine zwangsneurotische Gastronomin auftischt, ist insgesamt trotz sehr gelungener Momente weder Fisch noch Fleisch.

    Tiffany Blechschmid (Johanna Wokalek) glaubt sich vom Unglück verfolgt. Bisher führt sie sehr erfolgreich einen Feinkostladen mit exquisitem Restaurantbetrieb. Aber könnte morgen nicht alles vorbei und sie pleite sein? Neben diesen eingebildeten Existenzsorgen plagt sie sich seit der Kindheit mit ihrem Namen Tiffany Blechschmid, der sie ihrer Meinung nach zur Durchschnittlichkeit verurteilt. Und auch die Männer sind eher Problem als Grund zur Freude: Der gockelhafte Polizist Frank (Benjamin Sadler) verängstigt sie mit Verbrechergeschichten und hat Potenzschwierigkeiten. Als dann auch noch ihr ehemaliger Klavierlehrer Hans Luboschinski (Richy Müller) gegenüber von ihrem Geschäft einzieht, werden sehnsüchtige Gefühle, aber auch böse Erinnerungen wach. Zudem mischt sich ihre Mutter (Iris Berben) mit neunmalklugen Ratschlägen aus dem Jenseits ein und zerstört jede romantische Situation. Bleibt nur der Hundefotograf Thomas (Italy Tiran), aber – so scheint es Tiffany in ihren Tagträumen – ist der nicht nur hinter blonden Stewardessen her?

    In seinem kaum 100 Seiten dicken Buch beschreibt der Kommunikationspsychologe Watzlawick, wie Menschen sich durch selbsterfüllende Prophezeiungen, unermüdliche Grübelei, selbstwidersprüchliche Aussagen und ähnliche Verhaltensweisen selbst den Genuss am Leben vermiesen. Indem er diese Neurosen völlig übertrieben als Techniken des Unglücklichseins anpreist, zeigt er was man vermeiden sollte, wenn man glücklich sein will. Der Humor des Buchs beruht auf dem Absurden: Man strengt sich unheimlich an, um etwas zu erreichen – und verfehlt es gerade deshalb. So wie weiland der Komiker „Mr. Bean" alias Rowan Atkinson, der in einem Sketch so lange Verbeugungen für die Königin übt, bis er sie mit einer Kopfnuss niederstreckt, als sie schließlich vor ihm steht. Um solche Gags auf Spielfilmlänge zu dehnen, braucht es viel Fantasie, Geduld im Aufbau und einen langen Atem. Hormann gelingt diese Umsetzung vor allem in einer Passage, in der ein berühmtes Beispiel von Watzlawick konkret verarbeitet ist: Tiffany will sich vom Nachbarn einen Hammer ausleihen. Sie sinnt aber so lange darüber nach, was er dagegen haben könnte, dass sie allmählich überzeugt ist, er wird ihn ihr verweigern. Das erzeugt Wut, mit der Folge, dass sie den Nachbarn beschimpft, statt ihn um das Werkzeug zu bitten.

    Mit Filmen wie „Frauen sind was Wunderbares" und vor allem „Irren ist männlich" hat sich Sherry Hormann bereits als Komödienexpertin bewährt. An diese Vorgänger kommt sie mit „Anleitung zum Unglücklichsein oder Wie die Liebe Tiffany trotzdem fand" - wie es mit dem langgewundenen Untertitel heißt – nicht heran. Wenn sie hier Watzlawick-Weisheiten aus dem Off einstreut oder ihre Figuren an Glückskuchen mit schlauen Schriftstellersprüchen knabbern lässt, dann wirkt das doch häufig etwas bemüht. Gelungener ist da der für einige herzhafte Lacher gute Einfall, der Hauptfigur eine sanfte Paranoia zu verpassen: Immer wieder imaginiert Tiffany ihre tote, aber hypererotische Mutter neben sich auf dem Sofa, wenn sie gerade gemütlich mit einem Typen knutschen will – eine ebenso komische wie aufschlussreiche Kollision von Wahn und Wirklichkeit. Iris Berben („Buddenbrooks") sorgt mit ihren Gastauftritten, in denen sie die scheinbaren Gegensätze zwischen einer 68er-Mutter und einer affektierten Großbürgerin mühelos unter einen Hut bringt, für Glanz in den sonst zuweilen faden Film. Sherry Hormann legt es sonst scheinbar vor allem auf einfache und schnelle Lacher an, selbst ein liebenswerter Dackel, der träge eine Torte vernascht, muss dafür herhalten. Das Bemühen, komisch zu sein, fällt indes sehr uneinheitlich aus, so dass dem Film zwischen den Polen psychologische Posse und Beziehungs-Blödelei die klare Linie fehlt: Der Spott hat keine erkennbare Zielscheibe.

    Fazit: Sherry Hormanns Versuch einen Beziehungsratgeber zur romantischen Komödie umzuformen ist nur in Ansätzen gelungen, hat aber dennoch viele amüsante Momente.

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