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    Wolkig mit Aussicht auf Fleischbällchen 2
    Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
    3,0
    solide
    Wolkig mit Aussicht auf Fleischbällchen 2
    Von Carsten Baumgardt

    Kinder an die Macht“ brüllte Herbert Grönemeyer Mitte der 80er Jahren kokett fordernd voller Inbrunst und Überzeugung in einem seiner Hits. Was passiert, wenn Hollywood diese verwegene Idee tatsächlich umsetzt, konnten wir 2009 bestaunen - da stürzte der clever-schusselige Erfinder Flint mit seinem kindlichen Gemüt die Welt in der animierten Kinoverfilmung von Judi Barretts Kinderbuchklassiker „Wolkig mit Aussicht auf Fleischbällchen“ als Quasi-Machthaber ins Chaos, nachdem eine seiner Maschinen völlig außer Kontrolle geraten war und monströse Mengen von Lebensmitteln ausspuckte, die den menschlichen Lebensraum zu ersticken drohten. Die Regisseure Cody Cameron und Kris Pearn spannen den Bogen jetzt in der Fortsetzung weiter und bieten ähnlich überdreht-hysterische Unterhaltung wie im Original. „Wolkig mit Aussicht auf Fleischbällchen 2“ ist ein amüsant-abenteuerlicher 3D-Spaß für die jungen Zuschauer, während die älteren Semester mit einigen geistreichen Popkulturanspielungen besänftigt werden.

    Obwohl seine (vielleicht doch nicht so) geniale Essenserschaffungsmaschine, der FLDSMDFR (sprich: „Flitzem-deför“), die Welt aus den Fugen gebracht hat, macht  sich der junge Erfinder Flint Lockwood (Stimme: Bill Hader/Robin Kahnmeyer) berechtigte Hoffnungen, als neuer Denktronaut in die Elite der Live Corp. Company aufgenommen zu werden. Dort tummeln sich nur die hellsten Köpfe des Planeten – angeführt von dem ikonischen Erfinder-Idol V (Will Forte/Lutz Mackensy). Flint muss aber eine herbe Enttäuschung einstecken, als bei der feierlichen Auswahl des neuen Mitglieds sein Name NICHT fällt und er sich stattdessen bis auf die Knochen blamiert. V schmiedet vielmehr einen finsteren Plan: Er setzt seine Assistentin, die Orang-Utan-Dame Barb (Kristen Schaal/Ilka „Cindy aus Marzahn“ Bessin), auf Flint an, um dessen berühmt-berüchtigte Maschine in den Besitz der Live Corp. zu bringen. Das Monstrum produziert nämlich auf der Insel Affenfels im Verborgenen weiter fleißig neue Kreationen und verwandelt Wasser nun in lebendige Nahrungsmittelwesen, aggressive Shrimpansen, Frittantulas oder Tacodile, die den Menschen nach dem Leib trachten. Flint will das Ungetüm unter Kontrolle bringen und macht sich mit seinen Freunden Sam Sparks (Anna Faris/Palina Rojinski), dem Polizisten Earl Devereaux (Terry Crews/Jan Spitzer), dem dicken Brent McHale (Andy Samberg/Sebastian Schulz) und dem treuen Affen Steve (Neil Patrick Harris/Bernhard Völger) auf die Suche – mit den Häschern von Live Corp. an den Fersen.

    Das Tollste an „Wolkig mit Aussicht auf Fleischbällchen“ hat es auch in den zweiten Teil geschafft: die kuriose Idee von mutierten Lebensmitteln, die auf die Erde regnen. Damit wurde allerdings schon im ersten Teil nicht politisch korrekt der Welthunger besiegt, sondern ein ganz neues, dickes Fass von Problemen aufgemacht, bei denen es nicht zuletzt darum ging, die absurd überdimensionalen Nahrungsmittel aus dem FLDSMDFR zur Geltung zu bringen. In der erneut vor visuell-kreativem Ideenreichtum überbordenden Fortsetzung treiben die Macher dies nun auf die Spitze und lassen das Maschinen-Essen lebendig werden, wobei allerlei denkwürdige und originelle Wesen (das süßeste ist die kleine Erdbeere, ein Naschtier!) entstehen, die jedoch nicht genügend Charakter bekommen, um über die Funktion von Stichwortgebern hinauszukommen. Ansonsten ist auch „Wolkig mit Aussicht auf Fleischbällchen 2“ wieder so kunterbunt-quietschig, dass einem des Öfteren die 3D-Brille von der Nase zu springen droht. Für das innovative und die Sinne bis an den Rand der Reizüberflutung ansprechende Design haben die Macher Anleihen bei Abenteuer-Klassikern wie „Jurassic Park“ oder „Die Reise zum Mittelpunkt der Erde“ genommen, die Regisseure Cody Cameron („Jagdfieber 3“) und Kris Pearn beziehen sich aber auch auf „E.T.“, „Die Goonies“ und sogar „Alien“ (wie sie FILMSTARTS verraten). Oft sieht das turbulent-atemlose 3D-Abenteuer aus wie „‚Jurassic Park‘ im Kindercola-Rausch“!

    Das klingt nach ziemlicher Anarchie, aber trotz der Abwesenheit von Herrschaft gibt es Regeln in der „Fleischbällchen“-Welt und der Film selbst ist trotz gelegentlicher innovativer Einfälle letztlich erzählerisch sehr konventionell. Der etwas naive, aber geniale Erfinder Flint und seine Truppe sind die eindeutigen moralischen Helden, während der vordergründig-hinterhältige V auch von den kleinsten Zuschauern einfach als Bösewicht zu durchschauen ist. Hier und da werden auch kleine Leckerlis für die „begleitenden Erwachsenen“ ausgelegt, etwa mit einer hübschen Persiflage der hippen Arbeitswelt in modernen, koffeinbetriebenen Denkfabriken wie Google (siehe auch „Prakti.com“, den Film zur Firma), Apple oder Microsoft, aber die kindgerechte Erzählweise steht im Vordergrund. Es gibt immer wieder Staunenswertes zu entdecken, dazu kommt ein wenig sanfter Humor und schließlich werden die farbenprächtigen Abenteuer mit einer sauberen Botschaft von Freundschaft, Ehrlichkeit und Verlässlichkeit angereichert. Allein schon das zu Beginn der Fortsetzung eine rund fünfminütige Zusammenfassung des ersten Teils präsentiert wird, zeigt, dass man offensichtlich etliche kleine Kino-Neulinge im Publikum vermutet. Warum Vs rechte Hand Barb in der ansonsten einwandfreien deutschen Synchronisation schnodderiges Berlinerisch brabbelt (und so klingt wie Cindy aus Marzahn) oder warum zwischendrin ein Erfinder auf der Bühne anfängt, sattes Bayerisch zu reden, ist dagegen unklar. Es fügt der Geschichte nichts hinzu und ist vor allem nicht gerade lustig – auch nicht für Kinder.

    Fazit: Das Kindermenü schmeckt auch aufgewärmt noch so gut wie eine zünftige Portion Chicken-Nuggets! „Wolkig mit Aussicht auf Fleischbällchen 2“ ist laut, bunt und chaotisch - ein amüsantes 3D-Animations-Abenteuer ohne besonderen Nähr-, aber dafür durchaus mit einigem Unterhaltungswert.

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