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    Point Break
    Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
    3,0
    solide
    Point Break
    Von Carsten Baumgardt
    Unbesiegbar“-Regisseur Ericson Core hat sich mit dem Genre-Klassiker „Gefährliche Brandung“ (1991) eine besonders schwierige Vorlage für ein Remake ausgesucht. Denn es war vor allem die besondere Chemie zwischen dem Helden Keanu Reeves und dem charismatischen Antagonisten Patrick Swayze, die Kathryn Bigelows Action-Thriller zum Kultfilm machte – und eine solche Verbindung findet sich nicht nur äußerst selten, sie lässt sich entsprechend auch kaum reproduzieren. Core versucht das konsequenterweise gar nicht erst und setzt dagegen ganz auf spektakuläre Extremsporteinlagen, die im Original ebenfalls wichtig, aber nicht so dominant waren wie hier. So ist der 3D-Action-Trip „Point Break“ ein wahres Feuerwerk von waghalsigen sportlichen Stunts und Kunststücken, bei dem Figurenzeichnung und Story etwas kurz kommen. Für einen unterhaltsamen Film reicht es dennoch.

    Eine Gruppe von Kriminellen narrt das FBI immer wieder mit ihren aufsehenerregenden Robin-Hood-Aktionen: So flüchten die Räuber bei einem Diamantendiebstahl in Mumbai, indem sie auf Motorrädern durch die Hochhausfenster rasen und anschließend mit Fallschirmen hinabgleiten. Die Beute verteilen sie unter den Armen, ebenso wie bei ihrem nächsten Coup in Mexiko, wo sie ein Geldtransportflugzeug ausrauben und die Scheine auf die Erde herabregnen lassen. Der junge FBI-Anwärter Johnny Utah (Luke Bracey), ein ehemaliger Motoradstuntfahrer, soll undercover ermitteln. In Südfrankreich stößt er gemeinsam mit seinem erfahrenen Partner Pappas (Ray Winstone) auf eine Gruppe von Extremsportlern, die sich beim Surfen in gigantische, turmhohe Wellen stürzt. Utah ist sicher, dass Anführer Bodhi (Edgar Ramirez) und seine Kumpels Chowder (Tobias Santelmann), Grommet (Matias Varela), Roach (Clemens Schick) und Co. die Gesuchten sind. Es gelingt ihm, Bodhis Vertrauen zu gewinnen, nebenbei kommt der Ermittler auch der hübschen Samsara (Teresa Palmer) näher ...


    24 Jahre sind eine lange Zeit, in der sich die Welt weiterdreht. Dem will Regisseur Ericson Core (Kameramann von „The Fast And The Furious“ und „Daredevil“) Rechnung tragen, aber die Filmemacher verzetteln sich bei der Modernisierung etwas: Während es in dem in der Post-Reagan-Ära entstandenen Testosteron-Beschleuniger „Gefährliche Brandung“ um eine verschworene Bruderschaft von Surfern und Adrenalinjunkies ging, die einfach ihren eigenen Lebensstil durchzieht und diesen mit Bankraub finanziert, wälzt Core das Geschehen nicht nur von Südkalifornien über den kompletten Erdball aus, sondern liefert nun auch noch eine verquaste Erklärung dafür, warum Bodhi 2.0 und seine Jungs tun, was sie nun mal tun! Mit dieser Idee von notorischen Weltverbesserern und Natur, die dem Extremsport-Mythos eines verstorbenen Gurus hinterherjagen, bewegt er sich allerdings auf erzählerisch dünnem Eis. Der esoterisch überhöhte Pazifismus der Gang passt nicht zu ihren letztendlich blutigen Taten, es fehlt nur noch, dass sie bei ihren zahlreichen Partys Bionade statt Bier trinken. Trotz übertrieben kompliziert angelegter Hintergründe wirkt die Handlung dabei oft so plump, dass sich ein belustigtes Schmunzeln zuweilen kaum verkneifen lässt.

    Auch das Verhältnis zwischen Bodhi und FBI-Frischling Johnny Utah wirkt hier kaum glaubwürdig, von der Intensität des Originals ist „Point Break“ hier meilenweit entfernt. Zwar spielt Edgar Ramirez („Carlos - Der Schakal“, „Joy“) immer wieder sein Charisma aus, aber Luke Braceys („November Man“, „The Best Of Me“) Utah ist in dieser Beziehung zu sehr Fanboy und Bodhi zu wenig Guru – die Figurenzeichnung bleibt insgesamt meist in kaum entwickelten Ansätzen oder gleich in Klischees stecken. Zu bedauern ist dabei insbesondere Teresa Palmer („Warm Bodies“), deren Gespielinnen-Rolle im Vergleich zu der tough-coolen Lori Petty aus „Gefährliche Brandung“ geradezu kümmerlich ausfällt. Wer allerdings großzügig über diese erzählerischen Defizite hinwegsieht, der kann einen lebendigen und pulsierenden Film entdecken.

    Als purer Action-Adrenalinkick funktioniert „Point Break“ erstaunlich gut, die Sport-und Stuntszenen sind schier atemberaubend. Core fährt gleich ein halbes Dutzend dieser Sequenzen auf, vom Motorrad-Fallschirmstunt über Hardcore-Wellenreiten, Wingsuit-Sprünge und Snowboard-Harakiri bis zur halsbrecherischen Freeclimbing-Einlage – das alles verteilt auf attraktive Schauplätzen auf vier Kontinenten. Regisseur Core, der zusätzlich auch wieder als Chefkameramann fungiert, hetzt sein toptrainiertes Personal wie bei einer Schnitzeljagd von einer Station zur nächsten - bis zum Showdown am Salto Angel Fall in Venezuela. Bei der Ausnahme-Action, für die sich die Filmemacher die Dienste von einigen der besten Extremsportler der Welt sicherten, wird auch das 120 Millionen Dollar hohe Budget sichtbar. Die in Hochglanz-Ästhetik stilisierten Stunts sind zwar ähnlich überkandidelt wie zum Beispiel bei „Fast And Furious 7“ bewegen sich dabei aber dank der beteiligten Experten meist im Rahmen dessen, was man für möglich und vorstellbar hält. Die Handlung von „Point Break“ mag Humbug sein, aber seine in großartigen 3D-Bildern gefilmten Actionszenen sorgen für wohligen Nervenkitzel.

    Fazit: Ericson Core scheitert mit seinem hippen „Gefährliche Brandung“-Remake „Point Break“ auf inhaltlicher und erzählerischer Ebene, bietet zugleich aber einen der spektakulärsten Extremsportler-Filme überhaupt.
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