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Berlin Kaplanı
Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
1,0
schlecht
Berlin Kaplanı
Von Asokan Nirmalarajah
Never change a winning team! Das dachten sich wohl der türkische Regisseur Hakan Algül und sein Landsmann Ata Demirer, ein international bekannter Kabarettist und Sitcom-Star („Avrupa Yakasi"), nachdem sie gleich zwei Erfolge hintereinander an den heimischen Kinokassen verzeichnen konnten. Die alberne Slapstick-Komödie „Eyyvah Eyvah" (2010) und ihre Fortsetzung „Eyyvah Eyvah 2" (2011), beide inszeniert von Algül nach einem Drehbuch Demirers, der sich darin selbst die Hauptrolle eines trotteligen Klarinettenspielers auf den umfangreichen Leib schrieb, ebnen nun den Weg für ihre dritte Klamotte. „Berlin Kaplani" nennt sich dieses behäbig und ungelenk inszenierte, nahezu völlig humorfrei und spannungslos erzählte Monstrum der Einfallslosigkeit, das nur hier und da von der Spielfreude der schwer unterforderten Besetzung und einigen wohltuend sonnigen Türkeibildern animiert wird. Der kommerzielle Erfolg ihrer vorherigen Kollaborationen mag ihren Methoden Recht geben, aber diese Sportlerkomödie, deren schrecklich antiquierter Plot uns von den hektischen Türkenvierteln Berlins ins friedliche Antalya führt, muss schon jetzt als eine der frustrierendsten Filmerfahrungen im noch jungen Kinojahr 2012 gelten.

Ayhan Kaplan (Ata Demirer), der titelgebende „Tiger von Berlin" („Berlin Kaplani"), macht seinem imposanten Ringnamen keine Ehre. Wenn der übergewichtige Boxer mal keine Niederlage im Ring hinnehmen muss, arbeitet er als Türsteher vor Discos, als Bodyguard für arrogante Musiker oder führt für ein mickriges Taschengeld die Hunde reicher alter Damen Gassi. Ayhan kann das Geld gut gebrauchen, schuldet er seinem Sponsor doch mehrere Tausend Euro. Unverhofft wendet sich das Blatt für ihn, als plötzlich sein Schwager Nurettin (Necati Bilgiç) vor der Tür steht und ihn einlädt, den senilen Onkel in der türkischen Heimat zu besuchen. Doch während Ayhan auf der Flucht vor seinen Schuldnern die Ruhe und den Frieden Antalyas genießt, sich mit seinem frechen Neffen Fatih (Mert Aran) anfreundet und sich in die hübsche Sekretärin Elvan (Nihal Yalçın) verliebt, hat es der verschlagene Schwager auf sein Erbe abgesehen...

Nähme man als Maßstab für den Erfolg einer Komödie die Zahl der Lacher, die sie dem Kinopublikum im Filmverlauf entlocken kann, dann müsste es sich hier um ein Drama handeln – und amüsanterweise wird der lustlos dahindümpelnde Langweiler „Berlin Kaplani" mancherorts tatsächlich so beworben. Nach 102 langwierigen Minuten wirkten die Filmkritiker in der Berliner Pressevorführung wie versteinert, fast so, als handele es sich bei der vorhersehbaren Selbstfindung des vertrottelten Schwergewichts mit dem eigentümlich hervorstechenden Bauch- und Gesäßbereich um einen regelrecht grüblerischen Streifen. Tatsächlich ist „Berlin Kaplani" aber bloß ein Musterbeispiel für einen Film, in dem nicht einmal das geringe dramatische wie komische Potential seines stereotypen, aber brauchbaren Figurenensembles und seiner abgenutzten Handlung ausgeschöpft wird.

Nach mit steriler Touristenoptik fotografierten und zu aggressiver türkischer Rapmusik geschnittenen, nervösen Eingangsszenen, die rund um Berlin spielen, verliert sich Regisseur Algül im langen Mittelteil für eine Weile im beschaulichen, fast paradiesischen Mikrokosmos Antalya. Hier passt das gemächliche Erzähltempo zur sonnigen und entspannten Atmosphäre. Und hier darf sich dann endlich die Besetzung – allen voran ein herrlich überdrehter Necati Bilgic als intriganter Schwiegersohn – darum bemühen, der plumpen Situationskomik und dem flachen Wortwitz von Demirers Skript Leben einzuhauchen. Doch letztlich scheitert das ganze Unternehmen an der unzugänglichen Hauptfigur.

Der von Demirer gegebene Protagonist mag allein körperlich schon eine groteske Erscheinung sein, was mit einer kreativ rasierten Kurzhaarfrisur und unvorteilhaften Outfits noch unterstrichen wird. Doch die Rechnung klassischer Leinwandkomik (übergewichtig + unbeholfen + naiv = komisch und sympathisch) geht beim charismatischen, aber ausdrucksschwachen Demirer einfach nicht auf. Nicht nur dass seine Figur als deutscher Exiltürke fortwährend schlechte Witze über die Eigentümlichkeiten der Deutschen und Türken macht! Nein, als Held einer Underdog-Geschichte kann er ebenso wenig überzeugen wie als romantischer Beau in seiner unglaubwürdig gestalteten Liebesbeziehung zur rassigen Schönheit Elvan, immerhin engagiert gespielt von der TV-Moderatorin und Pop-Sängerin Nihal Yalcin.

Fazit: Mit der Mär eines Schwergewichtsboxers, der zu seiner türkischen Identität und seiner Familie zurückfindet, appelliert das türkische Erfolgsduo Ata Demirer und Hakan Algül an Herz und Zwerchfell des Publikums, verfehlt aber beides um Welten. Der in Berlin, Antalya und Istanbul gedrehte Ulk „Berlin Kaplani" ist mit seinen anstrengenden Figuren, flachen Witzen und einer einfältigen Handlung weder komisch noch dramatisch oder berührend.
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