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South Park - Der Film
Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
4,0
stark
South Park - Der Film
Von Jan Görner
Mit einem kalkulierten R-Rating - der amerikanischen Altersfreigabe ab 17 Jahren – können Filmemacher sich bei der Umsetzung provokanter Ideen nach Lust und Laune austoben. Für die Investoren bedeutet diese Einstufung derweil vor allem: weniger Publikum und damit weniger Umsatz. Dass Hollywood-Studios bei Produktionskosten in Millionenhöhe also stets auf niedrigere Altersfreigaben schielen, ist nur folgerichtig. Als der Plan einer Kinoauswertung der enorm populären und oft grenzüberschreitenden, animierten Satire-Serie „South Park" konkrete Formen anzunehmen begann, baten sich die Schöpfer Trey Parker und Matt Stone Bedingungen aus. Eine davon war, dass „South Park – Der Film" nur ohne künstlerische Einschränkungen entwickelt werden könne – ergo mit einem kalkulierten R-Rating. Damit sollte die Marschrichtung des Films klar sein.

Mit der Beschaulichkeit des Bergstädtchens South Park ist es erstmal vorbei, als „Asses of Fire" im örtlichen Kino anläuft. Vom zotigen Humor des kanadischen Komiker-Duos Terrance und Phillip angefixt, beginnen die begeisterten Kids Eric Cartman, Kenny McCormick, Kyle Broflovski und Stan Marsh bald zu fluchen wie die Kesselflicker. Als die moralischen Entgleisungen das Leben des kleinen Kenny fordern, schreiten die entsetzten Mütter des Provinzstädtchens zur Tat und gründen die Organisation „Mothers Against Canada". „Asses of Fire" wird verboten, die Verhaftung von Terrance und Phillip veranlasst. Als die kanadische Luftwaffe im Gegenschlag den Baldwin-Clan ausradiert, erklären die USA ihrem nördlichen Nachbarn den Krieg...

Kampflustige Elternvereine, sogenannte „Watchdog groups", sind auf der anderen Seite des Atlantik längst zur festen Institution geworden. Zu den einflussreichsten dieser Vereinigungen gehört der konservative „Parents Television Council", der „South Park" seit Jahren verlässlich mit dem Siegel der schlechtesten Kabel-Sendung der Woche versieht. Dass die kontroverse Dauerdebatte um „South Park" für die Story der Kinofassung Pate stand, ist augenscheinlich. Wenn die Mütter des Örtchens unter Führung der ultra-pedantischen Sheila Broflovski ihre eigene Wachhund-Rotte gründen und Sündenböcke für das Verhalten ihrer Kinder suchen, statt sich mit ihrer mangelhaften Pädagogik zu befassen, wird eines deutlich: „South Park – Der Film" ist keine cineastische Rache, vielmehr halten Trey Parker und Matt Stone ihren zornigen Kritikern einen Spiegel vor.

Das durchaus seriöse Satire-Anliegen widerspricht sich dabei keineswegs mit dem anarchischen Brachialhumor, der „South Park" seit der ersten Episode auszeichnet: Die radikalen Methoden der Über-Matriarchin Sheila gipfeln in einem Blutopfer, das eine finstere Allianz zwischen Satan und Saddam Hussein mit apokalyptischen Ambitionen auf den Plan ruft. „South Park – Der Film" entfaltet die ganze Pracht, die der eigenwillige Animationsstil der TV-Serie zulässt. Die via Computer fingierte Legetrick-Optik wird auf die große Leinwand übertragen – dass ein Film mit einer derart minimalistischen Ästhetik im Kinoformat präsentiert wird, ist dabei eine besonders amüsante Pointe. Wie für das Fernsehen übernehmen auch hier wieder Trey Parker und Matt Stone die überwiegende Mehrzahl der Sprechparts.

Raum für Gaststars bleibt trotzdem zur Genüge. Mit dabei sind unter anderem Brent „Data" Spiner („Star Trek - Der erste Kontakt"), Eric Idle („Das Leben des Brian") und sogar ein vom Autoren-Duo in „Team America" fies verhöhnter George Clooney, der mit seinem Auftritt in „South Park – Der Film" Humor beweist. Die überraschendste Neuerung, mit der der Kinofilm indes aufwartet, ist wohl der Umstand, dass es sich um ein veritables Film-Musical handelt. In Anlehnung an Klassiker aus dem Hause Disney wird die Handlung durch Song-Einlagen vorangetrieben - mit deutlich profaneren Texten, versteht sich.

Übrigens: Für Phil Collins, der ihnen zur Jahrtausendwende den Oscar für den besten Original-Song aus Disneys „Tarzan" wegschnappte, hatten Stone und Parker in der nicht einmal zwei Monate später erschienenen Folge „Timmy 2000" freilich auch noch einen Pfeil im Köcher. Doch auch ohne Musik-Oscar bleibt „South Park – Der Film" als überaus gelungene Kino-Adaption in Erinnerung. Der Serien-Prämisse folgend gehen relevante Medien-Satire und vorpubertärer Humor hier Hand in Hand. Wer mit der Serie nichts anfangen kann, wird auch an der Kinofassung keine Freude haben – allen anderen sei „South Park – Der Film" wärmstens ans Herz gelegt.
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