Das Mädchen Wadjda
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Kritik der FILMSTARTS.de-Redaktion Das Mädchen Wadjda

4,0


Von Michael Meyns

Nicht nur die öffentliche Vorführung von Filmen ist in Saudi Arabien verboten, sondern auch schon das Drehen selbst ist untersagt – erst recht den Frauen, deren Rechte in dem autokratischen, islamischen Staat ohnehin extrem eingeschränkt sind. Dass es nun mit Haifaa Al Mansour ausgerechnet einer Frau gelungen ist, den ersten komplett in Saudi Arabien gedrehten Film zu realisieren, wäre schon allein bemerkenswert. Doch „Das Mädchen Wadjda", das Spielfilmdebüt der in Kairo und Sydney ausgebildeten Regisseurin, überzeugt auch als leichtfüßiges Porträt einer Gesellschaft, in der Frauen auf trickreiche und mühsame Weise versuchen, sich ein Stück Freiheit zu erkämpfen.

Wadjda (Waad Mohammed) ist zehn und lebt mit ihrer Mutter (Reem Abdullah) in einem Vorort der saudi-arabischen Hauptstadt Riad. Ihr Vater (Sultan Al Assaf) schaut nur gelegentlich vorbei, denn seit klar ist, dass die Mutter ihm keinen Sohn gebären wird, hat er das Interesse an seiner Erstfrau verloren und sieht sich nach einer zweiten Frau um. Wadjda hat derweil andere Sorgen: Ein Fahrrad hat es ihr angetan, doch zum einen fehlt ihr das Geld, um sich ihren Wunsch zu erfüllen, zum anderen ist es Frauen des Königreichs ohnehin untersagt, Rad zu fahren. Doch das trickreiche Mädchen setzt alles daran, genug Geld zusammenzusparen, um sich ihren Traum zu erfüllen – auch wenn das bedeutet, sich intensiv mit dem Koran zu beschäftigen, um an einem hoch dotierten Koran-Wettbewerb teilzunehmen.

Schon die bloße Existenz des Films „Das Mädchen Wadjda" ist bemerkenswert und allein der Blick in eine Welt, die gemeinhin verschlossen ist oder nur höchst einseitig beschrieben wird, ist ein Ereignis. Die Entstehungsgeschichte von Haifaa Al Mansours Debütfilm ist dabei selbst eine filmreife Geschichte: Mit Unterstützung der deutschen Produzenten Roman Paul und Gerhard Meixner („Waltz with Bashir", „Womb") realisierte die Jungregisseurin ihr Projekt unter schwierigsten Bedingungen. Bereits das Suchen einer Hauptdarstellerin ist in einem System, das den Drehs eines Films verbietet, ein riskantes Unterfangen, die eigentlichen Aufnahmen mussten dann teilweise mit versteckter Kamera realisiert werden. Allerdings täte man der Jungregisseurin und ihrem Film gewaltig unrecht, wenn man ihn auf diese beachtenswerte Entstehungsgeschichte reduzieren würde. Dafür ist „Das Mädchen Wadjda" ein viel zu guter und sehenswerter Film.

Zwar mutet die Geschichte der zehnjährigen Wadjda, die sich nichts mehr wünscht als ein Fahrrad zu besitzen, sehr einfach an. Auch ist die Bildsprache eher schlicht, wird sich doch weitestgehend damit begnügt, die Ereignisse aufzuzeichnen. Die eigentliche Qualität liegt aber in der undogmatischen Darstellung einer Gesellschaft, in der die Rolle der Frau auf eine Weise eingeschränkt ist, die für einen westlichen Betrachter kaum vorstellbar ist: Ohne Schleier darf das Haus nicht verlassen werden; Autofahren ist für Frauen verboten, die so von Chauffeuren und Ehemännern abhängig sind; selbst hinter den Schulmauern ist das Spielen verboten, wenn auf einem noch so weit entfernten Balkon ein Mann steht, der die Frau beobachten könnte. Doch Haifaa Al Mansour zeigt nun nicht einfach mit dem Finger auf die männliche, religiöse Führungselite des Landes, will nicht einfach nur anklagen, sondern schildert auf einnehmende Weise, wie sich die Frauen des Landes kleine Freiheiten erkämpfen.

Mit ihrer Hauptfigur Wadjda hat sich die Regisseurin ein junges Alter Ego erschaffen. So wie es Al Mansour gelang unter schwierigsten Bedingungen einen Film zu drehen, der es bis ins Programm der renommierten Filmfestspiele von Venedig geschafft hat, so rebelliert die Zehnjährige gegen das System. Das Kopftuch trägt sie eher nachlässig, die Begeisterung für den Koran ist nur Mittel zum Zweck und auch sonst verhält sie sich wenig konform. Dass sie als kleines Mädchen noch mit viel mehr durchkommt als ihre erwachsene Mutter, die sich deutlich mehr vor den Religionswächtern in Acht nehmen muss, liegt auf der Hand. Doch die Momente der Freiheit, die sich Wadjda erkämpft, werden sie – so deutet es die Regisseurin an – für den Rest ihres Lebens prägen und sie vielleicht zu einer der Personen machen, die das Königreich langfristig verändern kann.

Fazit: Mit ihrem Spielfilmdebüt „Wadjda" ist es Haifaa Al Mansour nicht nur gelungen, den ersten Spielfilm in Saudi-Arabien zu drehen, sondern vor allem auch ein undogmatisches, differenziertes Gesellschaftsporträt zu inszenieren, mit dem sie auf subtile Weise von der Rebellion der Frauen gegen ein repressives Regime erzählt.

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  • sft

    Hab den Film gestern im Kino gesehen. Ein starker Einblick in den saudi-arabischen Alltag, der ohne platte Klischees und Effekthascherei auskommt. 4 Sterne sind absolut verdient, könnte auch mehr sein.

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