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    Taffe Mädels
    Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
    2,5
    durchschnittlich
    Taffe Mädels
    Von Christoph Petersen
    Der im TV schon länger erfolgreiche Comedy-Regisseur Paul Feig („Arrested Development“) weiß offenbar sehr genau, wem er den Überraschungserfolg seines Kinodurchbruchs „Brautalarm“ zu verdanken hat, schließlich beförderte er Melissa McCarthy, die in dem Brautjungfern-Zotenfest als resolute Megan eine Szene nach der anderen stiehlt, für seine Buddy-Komödie „Taffe Mädels“ vom Sidekick zur Hauptattraktion. Und wenn dazu noch Oscar-Preisträgerin Sandra Bullock als sozial unbeholfene FBI-Agentin an ihre Rolle aus dem 2000er-Hit „Miss Undercover“ anknüpft - was kann da noch schiefgehen? Eine ganze Menge, wie sich herausstellt, denn es gibt in der Zutatenliste eben doch einen kleinen, aber sehr bedeutenden Unterschied zwischen den beiden Paul-Feig-Filmen: Während das „Brautalarm“-Drehbuch von Hauptdarstellerin Kristen Wiig und ihrer Schreibpartnerin Annie Mumolo zu Recht für einen Oscar nominiert wurde (für eine derart zotige Komödie eine absolute Rarität), erweist sich das von Katie Dippold („Parks and Recreation“) verfasste „Taffe Mädels“-Skript leider nur als austauschbare Dutzendware. Anstatt den Stars die passende Bühne für ihre besonderen Talente zu bereiten, engt die Vorlage den Entfaltungsspielraum der Akteure deutlich ein und es gibt über weite Strecken schale Gags statt charismatischer Komik.

    Selbst wenn die Spürhunde längst den Kopf in den Sand stecken, gibt Sarah Ashburn (Sandra Bullock) nicht auf – sie stöbert jedes noch so gute Drogenversteck auf und ist damit die FBI-Agentin mit der höchsten Aufklärungsrate New Yorks! Allerdings lässt sie das auch gerne jeden wissen, weshalb sie von den männlichen Kollegen als arrogant und wenig teamfähig gemieden wird. Ein Problem, das auch der Bostoner Polizistin Shannon Mullins (Melissa McCarthy) nicht fremd ist. Wenn sie auf den Straßen als resolute Ein-Mann-Armee auf die Paragraphen pfeift und auf unnachahmlich direkte Art für Ordnung sorgt, versetzt sie nicht nur die bösen Buben, sondern auch ihre Vorgesetzten in Angst und Schrecken. Als die Ermittlungen gegen einen Drogenbaron Sarah nach Boston verschlagen, sind die beiden Einzelgängerinnen plötzlich gezwungen zusammenzuarbeiten…


    Warum besteht die Inhaltsangabe zu 90 Prozent aus Figurenbeschreibungen? Ganz einfach: Wie in jedem anständigen 80er-Jahre-Buddy-Movie spielt die konkrete Krimihandlung auch in dieser weiblichen Variante des klassischen Männergenres praktisch keine Rolle (und ergibt ebenso wenig Sinn). Nach „Desillusionierter Cop trifft schnellsprechenden Kleinganoven“ in Walter Hills „Nur 48 Stunden“ und „Waghalsiger Draufgänger trifft umsichtigen Familienvater“ in Richard Donners „Lethal Weapon“ folgt bei Paul Feig nun also „Regeltreue FBI-Agentin trifft resolute Streifenpolizistin“. Und im Kern geht das Konzept auch auf, denn die Chemie zwischen den Hauptdarstellerinnen stimmt: Während Sandra Bullock („Speed“, „The Blind Side“) trotz Sarahs sozialer Inkompetenz der geerdete Part zufällt, legt Melissa McCarthy („Voll abgezockt“, „Hangover 3“) ihre Rolle als resolut-hemdsärmelige Ermittlerin einfach hundertmal extremer aus. Regisseur Feig und Autorin Dippold verlassen sich indes kaum auf die Chemie zwischen ihren Leading Ladys und setzen stattdessen auf austauschbare Pointen, von denen nur ein Bruchteil zündet. Das hat auch zur Folge, dass es keine einzige Nebenfigur gibt, die auch nur ein bisschen lustig wäre – nimmt man dem Film McCarthy und Bullock, ist damit eben auch der Humor verschwunden.
     

    In Judd Apatows Komödie „Immer Ärger mit 40“ hat Melissa McCarthy nur einen bemerkenswerten Auftritt - aber der ist genial: Wie sie bei einem Elterngespräch die Schulleiterin in Grund und Boden flucht, macht ihr so schnell keiner nach. Und im Abspann sieht man dann: Die Szene ist improvisiert! McCarthy besitzt das einmalige Talent, ihrem Gegenüber aus dem Stegreif Anzüglichkeiten unvorstellbarer Schärfe an den Kopf zu werfen, viel wichtiger ist allerdings, dass ihre Tiraden und ihre Aussetzer eben nicht nur einen „Nein, das hat sie jetzt nicht wirklich gesagt“-Reflex auslösen, sondern auf eine merkwürdige Weise sogar charmant sind. Auch in „Taffe Mädels“ gibt es einige solche extremen und zugleich irgendwie liebenswerten Momente, etwa wenn Sarah damit droht, die Tür des Verhörraums 157.000 Mal gegen ihren Kopf zu knallen oder wenn Shannon nach den verschrumpelten Hoden ihres Chefs „sucht“. Doch diese unheimlich spontan wirkenden komischen Kleinode sind rar gesät. Stattdessen müssen sich die Stars unter anderem durch schrecklich in die Länge gezogene Wortspiele quälen, die selbst als kurzer Einwurf schon nicht lustig wären: Er sagt „Narc“ („Drogenfahnder“) und sie versteht „Nac“ (was gar nichts bedeutet): Das geht dann x-Mal hin und her, bis sie endlich einsieht: „Oh, ich habe das ‚R‘ nicht gehört“ und so bleibt „Taffe Mädels“ bis zum Ende eine meist recht zähe Angelegenheit.

    Fazit: Immer wenn Regisseur Paul Feig seine Stars Sandra Bullock und Melissa McCarthy von der Leine lässt, dann rockt auch der Film. Leider ist das nur selten der Fall, zu oft muss sich das resolute Duo mit müden Gags abmühen. Deshalb fordern wir: „Taffe Mädels 2“ mit denselben Stars, aber mit einem besseren Drehbuch und mehr Raum für Improvisation!

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