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    You're Nobody 'til Somebody Kills You
    Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
    1,5
    enttäuschend
    You're Nobody 'til Somebody Kills You
    Von Robert Cherkowski

    „I hope I die before I get old" sang schon Roger Daltrey von „The Who". Gerade bei Rockstars befördert ein früher Tod die Legendenbildung, denn nur wer jung stirbt, bleibt ewig jung und entgeht der Gefahr, wie ein Normalsterblicher zu verwelken. Selbst Mick Jagger und Keith Richards – in ihrer Blüte die coolsten und lässigsten Musiker der Welt – kämpfen heute gegen den Verfall. Das kann Kurt, Jimi, Amy und Janis (und anderen Mitgliedern des Club 27) nicht mehr passieren. Auch viele Rap-Stars haben eine besondere Beziehung zum Tod, sie entstammen dem Unterweltmilieu, das sie auch im Fall des Ruhmes selten ganz hinter sich lassen. Schließlich bürgt eine kriminelle Vergangenheit und ein vermeintliches Vorstrafenregister für die sogenannte Street Credibility, mit dem Ruch der Straße und des Verbrechens lassen sich prima die Verkaufszahlen steigern. So wäre etwa 50 Cent kaum zu solchem Ruhm gekommen, wenn man ihn nicht spektakulär niedergeschossen hätte, Rap-Legenden wie Tupac oder Notorios B.I.G. wären nie zu Ikonen geworden, wenn sie nicht durch Waffengewalt gestorben wären. Dieses seltsam morbide Verhältnis der Stars zum Tod greift Regisseur Michael A. Pinckney in seinem unausgegorenem Slasher-Film „You're Nobody 'til Somebody Kills You" auf, bei seinem Blick auf die Hip-Hop-Szene kann sich der Filmemacher jedoch nie so ganz entscheiden, ob er nun einen künstlerisch überhöhten Kommentar zum Starkult drehen will oder einen im Musikgeschäft angesiedelten Killer-Thriller.

    Eine Mordserie hält New York in Atem. Ein mysteriöser Killer macht Jagd auf die Stars des Rap-Business und hat schon einige Hip-Hopper niedergestreckt. Die Detectives Johnson (James McDaniel) und Francelli (Michael Mosley) stehen vor einem Rätsel, zumal es scheint, als hätten die Manager der Opfer ein Interesse am Tod ihrer Schützlinge, schließlich schießen die Verkaufszahlen der Künstler nach ihrem Ableben in ungeahnte Höhen. Das nächste Opfer soll der aufsteigende Rapper „Manchild" (Nashaen Kearse) werden, Johnson und Francelli haben alle Hände voll zu tun, den Jungstar vor den Angriffen des Killers zu beschützen. Es beginnt ein Wettlauf gegen die Zeit, zumal auch die Männer aus der Szene ihre Waffen polieren und das gegenseitige Misstrauen immer größer wird.

    Zu Beginn stolziert Michael K. Williams („The Road") in edlem Zwirn durch ein exquisit ausgestattetes Penthouse und lässt seine gar nicht mal schlechten Rap-Künste hören. Auch die stilvolle filmische Umsetzung, die in ihrer Dynamik an ein Musikvideo erinnert, macht hier noch einen erstklassigen Eindruck. Doch die so geweckte Vorfreude bleibt nicht lange erhalten: Der talentierte „The Wire"-Star wird wenige Minuten später Opfer des Killers und der ansprechende Look weicht einer billigen Video-Optik. Auch darstellerisch und erzählerisch werden kaum Akzente gesetzt, Regisseur Pinckney spult sein Programm uninspiriert herunter und irritiert dabei mit einer erzählerischen Unentschlossenheit, durch die sich die überschaubare Laufzeit von „You're Nobody 'til Somebody Kills You" immer wieder quälend in die Länge zieht.

    Bei einer Begegnung zwischen dem stark codierten Slasher-Genre und dem ebenso regelbewussten Hip-Hop-Milieu gibt es allerlei spannende Anknüpfungspunkte, eine satirische Reflexion über typische Posen und Gesten, über Medien und Geld liegt förmlich auf der Hand. Aber „Scream" meets „8 Mile", das reicht Michael A. Pinckney offenbar nicht. Angefangen beim Titel (der auf einen Song von Biggie Smalls anspielt) tauscht er von Anfang an Zielstrebigkeit gegen einen besserwisserisch anmutenden kritischen Gestus ein. Endlos lang wird hier darüber schwadroniert, dass die böse (weiße) Industrie sich an Mord und Totschlag unter schwarzen Künstlern eine goldene Nase verdient und dass sich die afroamerikanischen Kulturschaffenden willfährig in die ihr zugeschriebene Rolle begeben. Das mag durchaus richtig sein, allerdings fehlt die analytische Klarheit, um dem längst Bekannten neue Aspekte abzugewinnen.

    Mit dem effektbewusst-provokanten Kino von Spike Lee („Do the Right Thing", „Malcolm X"), der hier als ausführender Produzent fungiert, hat „You're Nobody 'til Somebody Kills You" wenig gemein. Die Komik scheitert am schlechten Timing, die Spannung am holprigen Aufbau, die Botschaft am Prediger-Ton. Zu allem Überfluss baut Pinckney ohne erkennbaren Grund Mockumentary-Elemente ein, denen es nicht nur an Sinn sondern auch an einer überzeugenden Umsetzung mangelt. Letztlich scheitert „You're Nobody 'til Somebody Kills You" sowohl an seiner konzeptionellen Unentschlossenheit, als auch an formalen Unzulänglichkeiten und überzeugt weder als Horrorfilm noch als Satire der Hip-Hop-Szene. Fazit: Egal ob man „You're Nobody 'til Somebody Kills You" als Slasher-Horror, als Hip-Hop-Film, als Satire oder als Mischung aus allem betrachtet – nichts funktioniert so richtig.

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