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    Baymax - Riesiges Robowabohu
    Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
    4,0
    stark
    Baymax - Riesiges Robowabohu
    Von Björn Becher
    He needs to be huggable“, er muss einfach zum Knuddeln sein - das war die klare Vorstellung, mit der die Regisseure Don Hall („Winnie Puuh“) und Chris Williams („Bolt – Ein Hund für alle Fälle“) an die Gestaltung des Roboters Baymax für ihr Animationsabenteuer „Baymax - Riesiges Robowabohu“ gingen. Die Idee eines Roboters zum Knuddeln mag auf den ersten Blick abwegig wirken, zumal selbst etwaige filmische Vorbilder wie Nummer 5 oder Wall-E zwar Figuren sind, die man sofort ins Herz schließt, die aber sicher nicht die erste Wahl für eine Kuschelrunde sind. Doch Hall und Williams gelang das Kunststück und das Ergebnis ist der wohl liebenswerteste Roboter der Filmgeschichte (sorry, Wall-E!). Vom Sidekick entwickelt sich Baymax so auch schnell zur eigentlichen Attraktion, sodass der deutsche Titel des Films, der im Original „Big Hero 6“ heißt, einiges für sich hat. So oder so ist die Adaption eines Comics aus dem Hause Marvel trotz einer bisweilen etwas arg vorhersehbaren Geschichte ein großer Spaß für die ganze Familie.

    Als Roboter-Entwickler Tadashi (Daniel Henney) seinen kleinen, hochbegabten Bruder Hiro Hamada (Stimme: Ryan Potter) endlich davon überzeugt, sich an der renommierten Uni von Professor Callaghan (James Cromwell) zu bewerben, entwickelt dieser für die Aufnahmeprüfung sogenannte Nanobots, winzig kleine Roboter, die per Gedankenübertragung kontrolliert werden und sich zum Beispiel zu riesigen Gebäuden zusammenschließen können. Doch bei der Präsentation bricht ein Feuer aus, bei dem Callaghan und Tadashi ums Leben kommen - Teenager Hiro ist am Boden zerstört. Seine Schmerzen rufen den Roboter Baymax (Scott Adsit/in der deutschen Fassung: Bastian Pastewka) auf den Plan. Der von Tadashi entwickelte, wie ein riesiges Marshmallow aussehende „persönliche Gesundheitsassistent“ erkennt Leid und versucht Abhilfe zu schaffen. Durch Zufall entdecken der Junge und sein Roboter eine Anlage, in der Hiros Nanobots hergestellt werden, obwohl die Mini-Roboter eigentlich alle bei dem großen Feuer zerstört wurden. Ein unheimlicher Mann mit einer Kabuki-Maske kontrolliert die Bots und macht Jagd auf das Duo, das nur mit Mühe entkommt. Für Hiro ist klar: Der mysteriöse Unbekannte hat seinen Bruder auf dem Gewissen und muss dafür bezahlen. Baymax, der darauf programmiert ist, Hiros Leid zu lindern, hilft ihm, zudem kann der Junge Tadashis vier beste Freunde überzeugen, sich ihnen anzuschließen: Als Superhelden-Gang Big Hero 6 sagt die Gruppe dem Verbrecher den Kampf an…




    In „Baymax - Riesiges Robowabohu“ gibt es zwei ganz klare Stars: den Roboter Baymax und den Schauplatz. Die Geschichte ist in der fiktiven Stadt San Fransokyo angesiedelt, die wie es der Name schon andeutet eine Mischung aus San Francisco und Tokio ist. Die Macher haben dafür ganz San Francisco mit all seinen bekannten Brücken und Erhebungen in den Computer eingescannt und als Vorlage für die Filmmetropole verwendet. Zahlreiche Gebäude tauschten sie aber gegen Bauwerke aus Tokio aus, machten zudem die aus Filmklassikern wie „Is' was, Doc?“ und „Dirty Harry“ bekannten Straßenrampen noch steiler. Herausgekommen ist eine beeindruckende futuristische Stadt, die vor allem in ihrem Detail- und Abwechslungsreichtum im Animationsfilm ihresgleichen sucht. Man hat immer den Eindruck, dass es hinter der nächsten Straßenbiegung noch mehr zu entdecken gibt und dass die Computer-Welt kein Ende hat. So toll diese Kulisse auch ist, für die Handlung ist natürlich der zweite Star viel wichtiger: Baymax spielt sich in der Hitliste der Filmroboter im Nullkommanichts ganz nach vorne. Die Regisseure und ihre Autoren borgten sich aus dem relativ unbekannten Marvel-Comic „Big Hero 6“ nur die Grundidee und ein paar Einzelheiten. Vor allem die Baymax-Figur gestalteten sie im Vergleich zur Vorlage komplett neu, das gilt sowohl optisch (aus einer Panzerung wurde ein aufblasbares Riesen-Knautschkissen), als auch für seine Persönlichkeit.

    Baymax ist grundgut. Er ist darauf programmiert, Schmerzen zu mildern und zu heilen. Der tollpatschige Roboter, der keiner Fliege etwas zuleide tun kann, steht also plötzlich vor einem Dilemma: Um Hiros Pein zu lindern, müsste er ihm eigentlich helfen, seine Rache-Gelüste zu befriedigen. Zwar nicht subtil, aber trotzdem gekonnt, wird hier die moralische Frage eingewoben, wie weit Hiro und seine Freunde gehen dürfen, wenn sie als selbsternannte Superhelden für Recht und Ordnung kämpfen. Mit ernsten Themen wie diesem oder auch dem Tod von Hiros Bruder (ein für einen Familienfilm sehr düsterer Moment, der so früh im Film erhebliche Wirkung entfaltet) setzen die Filmemacher gezielte dunkle Akzente in einem ansonsten vornehmlich amüsanten Unterhaltungsfilm. Und für die zahlreichen Lacher sorgt auch in erster Linie Baymax: Ob er Bekanntschaft mit einer dicken Katze macht, sich bei fast leerer Batterie wie ein Betrunkener aufführt oder ob er – ein immer wieder genutzter Running Gag – einfach nur etwas langsam und ungeschickt ist, dieser schon jetzt kultige Roboter macht jede einzelne Szene zum Genuss.

    Bei einem so starken Helden fällt es kaum ins Gewicht, dass die Jagd auf den mysteriösen Maskenträger, dessen Identität letztlich auch nicht besonders überraschend ist, aus recht beliebig aneinandergereihten Einzelszenen besteht und dass alle Figuren außer Baymax mehr oder weniger unterentwickelt bleiben. Mit dem erst rebellischen, später verbitterten Teenager Hiro als eigentlicher Hauptfigur kann man immerhin recht gut mitfühlen, seine vier Gefährten sind aber nur Beiwerk. Sie werden schnell auf eine besondere Eigenschaft reduziert, die dann auch ihre jeweilige Superhelden-Persona bestimmt: GoGo Tomago (Jamie Chung) liebt die Geschwindigkeit und saust mit High-Tech-Rädern durch die Gegend; Wasabi (Damon Wayans Jr.) ist ein mit scharfen Plasma-Klingen bewaffneter Hüne, aber trotzdem ein ängstlicher Neurotiker; das süße Girlie Honey Lemon (Genesis Rodriguez) entpuppt sich als Chemie-Expertin, die in Sekundenschnelle pinke Glibber-Kugeln mischt, mit denen sie um sich wirft. Nur Ober-Nerd Fred (T.J. Miller/Andreas Bourani) fällt aus der Reihe. Der Comic-Fan ist nicht hochbegabt und dient der Gruppe als eine Art Maskottchen. Als Godzilla-Verschnitt Fredzilla (ein feuerspuckendes Gummimonster) hat er das abgefahrenste Helden-Kostüm und wir erfahren sogar ein wenig über seinen persönlichen Hintergrund. Die Nebenfiguren bleiben ansonsten eindimensional, auch wenn sie sich bei den ordentlichen Action-Szenen austoben dürfen. Die „Big Hero 6“ sind hier noch so etwas wie die „Big Hero 2 + 4“, wobei die Marvel-typische Szene nach dem Abspann verrät, dass sich dies in einer Fortsetzung ändern könnte.

    Fazit: „Baymax - Riesiges Robowabohu“ bietet großen Familien-Kino-Spaß mit Humor und Herz. Nur in Sachen Story und Spannung gibt es für eine mögliche Fortsetzung noch eine gehörige Portion Luft nach oben…
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