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    Homefront
    Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
    3,0
    solide
    Homefront
    Von Christoph Petersen

    Gary Fleders „Homefront“ ist der Alptraum aller Pazifisten und Waldorfschuleltern! Denn in dieser von Sylvester Stallone (!) geschriebenen Hommage an das kompromisslos-reaktionäre Actionkino der 70er und 80er Jahre steht nicht nur ein Ex-Undercover-Cop mit gezielten Faustschlägen und Kopfschüssen für sein Recht ein, sondern auch dessen süße 9-jährige Tochter, die sich auf dem Schulhof nichts gefallen lässt und dem dreimal schwereren Bully nach zwei höflichen Warnungen die Nase blutig kloppt. Aber wer eine solche zumindest hierzulande schon längst nicht mehr politisch korrekte Selbstjustiz-ist-das-Recht-jedes-rechtschaffenden-Amerikaner-Haltung als Teil des Genrekanons akzeptiert, der kann mit „Homefront“ eine Menge Spaß haben. Denn nicht nur kennt Gary Fleder in den Actionszenen  kein Erbarmen (hier meint „durchlöchert“ tatsächlich noch „DURCHLÖCHERT“), er würzt den altbewährten Plot auch mit genügend kleinen Eigenheiten, um dem schon oft ausgetragenen Leinwand-Duell des Law-and-Order-Einzelgängers mit den zahlenmäßig überlegenen Redneck-Gangstern die nötige Frische zu verleihen.

    Nach dem Tod seiner Frau zieht Ex-Cop Phil Broker (nach einigen Minuten mit schrecklicher Langhaarperücke zum Glück schnell wieder glatzköpfig: Jason Statham) aufs Land, um sich dort ganz auf die Erziehung seiner pferdeliebenden Tochter Maddy (schlagfertig: Izabela Vidovic) zu konzentrieren. Doch dann setzt eine schlichte Schulhofrangelei eine fatale Kettenreaktion in Gang: Zunächst bittet Cassie Bodine (erschreckend mager: Kate Bosworth), die drogenabhängige Mutter des geschlagenen Jungen, ihren methkochenden Bruder Gator (James Franco), Phil ein wenig Angst einzujagen. Aber während Gator als Warnung ein paar Reifen zersticht und ein Stofftier aufspießt, entdeckt er durch Zufall Phils Undercover-Unterlagen, aus denen auch hervorgeht, dass er für die Verhaftung des legendären Biker-Bosses Danny T (Chuck Zito) verantwortlich ist. Um neue mächtige Partner für sein Meth-Geschäft zu gewinnen, beschließt Gator, Danny T’s Gang den Aufenthaltsort von Phil und seiner Tochter als Aufwartungsgeschenk zu verraten. Aber da hat Gator die Rechnung ohne die irren Biker gemacht – denn bald stecken auch der heillos überforderte Kleinstadtganove und seine White-Trash-Geliebte Sheryl Marie Mott (schön nuttig: Winona Ryder) selbst ganz tief in der Scheiße…



    Sylvester Stallone war für „Rocky“ nicht nur als Bester Schauspieler für einen Oscar nominiert, sondern auch als Drehbuchautor. Und dass Sly tatsächlich kein schlechter Schreiber ist (selbst wenn er mit „Rambo 3“ und „Driven“ einige Totalausfälle zu verantworten hat), zeigt sich nun auch an seinem Skript zu „Homefront“. Denn obwohl der Plot sehr eng an Exploitation-Reißer wie  „Das Gesetz bin ich“ mit Charles Bronson  angelehnt ist, überrascht er doch immer wieder mit seinen ganz eigenen Kniffen und bleibt so bis zum Ende spannend. So geht der Zuschauer in den ersten Minuten natürlich davon aus, dass das Duell Statham Vs. Franco im Mittelpunkt des Films stehen wird – nur um dann bald festzustellen, dass Francos Figur im Schatten der eintreffenden Biker selbst nur ein ganz kleines Licht ist. Und auch ein Subplot um die Versöhnung von Phil und seiner Tochter mit der Familie des verprügelten Jungen verleiht dem Film eine unerwartete tragische Tiefe – denn die heranrollenden Biker sind längst nicht mehr zu stoppen.

    Neben den kleinen Eigenheiten werten auch die Schauspieler den im Kern natürlich trotzdem extrem simplen Film stark auf. Jason Statham überzeugt einmal mehr in seiner Paraderolle als störrischer Einzelgänger, der in den Actionszenen geradezu explodiert. Hier gibt es keine ausufernd choreographierten Prügeleien, stattdessen wird konsequent kurzer Prozess gemacht: Ein Schlag in die Fresse oder ein Schuss in den Kopf - und gut is‘! Auf der anderen Seite steht James Franco („127 Hours“), bei dessen Ankündigung für die Rolle des Statham-Gegenspielers wir uns schon ein wenig verwundert die Augen gerieben haben. Aber der Besetzungs-Coup geht auf: Franco gibt den Meth-Brauer als finsteren Zwillingsbruder seines Kultcharakters Alien aus „Spring Breakers“ mit so viel Charme, dass man mit ihm fast genauso sehr mitfiebert wie mit Jason Statham, wenn Gators Traum vom nationenweiten Meth-Vertrieb mit Karacho den Bach runtergeht.   

    Fazit: Jason-Statham-Festspiele für Fans geradliniger Arschtritt-Action – alle anderen sollten besser draußen bleiben.

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