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Kiss the Cook - So schmeckt das Leben
Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
3,5
gut
Kiss the Cook - So schmeckt das Leben
Von Thomas Vorwerk
Nach dem Kassenerfolg von „Buddy - Der Weihnachtself“ (2003, mit Will Ferrell) stieg Jon Favreau in die Riege jener Filmemacher auf, die mit Multimillionendollar-Projekten wie „Iron Man“ oder „Cowboys & Aliens“ betraut werden. Der Blockbuster-Regisseur begann seine Karriere jedoch als Schauspieler, etwa in Doug Limans „Swingers“ (1996), zu dem er außerdem das Drehbuch beisteuerte, oder als Anwaltskollege Foggy Nelson an der Seite von Ben Affleck in „Daredevil“ (2003). Bei „Kiss the Cook - So schmeckt das Leben“ übernahm Favreau nun erstmals vor und hinter der Kamera die Hauptrolle - und das Drehbuch zu diesem temperamentvollen Genre-Mix aus Liebes- und Familienkomödie, Koch-Film und Roadmovie schrieb er sich auch noch höchstpersönlich auf den Leib. Mit dieser Rezeptur gelingt ihm kurzweilige und leichte Unterhaltung, wobei die Handlung gegen Ende allerdings einige allzu willkürliche Haken schlägt.

Carl Casper (Jon Favreau) ist Küchenchef des erfolgreichen Feinschmecker-Restaurants „Gauloises“ in Los Angeles, doch er leidet darunter, dass Inhaber Riva (Dustin Hoffman) stur auf der Menüfolge der sehr konventionellen Speisekarte beharrt. Auch nachdem der Blogger Ramsey Michel (Oliver Platt) das Angebot kritisiert, ist der Besitzer nicht bereit, von seiner Linie abzurücken: Carl fühlt sich in seiner kreativen Freiheit eingeschränkt und schmeißt den Job hin. Er irrt zunächst ein wenig ziellos durchs Leben und erfüllt sich dann seinen alten Wunsch, einen Imbisswagen mit kubanischen Spezialitäten aufzumachen, wobei ihn sowohl sein Kollege Martin (John Leguizamo) als auch seine Exfrau Inez (Sofía Vergara) unterstützt. Und die Rückkehr zu seinen kulinarischen Wurzeln gibt ihm vielleicht auch eine neue Chance, das schwierige Verhältnis zu seinem elfjährigen Sohn Percy (Emjay Anthony) zu verbessern...


Der Anfang des Film ist relativ schlicht gehalten: Jon Favreau nimmt sich Zeit, um die Figuren einzuführen und lässt dabei auch die Liebe zum Kochen, die Carl, seinem Freund Martin und seiner rechten Hand Tony (Bobby Cannavale) gemeinsam ist, lebendig werden. Die Kellnerin Molly (eine ungewohnt schwarzhaarige Scarlett Johansson in einer kleinen Nebenrolle) komplettiert das Team, das mit Anspannung dem bevorstehenden Besuch des Restaurantkritikers entgegenblickt. Carls Reibereien mit dem Besitzer des „Gauloises“ (Dustin Hoffman als innovationsfeindlicher Giftzwerg) geben der Sache Würze und als der von der „bewährten“ Speisekarte enttäuschte Ramsey Michel schließlich seine negative Meinung kundtut, kommt Tempo und Temperament dazu, wenn Social-Media-Neuling Carl durch ein Twitter-Missgeschick erst einen mittelschweren Internet-Orkan entfacht und dann einen formidablen Wutausbruch in Fleisch und Blut hinlegt.

Neben den kulinarischen Querelen hat der Protagonist aber auch noch ein ebenso problembeladenes Privatleben zu meistern. Und da verhält sich Carl zu Beginn oft besonders ungeschickt (der schlimmste Fauxpas ist, wenn er seinen Sohn kurzangebunden am Bordstein vor der Villa der Mutter zurücklässt und nicht einmal merkt, wie dieser ihm hinterherwinkt). Hier werden unzählige Konflikte angelegt, die beim arg lupenreinen Happy End dann plötzlich keine Rolle mehr spielen. Bevor Favreau seinen Film allerdings auf die holprige Zielgerade steuert, bietet er uns mit dem gemeinsamen Roadmovie-Abenteuer von Vater und Sohn noch das Herzstück seiner Geschichte: Die behutsame Annäherung zwischen den beiden, die vor allem darüber erfolgt, dass der Knirps seinen alten Herrn in die Welt der sozialen Medien einführt, ist sensibel erzählt und mit Überzeugung gespielt. Überhaupt sind es die durch die Bank mit ansteckender Spiellaune agierenden Darsteller (unter ihnen auch „Iron Man“ Robert Downey Jr. in einem Gastauftritt als zweiter Ex-Mann und reicher Gönner), die den mit schwungvoller Latino-Musik begleiteten Reigen trotz seiner dramaturgischen Schwächen zu einem gutgelaunten Vergnügen machen.

Fazit: Charmanter Familienfilm mit kubanischem Flair und viel Temperament.
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Kommentare

  • Fain5
    Tim allen hat nicht in Buddy der Weihnachtself mitgespielt sondern in Santa Clause. Was denn los mit euch?
  • Venom
    Auch die Beschreibung auf der Startseite ist mehr als unglücklich formuliert. "führt [...] erstmals Regie und spielt gleichzeitig die Hauptrolle."
  • Thomas V.
    Sorry wegen der Verwechslung - da stand ich wohl kurzzeitig unter dem falschen Mistelzweig ...
  • Anke R.
    Schöner leichter Film, am Ende allerdings für meinen Geschmack zu flach. Hier wurde alles so schnell und positiv zu Ende gebracht, dass einem fast schwindelig wurde. Der Charakter des Carl Casper war aber gut gezeichnet, nicht so glatt und angepasst. Ich würde den Film auf alle Fälle weiterempfehlen für einen kurzweiligen Kinoabend, macht gute Laune, auch schon wegen der Musik.
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