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    Die Bestimmung - Allegiant
    Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
    1,5
    enttäuschend
    Die Bestimmung - Allegiant
    Von Andreas Staben
    In einer der spektakulärsten und besten Sequenzen von Robert Schwentkes dystopischer Young-Adult-Science-Fiction-Fortsetzung „Die Bestimmung – Allegiant“ versuchen die Protagonistin Tris und ihre Freunde eine senkrecht in den Himmel ragende Mauer zu überwinden. Während die anderen die steile Wand erstaunlich locker erklimmen (die wahren Schwierigkeiten kommen später), gerät Tris‘ Bruder Caleb ins Stolpern und verliert den Halt. Das war laut Presseheft gar nicht so einfach für den Schauspieler Ansel Elgort („Das Schicksal ist ein mieser Verräter“), denn er ist im wahren Leben ein hervorragender Freeclimber. Aber er nahm klaglos die blauen Flecke in Kauf und verstellte sich überzeugend. Wie sich herausstellen sollte, meisterte er damit zugleich eine der größten darstellerischen Herausforderungen im gesamten Film: Der dritte, aber nicht abschließende Teil (das Finale „Die Bestimmung – Ascendant“ soll 2017 starten) in dem Franchise nach Veronica Roths Bestseller-Trilogie bietet einige zufriedenstellende Actionszenen und ein paar nette Design-Schmankerl, aber die Figurenzeichnung ist so statisch, dass die Akteure schlicht nichts zu tun haben. Selbst Hauptdarstellerin Shailene Woodley („The Descendants“), die dem zweiten Teil „Die Bestimmung – Insurgent“ noch fast im Alleingang Leben eingehaucht hatte, darf hier fast nur erklärende Dialoge aufsagen, die zudem zunehmend unsinnig ausfallen: Die Besetzung wird hier endgültig zum Opfer einer hanebüchenen Handlung.

    Nach dem Tod der diktatorischen Jeanine (Kate Winslet) ist das Klassensystem im Chicago der Zukunft zusammengebrochen. Evelyn (Naomi Watts), die Anführerin der Fraktionslosen, will kurzen Prozess mit den Handlangern der gestürzten Tyrannin machen und sie vor einer aufgeputschten Menge hinrichten lassen, was Johanna (Octavia Spencer) und ihre friedfertigen Anhänger für einen großen Fehler halten. Während sich ein neuer Konflikt anbahnt, überredet Tris Prior (Shailene Woodley) ihren Freund Tobias „Four“ Eaton (Theo James) dazu, ihren Bruder Caleb (Ansel Elgort) aus dem Gefängnis zu befreien. Gemeinsam mit dem zwielichtigen Peter (Miles Teller) und Tris‘ Freundinnen Christina (Zoë Kravitz) und Tori (Maggie Q) wollen die Drei Chicago verlassen und die Außenwelt erkunden, von der sie so lange nichts geahnt hatten. Doch dafür müssen sie eine 60 Meter hohe, mit elektrischem Draht gesicherte und streng bewachte Mauer überwinden …


    Die Filmemacher nehmen sich gegenüber der Vorlage wieder einige Freiheiten heraus und knüpfen auch nicht unmittelbar an das Ende des zweiten Teils an, was von Shailene Woodleys erneut verändertem Look unterstrichen wird. Die Kämpfe im längst noch nicht befriedeten Chicago (und damit auch Naomi Watts und Octavia Spencer) werden schnell links liegen gelassen und mit der Ankunft der rasch dezimierten Flüchtlingsgruppe um Tris beim vom verschlagenen David (Reihenneuling Jeff Daniels) geleiteten „Amt für genetisches Sozialwesen“ werden die erzählerischen Weichen vollkommen neu gestellt. Die vorher über zwei Filme ausgewalzten Unterschiede zwischen den Fraktionen spielen hier plötzlich kaum noch eine Rolle und aus einer Geschichte über Gruppendruck und Selbstverwirklichung mit politischen Untertönen wird nun eine allzu simple Fabel über die Gefahren der Gentechnik. Anzugträger David, dem die bösen Absichten gleichsam ins Gesicht geschrieben sind (was nur unsere Heldin Tris nicht sieht), entpuppt sich als Mischung aus gierigem Geschäftsmann und verrücktem Wissenschaftler, der auch vor systematischer Kindesentführung (einschließlich des Löschens aller Erinnerungen) und der Vergasung einer ganzen Stadt nicht zurückschreckt. Irgendwo mag darin eine denkwürdige Schurkenfigur verborgen sein, aber Davids umständliches Gerede von genetischer Reinheit klingt eben nur an den Haaren herbeigezogen und nicht (größen)wahnsinnig.  

    In den ersten beiden Filmen wurde viel aus der Perspektive von Tris erzählt, die diverse Prüfungen und Simulationen durchstehen musste. Hier wird diese Strategie aufgegeben, wodurch Shailene Woodley diesmal unterfordert bleibt, zumal auch die Liebesgeschichte zwischen Tris und Four weiterhin reine Behauptung ist. Außerdem fehlt dem Film der emotionale Anker: Das lässt sich gut an den Szenen erkennen, in denen es um die von David eingesetzte Überwachungs- und Kriegstechnik geht. Wenn Caleb oder Peter aus einer Art Kontrollwabe heraus virtuell mitten in das von ihnen beobachtete Geschehen in Chicago eintauchen können oder wenn Four mit Drohnenverstärkung (das sind kleine fliegende Scheiben, die nicht nur um die Ecke und durch Wände schauen, sondern den Nutzer auch in ein schützendes Kraftfeld hüllen können) in den Straßenkampf in der Randzone zieht, dann sind das visuell aufregende, durchaus mitreißende Momente, aber die Spannung bleibt äußerlich. Immerhin sorgt Regisseur Robert Schwentke („Flightplan“), der seinen Platz beim vierten Teil Lee Toland Krieger („Für immer Adaline“) überlässt, für eine ganze Menge solcher Oberflächenreize: von der faszinierenden Architektur des „Amtes“, für die der Chicagoer O’Hare-Flughafen futuristisch aufgemotzt wurde, über den reizvollen Look der verseuchten Region hinter der Mauer, der irgendwo zwischen Mars-Landschaft, Müllhalde und „Mad Max“ angesiedelt ist, bis zu allerlei coolen Fahrzeugen und Fluggeräten, die in jahrmarktsreifen Actionszenen zur Geltung gebracht werden.  
     
    Fazit: Der dritte Teil der Blockbuster-Reihe ist ein deutlicher Rückschritt gegenüber den ersten beiden Filmen. Die Neugierde auf das Finale hält sich nun in engen Grenzen.
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