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    Bibi & Tina 2 - Voll verhext
    Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
    3,5
    gut
    Bibi & Tina 2 - Voll verhext
    Von Christoph Petersen
    In der FILMSTARTS-Kritik zu seinem Komödien-Hit „Rubbeldiekatz“ heißt es, der Film verdanke seinen Charme einem „kreativen Chaos“ und „wunderbar absurden Einfällen“, die nicht unbedingt immer etwas mit der eigentlichen Handlung zu tun haben müssen. Eine Beschreibung, die eins zu eins auch auf Detlev Bucks neuesten Streich zutrifft: Bereits neun Monate nach dem Kinostart des Millionen-Erfolgs „Bibi und Tina – Der Film“ kommt mit „Bibi & Tina – Voll verhext“ nun ein zweiter Teil in die Kinos, bei dem der für Buck typische trocken-anarchische Humor nicht länger nur durchschimmert, sondern von der „Kill Bill“-Kommissarin bis zum „Circus HalliGalli“-Bösewicht regelrecht in den Vordergrund prescht. Freunde absurder Pointen kommen hier voll auf ihre Kosten, selbst wenn sie dem Zielgruppenalter bereits entwachsen sind (aber inzwischen sind ja auch viele der Kassettenhörer von Kinderzimmerklassikern wie „Benjamin Blümchen“ oder dem Pop-Phänomen „Die Drei ???“ Erwachsene). Nur an die Songs, die erneut etwas ziellos zwischen augenzwinkernder Parodie und ernstgemeinter BRAVO-Schnulze mäandern, muss man sich auch in der Fortsetzung erst einmal wieder gewöhnen.

    Nachdem Diebe die wertvolle - und leider nicht versicherte - Gemäldegalerie von Graf Falko von Falkenstein (Michael Maertens) leergeräumt haben, rücken die Vorbereitungen für das anstehende große Kostümfest auf Schloss Falkenstein erst einmal in den Hintergrund. Denn statt über die passende Verkleidung nachzudenken, müssen Bibi Blocksberg (Lina Larissa Strahl) und ihre beste Freundin Tina (Lisa Marie Koroll) nun erst einmal die Gauner ausfindig machen und die gestohlenen Falkenstein-Familienporträts wiederbeschaffen. Aber obwohl eine erste Spur schon bald zu dem zwielichtigen Hehler Angus Naugty (Olli Schulz) führt, fällt es Bibi immer schwerer, sich ganz auf die Ermittlungen zu konzentrieren. Die Junghexe hat sich nämlich in den gutaussehenden Tarik (Emilio Moutaoakkil) verknallt. Doch den gut gebräunten Mädchenschwarm und seine Geschwister umgibt ein tragisches Geheimnis…


    Tarik bringt mitsamt seinen Brüdern und seiner Schwester, die elternlos mit ihm in einem Wohnwagen hausen, einen Tupfer Lebenswirklichkeit (angenehmerweise ohne jedes herablassende Hartz-4-Betroffenheitsgedusel) in die ansonsten so poppig-bunte Reiterferien-Welt rund um Schloss Falkenberg mit seinem verplant-monokeltragenden Grafen und den Martinshof mit seinem Waschbrettbauch-Stalljungen, der auch in einer Coke-Light-Werbung gut aufgehoben wäre. Aber davon abgesehen nutzt Regisseur Buck alle Freiheiten, die ihm der Stilmix aus Teenie-Traum, Hexen-Musical und anspielungsreichen Meta-Pointen einräumt: So entpuppt sich etwa die von Mavie Hörbiger („Liebesluder“) supercool verkörperte Kommissarin Greta Müller nicht wie es der Name vielleicht vermuten lässt als typische Dorfpolizistin, sondern als deutsche Variante der Braut aus „Kill Bill“, die mit Samurai-Schwert und Leder-Outfit dem Grafen den Kopf verdreht. Ein Stilbruch, der nicht nur Tarantino-Fans zum Schmunzeln bringen wird, zumal auch Müllers Song „98 Prozent“ (es geht um ihre Aufklärungsquote) zu den besseren im Film zählt.

    Noch deutlicher wird der Unterschied der voll verhexten Fortsetzung zum ersten Teil bei der Gestaltung des Gegenspielers: Wo Charly Hübner als Hans Kakmann im Vorgänger noch einen typischen Familienfilm-Bösewicht gab, wirkt Anarcho-Komiker Olli Schulz mit seinem staubtrocken-norddeutschen Humor nun vielmehr so, als würde er gerade undercover einen seiner Beiträge für „Circus HalliGalli“ abdrehen. Und beim finalen Kostümball – inklusive Zeitreise-Weltkriegs-Abstecher - spielt die Handlung dann endgültig nur noch die dritte Geige, wenn der gut vernetzte Buck ein wahres Feuerwerk an irrwitzigen Cameo-Auftritten abfeuert (wir verraten nichts!). „Bibi & Tina – Voll verhext“ macht Kindern Spaß, aber er ist zugleich definitiv absurd genug für einen abgefahrenen Filmabend unter gern auch leicht benebelten Erwachsenen.

    Fazit: „Bibi & Tina – Voll verhext“ ist noch um einiges verrückter als der erste Teil. Detlev Buck lässt dem „kreativen Chaos“ endgültig freien Lauf, weshalb die Fortsetzung nicht nur als kurzweilige Familienunterhaltung taugt, sondern nebenbei auch das Zeug zum poppig-kultigen Midnight Movie hat.
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