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Lolo - Drei ist einer zu viel
Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
2,0
lau
Lolo - Drei ist einer zu viel
Von Katharina Granzin
Wer angenommen hatte, hinter der zweifelhaften Grammatik im deutschen Verleihtitel stecke eine subtile ironische Pointe, der ist nach Ansicht des Films nicht schlauer als vorher, denn Julie Delpys Komödie „Lolo – Drei ist einer zuviel“ enthält keinerlei Spuren von Subtilität und damit auch keinen Hinweis auf mögliche Hintergedanken. Die Schauspielerin, die seit einiger Zeit auch als Drehbuchautorin und Regisseurin erfolgreich ist, hat schon in ihrem temporeichen französisch-amerikanischen Culture-Clash-Doppel „2 Tage Paris“ und „2 Tage New York“ eine Tendenz zu eher derbem Humor gezeigt, die in ihrem neuesten Lustspiel nun noch stärker durchschlägt, wodurch der turbulente Intrigenreigen aus dem Gleichgewicht gerät. Diesmal ist das Timing daneben, die Klischees wirken penetrant, die meisten Witze flach und die allzu grob skizzierten Figuren in der großen Mehrheit unsympathisch. Da helfen auch ein netter Cameo-Auftritt von Karl Lagerfeld und die hübsche Ausstattung nur bedingt.

Bei einem Urlaub in Biarritz lernt die in der Modebranche tätige Pariserin Violette (Julie Delpy) einen Provinzler (Dany Boon) mit Segelohren kennen und verliebt sich. Der Zufall will es, dass der nette Jean-René ohnehin gerade im Begriff ist, in die Hauptstadt umzuziehen. Als Informatiker ist er begehrt, und eine Wohnung hat er auch schon. Dem Glück zu zweit würde nichts im Wege stehen, wenn da nicht Violettes Sohn (Vincent Lacoste) wäre, den sie zärtlich „Lolo“ nennt. Der 19-Jährige trägt nach ersten Erfolgen mit seiner abstrakten Malerei ein völlig aufgeblasenes Selbstbewusstsein vor sich her trägt, ist aber gleichzeitig noch ein richtiges Muttersöhnchen. Mehr noch: Er ist von psychotischer Eifersucht getrieben. Nach außen hin freundlich und hilfsbereit, setzt Lolo hinter den Kulissen alles daran, das neue Liebesleben seiner Mutter zu hintertreiben, und spielt dem arglosen Jean-René übel mit.


Dreieckskonstellationen wie hier bieten unzählige Möglichkeiten für amüsante Verwicklungen und emotionale Verwirrungen. Doch sie bleiben in „Lolo“ weitgehend ungenutzt, denn statt auf wechselnde Allianzen und erzählerische Dynamik zu setzen, hat Julie Delpy die Rollen ihres Protagonisten-Trios von Anfang an so sehr festgeklopft, dass für überraschende Wendungen und unerwartete Veränderungen kein Spielraum bleibt. Es ist fast so, als trüge jede Person ein Schild um den Hals oder ein Zeichen auf der Stirn, auf dem ihr jeweiliger Typus ein für alle Mal auf den Punkt gebracht wird: der gutherzig-naive Provinzheini. Die kapriziös-neurotische Pariserin. Das ultraverwöhnt-arrogante Muttersöhnchen. Niemand darf hier aus der Rolle fallen, vielmehr werden die Stereotype durch die fast ins Groteske gehende Zuspitzung jeglicher Ambivalenz beraubt: Alle chargieren drauflos, was das Zeug hält, einschließlich der schauspielernden Regisseurin selbst: Mit übertriebener Mimik und entnervtem Augenrollen spielt sie die Karikatur einer hysterischen Großstadtzicke.

Natürlich lassen sich auch aus abgestandenen Stadt-Land-Gegensätzen (auch hier also wieder Culture Clash, nur diesmal auf nationaler Ebene) und abgeschmackten liebesbuhlerischen Rivalitäten immer noch einige Lacher herausholen, worum sich Dany Boon (dem das bei „Willkommen bei den Sch’tis“ allerdings wesentlich besser gelungen ist) und Vincent Lacoste („Saint Amour“) auch redlich bemühen. Doch sie können gegen die lieblos-einseitigen Vorgaben des Drehbuchs und angesichts einer holprigen Inszenierung nicht sehr viel ausrichten. Wenn ein Mann einer Frau wie hier aus Versehen einen großen Fisch auf den Schoß fallen lässt, ist das ja nicht automatisch lustig, sondern die Pointe muss auf den Punkt platziert werden. Das gelingt Julie Delpy jedoch kaum einmal und da ihrem Film zudem das nötige Erzähltempo fehlt, um über diverse misslungene Zoten und Gags hinwegeilen zu können, fällt dies umso stärker auf.     

Fazit: In dieser klischeeverliebten französischen Komödie werden aus einer vielversprechend intriganten Grundsituation enttäuschend wenige komische Funken geschlagen.
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